Login
Berichterstattung

Pflanzenschutz: Presse biegt statistische Auswertungen zurecht

Pflanzenschutz Weizen
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
06.06.2017

Die Berliner Zeitung hat kürzlich über einen steigenden Pflanzenschutzmitteleinsatz in Deutschland berichtet. Die willkürliche Auswertung hat sich als "Unstatistik des Monats" herausgestellt.

Die Berliner Zeitung titelte am 12. Mai 2017 "Über 34.000 Tonnen - Bauern spritzen immer mehr Pflanzengift". Nach einem Befund der Bundesregierung "stieg die Gesamtmenge der in Deutschland ausgebrachten Pflanzschutzmittel zwischen 2009 und 2015 um rund 4600 auf 34.700 Tonnen", heißt es in dem Artikel - eine Interpretation, die von der ProVegan-Stiftung und dem WWF aufgegriffen wurde. Schwindende Vogelbestände und Bienensterben seien eine Folge, berichtet die Berliner Zeitung weiter.

Medien interpretierten die Pflanzenschutz-Zahlen nach Gutdünken

Der Absatz der zwischen 2006 bis 2015 jährlich in Deutschland verkauften Pflanzenschutzmittel schwankte witterungs- und preisbedingt zwischen 30.000 und 35.000 t, wie aus Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervorgeht. Allerdings variieren die Ergebnisse, je nachdem welchen Zeitabschnitt man betrachtet. So zeigt der Vergleich der Jahre 2009 (30.162 t) und 2015 (34.752 t) einen Trend nach oben. Vergleicht man hingegen die Jahre 2008 (34.664 t) und 2014 (34.514 t), erhält man einen leicht sinkenden Trend. Letzterer könnte mit den Zahlen aus 2016 noch deutlicher ausfallen, da in diesem Jahr die Mengen nach Angaben des Industrieverbands Agrar (IVA) "stark rückläufig" waren. Offizielle Daten für das Jahr 2016 hat das BVL bisher nicht veröffentlicht.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) kritisiert die Interpretation der Zahlen nach Gutdünken. "Jede Zeitreihe, die zufällig um eine Konstante herum schwankt, hat, wenn man in einem Tal anfängt und auf einem Berg aufhört, einen positiven Trend. Und umgekehrt erzeugt man einen negativen Trend beim Start auf einem Berg und Ziel in einem Tal", erklären die Experten vom RWI das Zustandekommen von "sehr unterschiedlichen Aussagen, je nachdem welches Jahr man zum Vergleich heranzieht".

RWI mahnt: Ganze Kurve betrachten

Ihre Ausführungen untermauern die Statistiker mit einem Hinweis auf die Finanzbranche. "Die gleiche Methode - ein Tal auszuwählen und oben am Berg aufzuhören - wird auch gerne von Investmentfirmen verwendet, die bei potenziellen Kunden den Eindruck erwecken möchten, dass der Wert ihres Produkts stets nach oben geht." Die Experten vom RWI empfehlen daher: "Lassen Sie sich immer die ganze Kurve zeigen."

Mit der "Unstatistik des Monats" hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer seit 2012 jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Warnungen vor Glyphosat im Urin haben den Titel bereits zweimal erhalten.

Mit Material von aiz

Vom Feld: Live-Bilder aus der Saison 2017

MB Trac am Abend
Ballenfolie gegen Brustkrebs
Frühsommer Mahd
Mähen von Gras
Grasernte und müde Katze
Grünland Ernte
Güllefahren
Kälber auf Weide
John Deere und Feldhäcksler
Mistfahren
Mahd und Düngung
New Holland Weide
Pflanzenschutz mit John Deere
Rapsfeld und Landwirtin
Rind auf Weide
Sommer in der Landwirtschaft
Pflanzenschutz im Raps
Rehkitz Mahd
Traktor durch Rapsfeld
Kichererbsen Acker
Pflügerwettbewerb
Cultangerät
Düngen auf Acker
Hofarbeit
JCB im Einsatz
Quinoa Acker
Radlader Heuballen
acker Mais
Lamborghini
Auch interessant