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Ölsaaten

Clearfield-Raps: Sinnvolle Alternative oder Totalschaden?

von , am
29.04.2015

Der wichtigste Vertreter der Doppelpack-Technologie in Deutschland ist Clearfield-Raps. Die seit 2012 zugelassenen Sorten wurden 2014 schon auf 26.000 ha angebaut. Fachleute sehen zahlreiche Risiken.

In Deutschland werden bereits rund 26.000 ha Clearfield-Raps angebaut. © Hahn/agrarmanager
Heute sind drei HR-Systeme für den Anbau verfügbar:
  • Das Duo-Mais-System (Cycloxydim- Resistenz) ist schon seit 2000 auf dem Markt. Mit dem Graminizid Focus Ultra können Ungräser in Duo-Maissorten bekämpft werden. Das System hat keine nennenswerte Anbaubedeutung erlangt.

  • Das ExpressSun-System in Sonnenblumen ist ebenfalls nicht sehr verbreitet. In den Sulfonylharnstoff-resistenten Sorten kann das Herbizid Pointer SX (Tribenuron) zur Unkrautkontrolle eingesetzt werden.

  • Die größte Anbaubedeutung hat der Clearfield-Winterraps erlangt. Dank der Wirkortresistenz im Raps gegen ALSHemmer aus der Gruppe der Imidazolinone kann das Herbizid Clearfield(CL)-Vantiga im Nachauflauf eingesetzt werden. Seit seiner Einführung 2012 hat CL-Raps einen Anbauumfang von 26.000 ha erreicht.

HR-Systembewertung aus Sicht der Landwirtschaft

Nutzen:
  • bessere Unkrautbekämpfung
  • hohe Kulturverträglichkeit
  • gezielte Herbizidanwendung
  • extensive Verfahren absichern
  • Herbizidaufwand reduzieren
  •  verbesserte Wirtschaftlichkeit
Risiken:
  • Fehlbehandlung mit Totalschaden der Kultur
  • Unkrautflora passt sich an
  • resistente Unkräuter
  • Verschleppung von HR-Pflanzen/-Samen
  • Ausfall-Durchwuchskulturen als Problemunkräuter
  • höherer Herbizidaufwand
  • Imageschaden 

Für Klaus Gehring von der LfL Bayern ist der Anbau von Nutzpflanzen mit HR-Technologie nicht nachhaltig, nichtsdestotrotz werde er weiter zunehmen.

Clearfield-Raps aus Praktikersicht

Auf der DLG-Wintertagung in Berlin beschrieb Landwirt Carsten Kock, Verwalter der "Buchwaldtsche Gutsverwaltung Helmstorf" in Schleswig- Holstein, seine Erfahrungen mit dem Anbau von Clearfield-Raps.
 
In dem 1.000-ha- Betrieb, der mit der Fruchtfolge Raps-Weizen- Weizen-Gerste gefahren wird, gab es schon vor 25 Jahren jede Menge Probleme mit Ausfallraps. Um der 200 bis 300 Pflanzen/m² Herr zu werden, erzählt Kock, haben sie alle erdenklichen mechanischen Maßnahmen versucht, ebenso den Rübsenanbau. Dennoch kam es auf den besonders betroffenen Schlägen zu Mindererträgen von vier bis sechs dt/ha.
 
Für Landwirt Kock war das Clearfield-System die Lösung seiner Probleme. Dennoch nimmt er es nicht leichtfertig in Anspruch. Kock verwendet es nur auf den besonders von Ausfallraps betroffenen Schlägen. Dort ist dann exaktes und verlustarmes Arbeiten und Ernten Pflicht, so muss der Mähdrescher unbedingt gereinigt werden, wenn er von einem CL-Schlag kommt.
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