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Ölsaaten

Brasilien: Sojaernte 13 Prozent kleiner als vor einem Jahr

© landpixel
von , am
10.04.2012

Brasiliens diesjährige Sojaernte dürfte deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleiben. Damit kann auch die schlechte argentinische Ernte nicht ausgeglichen werden.

Die Brasilianer sollen dieses Jahr mit 111 Mio. t eine Rekordsojaernte einfahren. © landpixel
Schuld sind die starken trockenheitsbedingten Produktionseinbußen im Süden des Landes. Anfang April waren bereits 75 Prozent (%) des brasilianischen Sojas geerntet und die Ernteprognosen der wichtigsten brasilianischen und internationalen Analysten lagen im Schnitt acht bis zehn Millionen Tonnen unter den ursprünglichen sehr hohen Produktionsprognosen vom Jahresbeginn.
 
Das brasilianische Analystenhaus Celeres reduzierte seine Ernteprognose Anfang April nochmals um mehr als eine Million Tonnen auf 67,97 Millionen Tonnen. Zur gleichen Zeit reduzierten die Experten von Agroconsult ihre Prognose auf 65,2 Millionen Tonnen und die Hamburger Marktbeobachter von Oilword hatten sich ebenso auf 66,5 Millionen Tonnen festgelegt wie die privaten US-Analysten von Informa. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA hatte in einem Erntereport zum Monatswechsel seine Schätzung um 2,5 Millionen Tonnen auf 66 Millionen Tonnen reduziert.
 Damit bliebe die Erntemenge deutlich unter der Rekordernte des letzten Jahres (75,5 Millionen Tonnen) und das Exportpotential würde wohl deutlich reduziert.

Trockenheit im Süden

Ursache für die deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibende Produktion ist die Trockenheit in den südlichen Bundesstaaten Parana und Rio Grande do Sul. Nach Matto Grosso sind dies die beiden wichtigsten Sojaproduzenten Brasiliens. Ihre Erntemenge reduziert sich wegen der Trockenheit um 3,5 beziehungsweise fünf Millionen Tonnen. Rund 115.000 Hektar wurden gar nicht erst abgeerntet.
 
Ausfälle gab es auch durch das verstärkte Auftreten von Pilzerkrankungen (Asian Rost) im Mittelwesten.
 
Den Anbau genetisch veränderten Sojas schätzt das brasilianische Unternehmen Agroconsult auf 87 Prozent (%) nach 82 % im letzten Jahr und 72 % vor zwei Jahren.
 
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Sojaernte in diesem Jahr (76 %) deutlich weiter als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (67 %). Durch den frühen Erntetermin von Soja und Sommermais könnte der Anbau von Wintermais in Brasilien in diesem Jahr spürbar expandieren.

Starke Anbauexpansion im nächsten Jahr

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Erste Schätzungen für das nächste Jahr gehen von einer weiteren Expansion des Sojaanbaus in Brasilien aus. Die brasilianischen Fachleute von Agroconsult schätzen, dass die Sojafläche um mehr als eine Millione Hektar auf 26,2 Millionen Hektar steigt. Dies wäre ein absoluter Anbaurekord und würde bei durchschnittlichen Erträgen für eine neue Rekordernte von 77 Millionen Tonnen sorgen.
 
Dabei findet das Flächenwachstum sowohl im TOP-Sojastaat Matto Grosso als auch in den nördlichen und nordöstliche Staaten Maranhao, Tocantins, Piaui und Bahia statt. Allein 400.000 Hektar Sojafläche sollen in Matto Grosso hinzukommen.
 
Die meisten Flächen sind nach Auskunft von Agroconsult ehemaliges Weideland. Außerdem rechnet man vor dem Hintergrund der Preisentwicklung auch mit Anbauverschiebungen vom Mais und von der Baumwolle zum Soja.
 
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