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Pflanzenbaukolumne Kopfdünger

Phillip Krainbring: „Düngeverordnung in der Krise durchgewunken“

Phillip Krainbring ist Gewinner des CeresAward 2019 in der Kategorie Ackerbauer
am Mittwoch, 29.04.2020 - 07:36 (Jetzt kommentieren)

Ich hoffe nicht mehr auf die Politik, wir müssen selbst anpacken. Immerhin, dank Corona ist das Bewusstsein für die Landwirtschaft gestiegen:

Die Corona-Krise hat die ganze Welt wie ein Schlag getroffen. Wir spüren die Grenzen der Globalisierung mit voller Wucht und viele lernen den Wert regional produzierter Waren neu zu schätzen.

Bislang eher gering geschätzte Berufe sind auf einmal systemrelevant.

Ich erwarte von der Politik keine Lösungen mehr

Mitten in dieser Krise stimmt der Bundesrat dem Entwurf der neuen Düngeverordnung zu. Mich überrascht das nicht. Hier ging es einfach nur um eine juristische und nicht um eine fachliche Frage.

Trotzdem ist für mich der Zeitpunkt und auch die Art und Weise der Entscheidung eine Katastrophe:

In seltener Einigkeit wurden zwar Schuldenbremsen außer Kraft gesetzt und Fristen verlängert, aber die Düngeverordnung musste jetzt beschlossen werden?

Damit erwarte ich für unsere bevorstehenden Probleme von politischer Seite auch keine Lösungen mehr.

Jetzt müssen wir selbst Ideen auf den Weg bringen

Wir sind gefragt. Wir müssen Ideen auf den Weg bringen und uns untereinander besser vernetzen. Ich merke, dass das viel zielführender ist als der Austausch mit politischen Entscheidungsträgern.

Selbst das Praktikernetzwerk des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist aus meiner Sicht mehr eine politische Show. Und das liegt sicher nicht an den beteiligten Landwirten, denn da sind viele kluge Köpfe dabei. 

Corona fördert das Bewusstsein für die heimische Landwirtschaft

Bei der Düngeverordnung sind wie auch bei anderen Verordnungen und Gesetzen juristische Schritte zu prüfen. Ich hoffe immer noch, dass wir zu einer sachlichen Grundlage zurückkommen.

Wir sollten aber nicht den Fehler machen und die Krise zu unseren Gunsten ausnutzen. Lieferboykotts oder Ähnliches machen vieles kaputt, was wir uns in den letzten Monaten aufgebaut haben.

Corona hat vielen bewusste gemacht, wie wichtig eine heimische Landwirtschaft ist. Seit ein paar Wochen werde ich sogar wieder freundlich gegrüßt, wenn ich mit der Spritze unterwegs bin.

Nutzen wir diese Aufmerksamkeit.

Zum Autor: Phillip Krainbring

Phillip Krainbring

Der Junglandwirt stammt ursprünglich aus Ostholstein und führt heute einen Ackerbaubetrieb in der Magdeburger Börde. Er bloggt mit besonderer Leidenschaft für den Boden auf Instagram, Facebook und auf seiner Seite erklaerbauer.de.

Als Agrarsout schlägt er regelmäßig die Brücke zwischen Bauern und Verbraucher, unter anderem auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Im Oktober 2019 wurde Phillip Krainbring mit dem CeresAward in der Kategorie Ackerbauer ausgezeichnet.

Für agrarheute schreibt er regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.

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Dieser Kopfdünger-Beitrag ist in der agrarheute-Ausgabe Mai 2020 erschienen.

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