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Sonderkultur

Nutzhanf: Darum setzen Landwirte auf die Nischenkultur

Winterhanf bildet auch in trockenen Jahren viel Biomasse
am Mittwoch, 17.08.2022 - 10:00 (Jetzt kommentieren)

Nutzhanf ist robust, vielfältig nutzbar, aber nur selten auf dem Acker zu sehen. Auf dem Hanftag Nordrhein-Westfalen berichten Landwirte, warum sie auf die Nischenkultur setzen.

Verborgen in einem Maisfeld nahe Bad Sassendorf steht der Nutzhanf und verströmt seinen süßlichen Geruch. Doch im Gegensatz zu den illegalen Cannabisplantagen, die der Zoll hin und wieder in Maisfeldern aufstöbert, handelt es sich hier um vollkommen legale Anbau- und Düngeversuche mit verschiedenen Winterhanf-Sorten. Jetzt im Spätsommer sind die Pflanzen brusthoch, einige Sorten erreichen sogar Höhen von rund 3 m. Trotz der Dürre hat der Nutzhanf viel Biomasse gebildet.

Wie sich diese Pflanzen anbauen, ernten und vermarkten lassen, darum drehte sich der Hanftag, den das Zentrum für Nachwachsende Rohstoffe NRW auf Haus Düsse organisiert hat. Dort berichten Landwirte von ihren Erfahrungen mit der Kultur.

Diese Produkte lassen sich aus Nutzhanf herstellen

Nutzhanf ist eine robuste Kultur, die nach langen Jahren in Vergessenheit wieder im Kommen ist. In Deutschland sind zurzeit 79 Sorten zugelassen, die arm an THC (Tetrahydrocannabinol) sind. Nur wenige Sorten wie etwa Estica oder Tinola haben größere Bedeutung. Nutzbar sind fast alle Teile der Hanfpflanze. Besonders wertvoll sind die Samen.

Sie sind reich an essenziellen Aminosäuren, wie etwa Lysin. Neben Tierfutter eignen sie sich besonders für die Ölherstellung. Die Körner werden mittlerweile aber auch in Müslis serviert. Die Blüten lassen sich etwa zu Cannabidiol (CBD)-Produkten, etwa Kosmetik und Öl verarbeiten. Aus den Fasern lässt sich unter anderem Garn, Isolierung und Vlies gewinnen. Die Schäben, die groben Faserbestandteile, werden zu Einstreu und Baustoffen.

Vorteile für Wild und im Ackerbau bei Landwirt Wilhelm Teklote

Aber auch das Wild schätzt den Winterhanf sehr als Einstand. Rehwild, Hasen, Fasanen und auch die seltenen Rebhühner lassen sich häufig in den Versuchsflächen von Haus Düsse blicken. Auch Bienen und andere Insekten nehmen den Pollen der Hanfblüten gern an.

Deshalb bekommt Landwirt Wilhelm Teklote aus dem westfälischen Rhede für seinen Nutzhanf viel positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Auch vom örtlichen NABU gibt es großes Lob für die Effekte auf die Tierwelt. Neben der Kälbermast hat er sich mit dem Anbau von Winterhanf ein neues Standbein aufgebaut. Für Teklote bietet Nutzhanf auch ackerbaulich große Vorteile, wie

  • Humusaufbau,
  • zugelassene Zweitfrucht (unter anderem in Nordrhein-Westfalen),
  • hoher Vorfruchtwert,
  • geringer Wasserbedarf,
  • kein Pflanzenschutzaufwand,
  • tiefe Durchwurzelung,
  • Abbau von Schwermetallen im Boden und
  • keine Stickstoffauswaschung.

Teklote hat sich auf den Anbau für die Fasernutzung spezialisiert. Den Winterhanf drillt er im Juli mit 25 kg/ha Aussaatstärke. Mit seinem Winterhanf erntet der münsterländische Landwirt rund 2,5 t/ha. Der Erlös lag bei etwa 300 Euro pro Tonne. Zum Vergleich: Die Kosten für Saatgut und Ernte liegen etwa 30 Euro pro Tonne über denen von Senf und Phacelia.

So vermarktet Landwirt Stephan Künne sein Hanföl

Landwirt Stephan Künne aus dem Osnabrücker Land hat sich hingegen auf die Herstellung von Hanföl spezialisiert. Seit zwei Jahren baut er auf 3 ha Winterhanf auf seinem Betrieb an, im Januar ist er mit dem Verkauf des Öls gestartet. Neben der Sauenhaltung bewirtschaftet er 250 ha, auf denen sonst Kartoffeln, Getreide, Zuckerrüben und Weihnachtsbäume wachsen. Die Nutzhanfsamen verarbeitet er zu Hanföl, dass er über Wochenmärkte, Bauernläden und den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in der Region vermarktet.

Die Ölpresse hat er sich dazu eigens angeschafft. Das Pressen von Nutzhanfsamen sei zwar schwieriger als Raps, aber dennoch der einfachste Teil. Durch die Listung im LEH musste Künne sich etwa in die Anforderungen der Zertifizierung und der Etikettierung einarbeiten. Von Anfang an arbeitete er mit dem örtlichen Gesundheitsamt zusammen. Die Vermarktung sei hingegen die größte Herausforderung.

Größte Herausforderung: Vermarktung

So entpuppte sich gerade der LEH nicht als Selbstläufer für die Nutzhanfprodukte. Ohne Tastings und Verkaufsaktionen taten sich die Flaschen mit dem wertvollen Öl in den Regalen schwer. Künne versucht daher mit dem richtigen Storytelling eine Marke aufzubauen. In Kooperation mit einem lokalen Gewürzhandel versucht er zudem, das Sortiment der hofeigenen Produkte zu erweitern. Er setzt auf Social Media und Werbung in lokalen Medien, um bekannter zu werden.

Künne schätzt besonders, wie hoch die Wertschätzung der Kunden und der örtlichen Bevölkerung für seine Produkte sind. Der Unterschied sei besonders groß im Vergleich zum Betriebszweig Sauenhaltung. Als Sauenhalter sieht er sich oft in der Defensive gegenüber Nichtlandwirten. Auch seine Familie zieht bei der Ölproduktion und dem Verkauf auf dem Markt voll mit.

Hanfanbau und Ernte in Deutschland mit einem Claas Lexion 6900

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