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Pflanzenschutz: Toxinbelastung senken

von , am
25.05.2013

Warm und feucht: Das sind optimale Bedingungen für das Wachstum von Ährenfusarien. Versuche des JKI zeigen, welche Mittel am besten wirken.

Der Klimawandel verändert das Artenspektrum und begünstigt spezielle Pilze wie z. B. Fusarium. © hapo/landpixel
Was für ein Jahr vor uns liegt und wie hoch die Fusarienbelastung im Getreide sein wird, ist nicht vorhersehbar. Dennoch ist es seit einigen Jahren Fakt und die Landwirte sollten sich darauf vorbereiten, dass die Ährenfusariosen zunehmen. Das hat mehrere Gründe: Mit einer größeren Maisanbaufläche wächst auch die Zahl der zukünftig relevanten Fusarium-Arten. Der Klimawandel verändert das Artenspektrum und begünstigt spezielle Pilze wie z. B. Fusarium langsethiae in Hafer oder Sommergerste. Ein erweitertes Spektrum wiederum lässt neue Toxine erwarten, deren Höchstgrenzen noch nicht gesetzlich geregelt sind.

Pilzbelastung wächst

In einem Pflanzenschutzsymposium von Feinchemie Schwebda (FCS) in Fulda berichtete Dr. Bernd Rodemann vom Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig über aktuelle Ergebnisse von Labor- und Freilandversuchen zum Einsatz verschiedener Wirkstoffkombinationen gegen Ährenfusariosen. Er stellte heraus, dass Fusarien nicht nur durch Klima und veränderte Kulturen, sondern auch durch reduzierte Bodenbearbeitung häufiger werden. Gleichzeitig bewegen sich die Landwirte in einem Spannungsfeld zwischen erhöhten Umweltauflagen und dem eigenen Bestreben, weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen, sowie den Vorgaben der Mykotoxinhöchstmengenverordnung oder zur Getreidelagerung.
Getreide darf bestimmte Höchstgehalte an Deoxynivalenol (DON) nicht überschreiten: Bei unverarbeitetem Getreide (außer Durum-Weizen, Mais und Hafer) liegt er beispielsweise bei 1.250 µg/kg. Auch wenn Fungizide zur Verfügung stehen, lässt sich ein Fusarium-Befall nicht komplett verhindern, sondern bestenfalls eindämmen, denn er ist von weiteren Faktoren wie Temperatur und  Niederschläge abhängig.

Wirkstoffe getestet

In den Laborversuchen wurden die Wirkstoffe Metconazol, Tebuconazol, Prothioconazol, Thiophanat-methyl, Epoxiconazol und Prochloraz in jeweils fünf Konzentrationen eingesetzt. Dazu wurden die Agarplatten mit 12 verschiedenen Fusarium-Spezies beimpft und pro Konzentration und Fusarium-Art Reihen von jeweils 8 Wiederholungen angelegt.
 
Die Ergebnisse sind aufschlussreich:
  • der Wirkstoff Prochloraz drei Tage nach Inokulation in Bezug auf F. culmorum bereits bei niedriger Konzentration (0,1 ppm) einen ansprechenden Wirkungsgrad,
  • die Wirkstoffe Prothioconazol und Tebuconazol sind bei geringerer Konzentration etwas schwächer, erreichen jedoch bei einer Konzentration von 1 ppm einen Wirkungsgrad von 100%.
 Das Bild bestätigt sich bei F. culmorum ähnlich nach 10 Tagen: Während die meisten getesteten Wirkstoffe oder Wirkstoffkombinationen (z. B. auch die Kombination Tebuconazol + Prochloraz) erst bei einer höheren Konzentration einen sehr guten Wirkungsgrad zeigen, ist die Wirkung bei Prochloraz (solo) und in diesem Fall auch bei Metconazol schon in geringer Konzentration sehr gut.
Metconazol wirkt jedoch nicht überall gleich gut und zeigt bei allen Fusarien-Arten eine sehr durchwachsene unterschiedliche Aktivität.

Wenn der Befall fortgeschritten ist

So wirken die Wirkstoffe der Fungizide.
Prochloraz ist ein sinnvoller Wirkstoff beim kurativen Einsatz, also auch dann noch, wenn bereits eine Pilzinfektion vorliegt. Wo dieser Wirkstoff oder Kombinationen damit angewendet werden, lassen sich gute Wirkungsgrade in der Hemmung des Mycelwachstums erzielen. Die Effekte von Prochloraz auf die Sporenkeimung sind eher als "mäßig" zu beurteilen, da der Wirkstoff schnell abgebaut wird. Daher empfiehlt sich hier z. B. die Kombination aus Prochloraz und Tebuconazol: Während Prochloraz aufgrund der schnellen Wirkstoffaufnahme auch interzellular wachsendes Mycel erfassen kann, hat Tebuconazol ansprechende Effekte auf das Auskeimen der Sporen. Erst die Kombination beider Wirkstoffe führt zu einem guten Produkt bei der Fusariumbekämpfung.
Auch Tebuconazol und Metconazol gelangen in der Pflanze schnell an den Wirkort und lassen sich kurativ einsetzen. Demgegenüber entfalten Prothioconazol und Epoxiconazol ihre Wirkung langsamer. Sie sind - auch wegen ihrer nachgewiesen besseren Dauerwirkung - für den vorbeugenden Einsatz besser geeignet.
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