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Waldschädlinge

Plage: Schwammspinner fressen aktuell Wälder und Gärten kahl

Schäden durch die Raupe des Schwammspinners im bayerischen Gunzenhausen
am
19.06.2019
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Die Raupen des Schwammspinners schädigen aktuell die Baumkronen ganzer Waldgebiete in mehreren Regionen Deutschlands. Insektizide dürfen nicht verwendet werden.

Im Thüringischen Gera und im mittelfränkischen Gunzenhausen belagern Tausende der haarigen, bis zu 7 cm langen Raupen des Nachtfalters Gärten, Häuser und Freizeitanlagen und fressen die Pflanzen kahl.

Die Schwammspinner-Raupen haben sich in diesem Frühjahr explosionsartig vermehrt. Die Stadt Gera bot den Anwohnern im Stadtteil Liebschwitz vergangene Woche Ausweichquartiere an - diese wurden allerdings nicht in Anspruch genommen, wie eine Sprecherin sagte. Die Feuerwehr verteilte Fliegengitter.

Thüringen: Vorerst keine chemischen Insektizide

Vorerst soll dort kein chemisches Insektizid zum Einsatz kommen. „Ein Mittel, das die bis zu fünf Zentimeter langen Schwammspinner-Raupen in ihrem jetzigen Entwicklungsstadium noch vernichten könnte, würde auch anderen Lebewesen und der Umwelt schaden“, sagte Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt bei der Stadt Gera.

Im kommenden Jahr könnten die Raupen frühzeitig mit einem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel beseitigt werden und die Eier der Tiere aufgesammelt werden.

Mittelfranken: 117 ha Wald kahlgefressen

Vor Gunzenhausen habe die Raupen bereits ein 117 ha großes Waldstück kahlgefressen und sich in den vergangenen Tagen auf den Weg in die benachbarte Siedlung gemacht. Viele Anwohner des Burgstallwaldes seien mit den Nerven am Ende. Als Soforthilfe seien professionelle Schädlingsbekämpfer beauftragt worden.

Die Fassaden der an den Wald angrenzenden Häuser seien übersät mit Schwammspinnern. Sie kämen nachts, sie kämen an den Kopf, und man werde sie nicht mehr los, klagte eine geplagte Hausbesitzerin im Bayerischen Rundfunk.

Nach einem Stadtratsbeschluss war in diesem Jahr in Gunzenhausen auf eine chemische Bekämpfung des Insekts verzichtet worden. Der Staatsforstbetrieb, dem etwa zwei Drittel des Burgstallwaldes gehören, habe den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln abgelehnt, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Fitz.

Warum die Massenvermehrung?

Raupe des Schwammspinners

Der Schwammspinner (Lymantria dispar) ist ein wärmeliebender Nachtfalter. Er neigt besonders nach warm-trockenen Frühsommern zu Massenvermehrungen, die das Wachstum der Bäume stark beeinträchtigen und für den Menschen lästig sein können.

Schwammspinner haben eine große Anzahl natürlicher Feinde wie Raupenfliegen und Brackwespen, die dazu beitragen können, eine Massenvermehrung auf natürliche Weise enden zu lassen, wie es bei der Schweizer Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) heißt.

Der britische Naturschützer Dave Goulson erklärt in seinem Buch „Wildlife Gardening“, beim Einsatz von Insektiziden würden nicht nur die Schädlinge sterben, sondern auch viele ihrer Feinde. Die Populationen der Pflanzenschädlinge erholten sich davon oft weitaus schneller als die ihrer Feinde. In der Folge könne der Schädlingsbefall danach schlimmer sein als ganz ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz.

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