Login
Ölsaaten

Acht Fakten zum Clearfield-Raps

von , am
25.05.2015

Eine neue Studie zeigt, der Anbau von Clearfield-Raps bringt keine nachweislichen wirtschaftlichen Vorteile. Was kann die Pflanze und wo ist Vorsicht geboten? Acht Fakten klären auf.

Clearfield Raps stand im Jahr 2014 auf 26.000 Hektar © Moonlight/aboutpixel
Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) hat am 22. Mai ihren Abschlussbericht zum UFOP-Modellanbau Clearfield-Raps vorgelegt. Grund genug, um sich mit dem Clearfield-System nochmal näher zu beschäftigen.
 
 
 
 
 
 
 Im UFOP-Modellanbau Clearfield-Raps wurde in den Erntejahren 2012-2014 in insgesamt 21 Exaktversuchen in sieben Regionen über Deutschland verteilt die Leistungsfähigkeit des Clearfield-Produktionssystems untersucht. Das Ergebnis der Studie lautet: Im Mittel der Erntejahre 2012 bis 2014 und der Standorte in sechs Bundesländern war im Modellanbau keine signifikante wirtschaftliche Vorzüglichkeit eines der geprüften Herbizid-Systeme zu erkennen.

2. Das Clearfield-System besteht aus Kulturpflanze und Herbizid

Die Bezeichnung "Clearfield ®" steht weltweit für die Kombination aus einem Herbizid und der dazu passenden, gegen dieses Herbizid resistenten Kulturpflanze. Die Resistenz ist auf herkömmlichem Weg jeweils in die Kultur pflanzen eingekreuzt. Für Deutschland wurde die Zulassung eines entsprechenden Herbizides unter dem Namen Clearfield ® -Vantiga ® zur Saison 2012 erteilt. Die ersten dazu passenden Sorten sind in England seit 2011 zugela ssen und über die EU-Sortenliste auch in Deutschland vertriebsfähig.

3. Herbizidresistenz auf herkömmlichen Weg eingekreuzt

Das Besondere ist nicht die Einkreuzung einer Herbizidresistenz. Ein entsprechendes System gibt es auch in Deutschland seit vielen Jahren für Mais. Es ist der Raps, der das System zu etwas Besonderem macht. Da die Herbizidresistenz nicht mittels Gentechnik, sondern auf herkömmlichem Weg eingekreuzt wurde, gibt es keine Regelung zu Koexistenz, auch braucht entsprechendes Saatgut nicht besonders gekennzeichnet zu werden.

4. Probleme bei der Unkrautbekämpfung

Die Versuche mit Clearfield zeigen, dass es nicht einfach ist, alle Unkräuter unter einen Hut zu bekommen. Klettenlabkraut, Vogelmiere, V ergissmeinnicht und Taubnessel wurden zu allen Einsatzterminen mit dem Clearfield-Herbizid gut bekämpft. Die sicherste Wirkung gegen Wegrauke wurde zum späten Termin erzielt. Zu diesem Einsatzzeitpunkt fiel die Wirkung gegen Kamille ab. Stiefmütterchen wurden nicht ausreichend erfasst. Gegen Ausfallgetreide lagen die Wirkungsgrade je nach Einsatztermin zwischen 27 und 97 Prozent.

5. Ausfallrapsbekämpfung erfolgt nicht nebenbei

Der im Clearfield-Herbizid enthaltene Wirkstoff Imaz amox gehört wie z.B. auch Pointer SX, Atlantis WG oder Broadway zur Gruppe de r ALS-Hemmer. ALS-resistenter Raps, also Clearfield-Raps und damit auc h Clearfield-Ausfallraps ist somit nicht bzw. nicht mehr sicher mit dieser Herbizidgru ppe zu bekämpfen. Clearfield-Ausfallraps wird also nicht mehr, wie für h erkömmlichen Ausfallraps gewohnt, durch die praxisüblich eingesetzten Sulfonyle „nebenbei“ erfasst. Er muss besonders beachtet und gegebenenfalls gesondert behandelt werden.

6. Vorteile des Clearfield-Systems

Kulturverträgliche Bekämpfung von Kreuzblütlern im Raps
Die Bekämpfung von Kreuzblütlern im Kreuzblütler Raps ist nicht einfach. Hier bietet das System eine Lösung.
Behandlung im Nachauflauf
Durchschnittlich werden die besten Ergebnisse erzielt, wenn das Clearfield-Herbizid zum 2.-3. Laubblattstadium des Rapses eingesetzt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist der Raps etabliert (weniger empfindlich gegenüber Herbiziden) und die Notwendigkeit einer Unkrautbekämpfung lässt sich besser abschätzen.
 Wirkung gegen Ausfallgetreide
Wird Raps in Mulchsaat nach Getreide angebaut, ist in der Regel eine frühe Behandlung gegen Ausfallgetreide erforderlich. Diese kann beim Einsatz von Clearfield unter Umständen entfallen.
Keine Nachbauprobleme
Sofern im vorherigen Weizen z.B. Attribut eingesetzt wurde und der Wirkstoff aufgrund von Trockenheit bis zur Rapsaussaat nicht ausreichend abgebaut wurde, schädigt dies den Clearfield-Raps im Gegensatz zum her kömmlichen Raps nicht.
 Bekämpfung von Altraps
Wurden z. B. durch Hagelschlag enorme Mengen von Ausfal lraps produziert, so dass eine geordnete Bestandesführung bei erneutem Rapsanba u unmöglich ist, kann dieser Nicht-Clearfield-Raps mit dem Clearfield-Herbiz id einmalig ausgeschaltet werden

7. Nachteile des Clearfield-Systems

Der optimale Einsatztermin ist zum Teil schwierig zu bestimmen
Für eine sichere Wirkung des Clearfield-Herbizides gegen Kreuzblütler müssen diese vollständig aufgelaufen sein. Dies ist etwa 10 bis 14 Tage nach der Saat der Fall. Zu diesem Zeitpunkt werden andere Unkräuter wie z. B. Kamille nicht mehr sicher erfasst. Unter trockenen Bedingungen mit verzetteltem Auflauf verschärft sich das Problem.
Schlechte Wirkstoff-Nutzung
Metazachlor wirkt am besten im Vor- bis in den frühen Nachauflauf. Hier ist eine Reduzierung der Aufwandmenge oft möglich und auch angeraten. Die Fertigformulierung des Clearfield-Herbizides lässt hie rfür keinen Spielraum.
Resistenzentwicklung wird gefördert
Dies gilt besonders im Hinblick auf Ackerfuchsschwanz, Kamille und Vogelmiere. Metazachlor kann aufgrund des späten Einsatztermins gegen diese Unkräuter kaum noch unterstützen.
Verwechselung von Rapsschlägen
Wird das Clearfield-Herbizid in Nicht-Clearfield-Raps eingesetzt, führt dies zum Totalschaden (s.o.). Ausfallrapsbekämpfung in anderen Kulturen Clearfield-Ausfallraps wird mit derzeit sehr breit eingesetzten Präparaten nicht mehr bzw. nicht mehr sicher bekämpft. Zusätzliche Aufwendungen sind wahrscheinlich.

8. 26.000 Hektar Anbaufläche

Wie Catrin Hahn im agrarmanager 3/2015 schreibt wurden ie seit 2012 zugelassenen Sorten  im Jahr 2014 auf 26.000 Hektar angebaut.
Auch interessant