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Ölsaaten

Brasilien: Neue Sojaernte bereits zur Hälfte verkauft

© landpixel
von , am
02.11.2012

Obwohl die rekordverdächtige Sojaernte in Südamerika derzeit nur auf dem Papier steht, ist sie schon zur Hälfte verkauft. Extreme Witterungsverhältnisse könnten diesen Rekordversuch jedoch noch ausbremsen.

Mit dem Verlust von 12 cts/bu und einem Settlement von 11,03 ¾ US$/bu testete die Bohne gestern die alten Tiefs, die man Ende Januar 2014 verzeichnete. © Mühlhausen/landpixel
Die rekordhohe Soja- und Maisernte in Südamerika steht bislang nur auf dem Papier. Wie schnell diese erwartete Entwicklung von Wetterextremen beeinflusst und verändert werden kann hat die Trockenheit im letzten Jahr in Südamerika ebenso gezeigt wie die Dürre in den USA. Mittlerweile richten sich die Blicke mit zunehmender Sorge auf die neben den USA wichtigsten Exporteure von Soja und Mais. Erneut könnte das Wetter die erwarteten Rekordernten verhindern und die globale Angebotssituation nachhaltig verändern.

Sojaaussaat noch im Zeitfenster

Globaler Sojapreisindex bis Okt. 2012 © Olaf Zinke
Extreme Regenfälle in Argentinien und im Süden Brasilien drosseln derzeit nicht nur das Aussaattempo bei Soja und Mais sondern unterbrechen nach Aussagen von Analysten im manchen Regionen die Feldarbeiten vollständig. So betrifft der extreme Regen in Argentinien etwa die Hälfte der gesamten Soja- und Maisfläche und auch in Südbrasilien stehen große Teile der Anbaufläche unter Wasser. Nach Aussagen des brasilianischen Marktanalysten Safras & Mercado war das Soja bis Ende Oktober auf etwa 28 Prozent (%) der geplanten Fläche ausgesät und damit sogar über dem langjährigen Mittel (24 %). Geplant ist eine Ausdehnung des brasilianischen Sojaanbaus um 2 Millionen Hektar (Mio. ha) auf auf 27,5 Mio. ha. Die wäre ein absoluter Rekordwert und würde auch dazu führen, dass die Brasilien die USA als größten Produzenten und Exporteur überholen - wenn das Wetter mitspielt. 

Noch wird eine Rekordernte erwartet

Mittlerweile verzögern Starkregen und Überflutungen in Argentinien und im Süden Brasiliens die Aussaat. Hinzu kommt, dass es in Zentralbrasilien (Goias) weiterhin zu heiß und zu trocken ist. Das trockene Wetter hatte im größten, weiter nordwestlich gelegenen Bundesstaat Matto Grosso, bereits zu einer Verzögerung des Aussaatbeginns geführt und damit auch Wachstumsdauer und Ertragspotential geschmälert. Gleichwohl gehen Analysten bislang weiter von einer Rekordernte in Brasilen aus. Die brasilianische staatliche Marktanalyst Conab schätzte die Erntemenge Mitte Oktober auf 80,1 Millionen Tonnen (Mio. t) bis 82,8 Mio. t. Das USDA ging Mitte des Monats von 81 Mio. t aus, das wären fast 15 Mio. t bzw. gut 20 % mehr als im letzten Jahr. Das Exportpotential wurde bei 38 Mio. t gesehen und damit größer als das der USA.

Halbe Sojaernte ist bereits verkauft

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die knappe globale Versorgung aus der zurückliegenden Ernte hat zu einer sprunghaften Zunahme der Vorkontrakte auf die neue Ernte geführt. Brasilianische Farmer hatten Anfang Oktober bereits 47 % der erwarteten neuen Ernte verkauft, wie das Analystenhaus Celeres berichtete. Die war deutlich mehr als in den letzten Jahren üblich. Im Schnitt lag die vorverkaufte Menge zu diesem Zeitpunkt bei gut 20 %. Der scharfe Preisrückgang der letzten Wochen und die unsicheren Produktionsaussichten haben zu einem Stillstand bei den Abschlüssen von Vorkontrakte geführt. Analysten glauben jedoch, dass eine deutliche Preiserholung den Vorverkauf wieder ankurbeln könnte. Kurz vor dem Monatswechsel haben die Preise angesichts der noch unsicheren Produktionsaussichten in Südamerika wieder zugelegt. Für die nächsten Wochen wird das Wetter in beiden südamerikanischen Ländern über Preisentwicklung an den internationalen Märkten bei Soja und auch bei Mais entscheiden.
 
 
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