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Biokraftstoffe

Biodiesel: Branche fürchtet Absatzeinbruch

Josef Koch, dlz agrarmagazin
am
27.07.2017

Setzt Brüssel die Importzölle für Biodiesel aus Indonesien und Argentinien herunter, könnte dies den Biodeselabsatz und Rapsnachfrage negativ beeinflussen.

Die deutsche und europäische Biodieselindustrie sowie Rapsanbauer stehen vor dramatischen Absatzeinbrüchen, sollten die derzeit bestehenden Schutzzölle der Europäischen Union (EU) gegen unfair geförderten argentinischen und indonesischen Biodiesel stark abgesenkt werden, warnt unter anderem die Ufop.

Heute treffen sich Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission, um über diese Frage zu beraten.

Bisher verhindern Anti-Dumping-Zölle der EU, dass Biodiesel aus Argentinien und Indonesien nach Europa gelangt. Nach einem aktuellen Vorschlag der Europäischen Kommission sollen diese so drastisch verringert werden, dass der Schutz aufgegeben wird.

USA verhängen auch Anti-Dumpingmaßnahmen

Die Absenkung hätte weitreichende Folgen für die europäische Landwirtschaft und Ölmühlen, die vor allem Raps- und das Rapsöl an die Biokraftstoffindustrie liefern. Damit sind rund 120.000 Arbeitsplätze in Europa bedroht. „Die deutsche Biodieselindustrie fordert die EU-Kommission auf, unfaire Handelsmaßnahmen wirksam zu bekämpfen, so wie dies im Abschlussdokument des G20-Gipfels vor wenigen Tagen auch Argentinien und Indonesien zugesagt haben. Jetzt ist die Zeit, den Worten auch Taten folgen zu lassen“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Die Gefahr für die europäische Biodieselindustrie wird dadurch verschärft, dass die USA ab August 2017 Anti-Dumping-Maßnahmen gegen argentinischen Biodiesel ergreifen wollen. Dadurch dürfte der Druck aus Argentinien auf den europäischen Markt zunehmen.

Auch die deutsche und europäische Selbstversorgung mit Futtereiweiß über Rapsschrot würde verringert, wenn mehr Biodiesel aus Argentinien und Indonesien den hierzulande produzierten Biokraftstoff verdrängen würde.

Unfairer Wettbewerbsvorteil für Argentinien und Indonesien

Argentinien und Indonesien verschaffen ihrer heimischen Biodieselindustrie einen unfairen Wettbewerbsvorteil in Form von sog. Differenzierten Exportsteuern (Differential Export Taxes / DETs).

Soja- und Palmöl als Rohstoff für die Biodieselproduktion werden dabei im Inland mit so hohen Exportsteuern belegt, dass die jeweiligen heimischen Verarbeiter die Rohstoffe für die Biodieselproduktion zu im Vergleich zum Weltmarkt günstigeren Preisen beziehen können. Die Folge davon ist, dass die Biodieselexporte aus diesen Ländern gedumpt auf den Weltmarkt gelangen.

Die EU-Kommission hatte die von Argentinien und Indonesien festgelegten DETs 2013 untersucht und in der Konsequenz Anti-Dumping-Zölle auf Biodieselimporte aus diesen Ländern verhängt, die den europäischen Markt in den letzten Jahren schützten.

Dagegen klagten die genannten Exportländer erfolgreich vor der Welthandelsorganisation (WTO) mit dem Ergebnis, dass die EU-Kommission jetzt beabsichtigt, die Höhe der Zölle auf ein Niveau anzupassen, das praktisch keine Außenschutzwirkung mehr hätte.

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