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Wirtschaftlichkeit

Anbauplan: Rapsfruchtfolge mit Ackerbohnen auflockern

AF_Ernte-Körnerraps
am Donnerstag, 18.07.2019 - 09:13

Rapsanbauer Uwe Beythien aus Ratekau in Schleswig-Holstein hat den Rapsanteil in seiner Fruchtfolge rapide gesenkt. Jetzt stehen Ackerbohnen und Zwischenfrüchte auf dem Anbauplan. So hat er sein Ertragsniveau angehoben.

Uwe-Beythien

Auf die Ölfrucht ganz verzichten? Nein, das will Rapsanbauer Uwe Beythien dann doch nicht. Er hat ihren Anteil jedoch deutlich beschnitten. Seit 1972 stand auf seinem 110-ha-Betrieb mit 20 ha Wald unweit vom Timmendorfer Strand Winterraps nach Winterweizen; danach folgte Wintergerste.

„Das ist längst zu kurz gedacht“, sagt der 59-Jährige. Seit fünf Jahren baut er Ackerbohnen an. In der Zeit hat er den Rapsanteil von 33 auf etwa 20 Prozent gesenkt. Inzwischen liegt er bei gut 16 Prozent. Das heißt, der Betriebsleiter drillt nur noch alle sechs statt wie zuvor alle drei Jahre Raps auf seinen fruchtbaren „Grundmoränenböden mit schwankenden Qualitäten“.

Bohnen und Zwischenfrüchte auf den Acker

Zudem kommen jetzt Zwischenfrüchte auf die Äcker mit 17 bis 76 Bodenpunkten.  „Dabei bringen die Bohnen erst in der gesamten Rotation den nötigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit“, erklärt Beythien. Er sät so früh wie möglich, meist schon im Februar 45 Körner/m2 im Strip-till-Verfahren in die abgefrorene Zwischenfrucht, meist Phacelia plus Buchweizen.

Dazu schlitzt er die Saat der Sorte Fuego in Streifen direkt rund 15 cm tief in den Boden. „10 bis 20 cm sind dabei der Spielraum“, so der Landwirt. Anschließend spritzt er mit Round up die Unkräuter ab, bevor die Bohnen auflaufen. Wenn ihm Glyphosat nicht mehr zur Verfügung steht, wird er auf mechanische Unkrautbekämpfung und Zerkleinerung der Zwischenfrucht ausweichen müssen.  

Rund 5 dt/ha mehr Rapsertrag

Beythien bewirtschaft seine Äcker pfluglos, sieht darin aber kein Dogma und nutzt bei Bedarf auch den Pflug. Wichtig ist ihm, den Boden vor der Direktsaat der Bohnen so wenig wie möglich zu traktieren. „Mit dem Aufwuchs sind Befahrbarkeit und Gare besser“, so der Betriebsleiter mit 30 Jahren Erfahrung.

Gern sät er die Bohne auch nach Nachtfrösten. „Die Leguminose kann mehr ab, als man denkt.“ Für seinen Raps bringt die Bohne locker 5 dt/ha mehr. „Wo sie bisher noch nicht standen, habe ich zuletzt 32 dt/ha Ölraps geerntet, wo sie drei Jahre zuvor wuchsen, waren es zuletzt 37 dt/ha.

Zugegebenermaßen waren meine Rapserträge mit unter 40 dt/ha relativ niedrig“, so der Ackerbauer, „das war eher bescheiden.“ Mit der Ackerbohne in der Fruchtfolge kommt er im Durchschnitt nun auf rund 10 Prozent mehr Rapsertrag.

Klimawandel als Herausforderung

Gut 90 dt/ha erntet er bei Gerste und über 100 dt/ha bei Weizen. „Natürlich ist die Wasserversorgung bei der Körnerleguminose wichtig, zumal längst nicht in jedem Jahr rund 700 mm Niederschläge fallen, wie das lange Jahre üblich war.“ Den Klimawandel sieht Beythien denn auch als große Herausforderung. Nichtsdestotrotz hat er die Bohnen nach einer frühen Ernte noch im August „ohne Probleme für 18 Euro/dt“ an den örtlichen Landhändler verkauft.

„Probleme lassen sich nicht mit Ideologien lösen, sondern einzig mit Fachwissen“, das ist dem Holsteiner wichtig. Egal ob es um Rapsblüte und Bienensterben, Artenschutz und Insektentod, Mittelverbote und Flächenfraß geht, für ihn steht fest: „Wir haben in der Vergangenheit eindeutig zu wenig darüber geredet, was wir für die Natur leisten.“

Er selbst hat zum Teil Flächen aufgeforstet, Gewässer renaturiert, Moore wiedervernässt oder 8 ha Blühstreifen im Vertragsnaturschutz angelegt, ohne das an die große Glocke zu hängen. „Wenn ich nun wegen des Neonicotinoidverbots 4 g/ha gezielt eingesetzten Beizwirkstoff im Raps ersetzen muss durch eine flächendeckende Spritzung mit 200 ml/ha Karate, ist das für mich unverantwortlich. Dann hat das mit fachlicher Qualität nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit Ideologie.“

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