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Kommentar

Pflanzenschutz: Alles kommt auf den Prüfstand

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann
am Mittwoch, 18.03.2020 - 05:40 (1 Kommentar)

Immer mehr Pflanzenschutzmittel stehen auf der Abschussliste. Doch es gibt gute Ideen, wie Ackerbau trotzdem funktionieren kann. agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann kommentiert.

Die Feldspritze ist der Inbegriff des Bösen. Sie steht für das Schlechte und Heimliche, was Bauern auf ihren Äckern treiben. So denken heute Teile der Bevölkerung und – noch schlimmer – einige Politiker. Fakten zählen da nur am Rande.

Was das für die Praxis bedeutet, ist längst unübersehbar. Diverse Wirkstoffe haben ihre Zulassung verloren. Thiram in der fungiziden TMTD-Rübenbeize etwa, der Ramularia-Wirkstoff Chlorthalonil, Prochloraz in der Gerste oder das Rübenherbizid DMP. Glyphosat ist sowieso bald Geschichte.

Verschollenes Großvaterwissen hervorkramen

Der Wandel im Ackerbau hat begonnen – erzwungenermaßen – und er wird für die, die ihn auf der eigenen Scholle ausbaden müssen, unbequem. All das, was in den letzten Jahrzehnten so manches Mal nach dem Schema „Problem – chemische Lösung“ funktioniert hat, steht auf dem Prüfstand.

Viele Praktiker setzen schon längst neue Ideen um und zeigen, wie Ackerbau trotzdem funktionieren kann. Beispiele sind: Untersaaten zur Unkrautunterdrückung, der Anbau gesünderer Sorten oder Boden- und Wasserschutz dank Humusaufbau. Verschollenes Großvaterwissen wird hervorgekramt und manche alte Maschine im neuen Gewand ebenfalls.

Aufbruchstimmung mit neuen Ideen

Die Kombination aus neuen Ideen und altem Wissen sorgt für eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Erkennbar ist das an den vielen neuen Geräten, die am und im Boden arbeiten. Praxisvorführungen zeigen, wie groß der Informationsbedarf ist. Manches scheint auf den ersten Blick die Lösung aller Probleme zu sein, ist aber längst nicht praxisreif, siehe Unkrautbekämpfung per Strom.

Andere Entwicklungen sind auf den Betrieben bereits angekommen. Dazu gehören Flachgrubber, kamerageführte Hacken oder Präzisionsstriegel, die auch in Dammkulturen gleichmäßig arbeiten. Beim Hybridweizen allerdings muss man sich hackenkompatible Reihenweiten von 25 cm und gerade mal 80 Körner pro Quadratmeter auch erst mal zutrauen.

Die Fix-und-fertig-Lösung wird es nicht mehr geben

Die Wahrheit ist: Die Fix-und-fertig-Lösung per Chemie wird es in Zukunft kaum noch geben. Spezialtechnik soll dann helfen, um mit Messerwerkzeugen Wurzelunkräuter im Boden zu kappen oder – über dem Bestand geführt –  Samenstände abzuschneiden und einzusammeln.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass diese Verfahren teurer und abhängig vom Wetter sind, mehr Diesel benötigen und die Stickstoffmineralisation befeuern. Geld für Forschung und Förderung ist nötig, um Innovationen voranzutreiben. Die besten Ideen kamen schon immer aus der Mitte der Landwirtschaft.

Dieser Kommentar ist im agrarheute Magazin 3/2020 erschienen. Diskutieren Sie mit und nutzen Sie die Kommentarfunktion unten.

 

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