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Neonicotinoide

Biscaya: Verbot von Thiacloprid ist beschlossen

kohlschotenrüssler
am Freitag, 25.10.2019 - 09:01 (Jetzt kommentieren)

Lange wurde um das Neonicotinoid gerungen. Jetzt wird Thiacloprid EU-weit verboten. Im Raps war er ein wichtiger Resistenzbrecher.

Mit Thiacloprid wird ein weiterer insektizider Wirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide EU-weit verboten. Die Mitgliedsstaaten beschlossen auf Vorschlag der EU-Kommission, die bis April 2020 geltende Genehmigung nicht zu verlängern.

Betroffen ist in Deutschland das Bayer-Mittel Biscaya, das vor allem im Raps, aber auch in Kartoffeln und Getreide eine Rolle spielt. Calypso ist nur im Obst- und Gemüsebau zugelassen.

Klöckner machte sich für das Verbot stark

Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner hatte sich schon im Frühjahr dieses Jahres dafür ausgesprochen, den Wirkstoff Thiacloprid zu verbieten.

„Der Wirkstoff Thiacloprid gilt nach neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen als gesundheitlich bedenklich und schädlich für den Naturhaushalt, unter anderem auch für Bestäuber. Risikobewertungen der zuständigen Behörden verdeutlichen das“, sagte die Ministerin im Mai 2019. „Solche Wirkstoffe müssen vom Markt.“

Frankreich hatte das Insektizid schon vor einigen Monaten verboten.

Wirkstoff zur Resistenzvorsorge geht verloren

Der Wirkstoff galt als wichtiger Baustein im Resistenzmanagement, beispielsweise bei pyrethroidresistenten Schädlingen im Rapsanbau, wie dem Kohlschotenrüssler und der Kohlschotenmücke. Der flächige Einsatz von Pyrethroiden fördert die Resistenzentwicklung.

Aus Sicht der Beratung erschwert das Verbot massiv den Rapsanbau. Die Bekämpfung der Kohlschotenmücke - mit Biscaya im Larvenstadium möglich - ist jetzt kaum noch möglich. Mospilan (enthält Neonicotinoid Acetamiprid) hat keine Zulassung und Pyrethroide passen vom Einsatzzeitpunkt her nicht: Sie können nicht gegen die Larven eingesetzt werden.

Gegen den Kohlschotenrüssler war die Wirkung von Biscaya nicht überragend, aber besser als mit resistenzgefährdeten Pyrethroiden.

Entspannter ist die Situation jetzt bei den Blattläusen im Raps. Mit der dauerhaften Zulassung von Teppeki ist eine Herbst-Notfallzulassung von Biscaya, wie in den letzten Jahren beantragt, nicht mehr nötig.

Vier von fünf Neonicotinoiden sind damit verboten

Thiacloprid ist der vierte Wirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide, der EU-weit vom Markt verschwindet.

Schon seit 2018 sind im Freiland Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam verboten. Zugelassen ist aus dieser Wirkstoffklasse nur noch Acetamiprid, den Frankreich bereits vom Markt genommen hat.

Acetamiprid (Mospilan/Danjiri) ist ein wichtiger Wirkstoff gegen den Rapsglanzkäfer. Dessen Zulassung scheint in Deutschland derzeit nicht gefährdet zu sein.

Mit den Wirkstoffverlusten gewinnen längere Anbaupausen und eine spätere Aussaat mit schnellwüchsigen Sorten als wichtigste, nicht-chemische Instrumente gegen Mücken, Rüssler und Läuse an Bedeutung.

Mit Material von dpa, BVL, EU-Kommission

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