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Biodiversität

Produktionsintegrierter Ansatz: Ackern in Streifen für Artenvielfalt

Streifenanbau-Grauhof
am Montag, 30.03.2020 - 09:15 (Jetzt kommentieren)

Konrad Görg will die Artenvielfalt im Ackerbau erhöhen. Auf dem Klostergut Grauhof im Vorharz baut er dazu Weizen und Raps streifenweise an. Ökologen und Ökonomen bewerten den Erfolg.

Streifenanbau-Görg-Breustedt

Eine klein strukturierte Agrarlandschaft bietet viele Vorteile für die Biodiversität, weiß Konrad Görg. In Hecken etwa finden sich zahlreiche Nützlinge. Um Produktionskosten zu senken, hat der Ackerbauer seine Schläge in den vergangenen Jahrzehnten jedoch immer mehr vergrößert, ebenso wie viele Berufskollegen. „Viele Arten, die auf Randstreifen angewiesen sind, wurden seltener“.  Mit satellitengestützter Präzisionslandwirtschaft findet er einen Ausweg aus diesem Dilemma.

27 m breite Weizen- und Rapsstreifen

Konrad Görg hat das Klostergut Grauhof vor den Toren von Goslar seit 2008 gepachtet. Auf rund 400 ha überwiegen hügelige Flächen. Hauptsächlich wachsen dort Weizen und Raps, auf den ebenen Schlägen eher Zuckerrüben. Dieses Jahr will Görg in den Anbau von Mais einsteigen.

Die Breite der Weizen- und Rapsstreifen entspricht der Arbeitsbreite seiner Feldspritze von 27 m. Die Idee begleitet das interdisziplinäre Projekt von Agrarökologen und –ökonomen. Sie untersuchen, wie sich der Streifenanbau auf die Vielfalt auswirkt.

Womöglich künftig Teil der Ackerbaustrategie

Ein Vergleich der Kosten und Nutzen für die Artenvielfalt soll abschätzen, ob sich Agrarumweltprogramme damit konzipieren lassen. Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast kann sich vorstellen, „dass der Streifenanbau Bestandteil der niedersächsischen Ackerbaustrategie wird“.

„Doch ohne den dabei entstehenden Mehraufwand auszugleichen, dürfte sich das Verfahren schwer durchsetzen“, meint Konrad Görg. „Wie hoch dieser Mehraufwand genau sein wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht beziffern“, so Dr. Gunnar Breustedt von der Uni Kiel. Er begleitet das Projekt mit Dr. Teja Tscharntke, Professor für Agrarökologie an der Uni Göttingen.

Die 1.000 Euro Aufwandsentschädigung, die der Forscher am schleswig-holsteinischen Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Betriebslehre für die Beteiligung an dem Streifenversuch in Aussicht stellt, sind aus Sicht von Görg jedenfalls „zu gering“.

Artenvielfalt in der Produktion

Eins ist sicher: Mit dem streifenweisen Anbau wird die Fruchtfolgegestaltung nicht einfacher. Üblicherweise folgt Weizen auf Raps, nicht aber mit den Streifen. „Wir haben eine gesunde Weizensorte gewählt, um auf die späte Insektizidspritzung verzichten zu können“, sagt Görg.

Ohne exakt arbeitende Lenksysteme, die eine zentimetergenaue Arbeit im Feld ermöglichen, ist ein Streifenanbau nicht möglich. Kniffelig ist auch der EU-Agrarantrag. Allerdings sind die Streifen gar nicht einzuzeichnen, wenn man sie als Mischkultur codiert.“

Kleinere Flächen, mehr Arten

Ein großer Vorteil der Streifen liegt darin, dass sie produktionsintegriert im Gegensatz zur Extensivierung oder Flächenstilllegung weiter eine Nahrungsmittelerzeugung auf hohem Niveau ermöglicht. Positive Aspekte gibt es im Blick auf die größere Umweltverträglichkeit.

 „Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass kleinere Ackerflächen rund 50 Prozent mehr Arten aufweisen als größere. Auch finden sich auf kleinen Feldern mehr Bienen“, sagt Breustedt. Was an ökologischen Zielen erwartet wurde, habe sich nach einem Jahr auf dem Grauhof bereits bestätigt.

Mehr zum Thema Streifenanbau lesen Sie in der gedruckten April-Ausgabe von agrarheute 4/2020 ab Seite 102.

Mit Material von Gaul, Görg, Breustedt
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