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Forschung

Projekt: Aktiveres Bodenleben durch Verzicht auf Pflanzenschutz?

Untersaat Kartoffeldamm mit Zottelwicke Eifel
am Freitag, 17.09.2021 - 11:20 (1 Kommentar)

Bodenmikroben fressen Pilze. Forscher wollen das Bodenleben daher in Weizen und Kartoffeln fördern. Dabei helfen sollen Untersaaten und die weite Reihe. So verliefen die Versuche.

Wie lässt sich die Vielfalt des Bodenlebens fördern? Kann ein aktives Bodenleben einen Verzicht auf Inputs im Ackerbau kompensieren? Das sind Fragen, die das europaweite Verbundprojekt SoilDiver Agro beantworten will.

Konkret geht es darum, ob sich mit weiter Reihe und Untersaaten pilzfressende Bodentiere fördern lassen, die einen Verzicht auf Fungizide kompensieren könnten. Im Fokus der Forscher vom Thünen-Institut für Biodiversität und der Flächenagentur Rheinland stehen dabei Winterweizen und Kartoffeln. 

Versuchsstandort Nördliche Eifel

In Nideggen, im rheinischen Landkreis Düren, stellten die Beteiligten das Projekt nun auf einem Feldtag vor.

Hier hat Manfred Hurtz seine Flächen zur Verfügung gestellt. Der 57jährige bewirtschaftet einen 100-ha-Betrieb mit Schwerpunkt Ackerbau, Weihnachtsbaumanbau und Lohnarbeiten.

Der Landwirt schätzt die Gelegenheit „selber an zukünftigen Entwicklungen in der Landwirtschaft mitzuarbeiten“. Dazu setzt er neben der Teilnahme an den Versuchen auch auf konservierende Bodenbearbeitung und Precision Farming.

So wirken Untersaaten und Weite Reihe auf die Erträge:

So wirken Untersaat und Weite Reihe auf die Weizenerträge

Im Winterweizen gab folgende Varianten

  1. Kontrollparzelle, konventionell bewirtschaftet 12,5 cm Reihenabstand
  2. Extensive Variante, weiten Reihe von 20 cm, kein chemischer/mechanischer Pflanzenschutz
  3. Kleeuntersaat in den 20 cm Reihenwurde, kein chemischer/mechanischer Pflanzenschutz 

Nach der Ernte zeigten sich Unterschiede zwischen den Varianten. Hurtz erntete

  • in der Kontrollparzelle 7,5 t Weizen,
  • in der Klee-Parzelle 6 t und
  • in der Weiten Reihe 5,4 t.

Die beiden Wissenschaftler gaben zu bedenken, dass neben den Erträgen auch die Kosten für Pflanzenschutz in den Versuchsvarianten geringer seien.

Besonders grün war die Stoppel der Weiten Reihe und auch in der Klee-Parzelle gab es etwas Besatz mit Winden und Stiefmütterchen. In allen drei Plots war der Weizen mit Septoria befallen.

Mit Untersaaten gegen Erosion und Dürre

Kartoffelbestand mit Wicken, Ramtillkraut

Bei den Kartoffeln standen Untersaaten  im Mittelpunkt. Dazu nutzten die Wissenschaftler die Kartoffel-Untersaaten-Mischung der Firma DSV Saat. Darin enthalten sind Zottelwicke, Ramtillkraut, Klee, Öllein und einige Gräser.

Sie sollen die Dämme auch vor Erosion und Verdunstung schützen. Produktberater Marco Petersen berichtete, dass ein voll etablierter Bestand dank moderner Rodetechnik bei der Ernte keine Probleme bereite.

Die Mischung wurde ausgebracht als der Bestand eine Höhe von rund 15 cm erreicht hatte. Für die Breitsaat setzte Hurtz einen Pneumatikstreuer ein. Ein nachlaufender Striegel arbeitete das Saatgut flach in der Dammsohle ein. 

Leider hatten die extremen Wetterbedingungen in der nördlichen Eifel den Forschern in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wegen der zunächst trockenen Witterung ließ sich die Mischung erst spät, am 15. Juni ausbringen. Bevor sie sich richtig  etablieren konnte, kam es zu einem Starkregenereignis. Zum Zeitpunkt des Feldtags waren daher nur noch einzelne Pflanzen im geschädigten Kartoffelbestand zu sehen.

Neben Artenvielfalt auch Erntequalität

Nach der Ernte der Versuchsparzellen wird Hurtz die Versuchsflächen in gewohnter Weise weiter bewirtschaften. Parallel werden die Flächen weiter beprobt. Neben der Artenvielfalt im Boden wird auch die Produktqualität der Kartoffeln und Getreidekörner untersucht. 

Insgesamt laufen die Versuche noch bis 2023. Auch in Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland und Estland laufen Versuche. So wollen die Forscher insgesamt sechs verschiedene Klimaregionen abdecken.

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