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Ölsaaten

Deutscher Soja-Anbau 2015: Saatgut droht knapp zu werden

© landpixel
von , am
06.02.2015

Langsam geht es an die Anbauplanung. Aber die Versorgung mit Saatgut für den heimischen Soja-Anbau 2015 droht aufgrund von Diaporthe-Besatz knapp zu werden. Nun läuft ein Antrag auf eine Notfallzulassung von gebeiztem Import-Saatgut.

2014 wurden etwa 10.000 Hektar Sojabohnen in Deutschland angebaut. © landpixel
Nachdem die Witterungsbedingungen für die Ernte des Sojasaatguts 2014 in Mitteleuropa sehr ungünstig waren, ist die Qualität des Saatguts teilweise stark beeinträchtigt. Es seien bereits Anträge auf Ausnahmegenehmigung zur Senkung der Mindestkeimfähigkeit von 80 auf 70 Prozent gestellt worden, berichtet der Deutsche Sojaförderring. Ein großes Problem sei der Besatz der Saat mit Diaporthe-Sporen, der bei vielen Partien eine Verwendung nur in Verbindung mit einer Thiram-Beizung zulässt.
 

Notfallzulassung für gebeiztes Saatgut

Sortenratgeber Sojabohnen des LTZ Augustenberg © LTZ
 
Das Saatgut für den Sojaanbau in Deutschland stammt zu etwa drei Vierteln aus Österreich. Dort musste fast alles Saatgut der Reifegruppe 000 gebeizt werden, um den Grenzwert für den Diaporthe-Besatz einzuhalten, so Jürgen Recknagel vom Deutschen Sojaförderring. Für den Einsatz von Thiram ist in Deutschland eine Notfallzulassung von Nöten.
 
 
Damit es nicht zu einer Verknappung des Saatguts kommt, hat der Pflanzenschutzdienst Baden-Württemberg im LTZ Augustenberg beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen Antrag auf Zulassung von in Österreich mit Flowsan FS (Thiram) gebeiztem Saatgut für die Aussaat in Deutschland bzw. für die Beizbehandlung mit Flowsan FS in Deutschland gestellt.
  • Marktreport: Europäische Sojaproduktion stagniert (Nov. 2014) ...

Sortenratgeber 2015

Auch wenn die Aussaat erst in einigen Monaten bevorsteht, kann jetzt bereits mit der Anbauplanung begonnen werden. Derzeit können noch nicht alle Saatguthändler angeben, welche Sorten und Mengen verfügbar sein werden. Dennoch empfiehlt es sich schon einmal Kontakt aufzunehmen und die benötigte Saatgutmenge zu reservieren.
 
Das LTZ Augustenberg hat bereits ihren aktuellen Sortenratgeber für 2015 herausgegeben: 
  • Merlin: ist die älteste im Sortiment. Sie bringt nicht die höchsten Erträge, hat sich aber langjährig im Anbau bewährt. Dies liegt vorrangig an ihrer sicheren Abreife, einer raschen Jugendentwicklung und relativ konstanten Erträgen. Sie eignet sich zum Anbau in kühlen Lagen und als Einsteigersorte (nicht in trockenen, heißen Gegenden!)
  • Gallec: gehört ebenfalls zu den älteren Sorten, deren Erträge jedoch regionenabhängig etwas schwankender sind.
  • Lissabon: An vielen Standorten hat sich im letzten Jahr auch die Sorte Lissabon bewährt. Sie gehört allerdings zu den Sorten, deren Jugendentwicklung langsamer vonstatten geht, aber deren Abreife meist gewährleistet ist.
  • Sultana: Die trockenen Frühjahrsbedingungen brachten für die Sultana in diesem Jahr häufig Schwierigkeiten in der Anfangsentwicklung. Das wirkte sich auf die Pflanzenentwicklung im Jahresverlauf aus. Im langjährigen Mittel zeigt sie dennoch gute Erträge.

Interaktive Karte zur Anbauplanung

Interaktive Deutschland-Karte zur Anbaueignung von Soja. (JKI) © geoportal/JKI
Für den erfolgreichen Sojaanbau, sollte zunächst die richtige Reifegruppe für Ihre Anbauregion festgestellt werden. Hierzu bietet das Julius-Kühn-Institut eine interaktive Karte für den heimischen Sojaanbau. Für jeden Ort in Deutschland kann anhand der Karte ausfindig gemacht werden, ob sich der Sojaanbau dort empfiehlt. Die Staffelung geht dabei von 0 (ungeeignet - weiße Bereiche) bis 9 (sehr gute Eignung - dunkelgrüne Bereiche).
 
 
In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind die Bedingungen recht heterogen. Sie reichen von absoluten Gunstlagen im Rheintal, Kraichgau und auch am Bodensee bis zu klimatisch nur bedingt geeigneten Regionen, wie am Rande von schwäbischer Alb und Schwarzwald.
 
In trockenen und warmen Regionen (dunkelgrüne Bereiche) sind wüchsige und eher spätreife Sorten der Reifegruppen 00 zu bevorzugen. An kühleren und feuchten Standorten (gelbgrüne und gelbe Bereiche) empfiehlt sich die Wahl von frühreifen Sorten der Reifegruppen 000 (in Tab.1 beginnend mit der Sorte Merlin). Für mittlere Lagen gibt es auch Übergangssorten der Reifegruppen 000/00.

Soja-Spezial Nr. 3: Aussaat auf einem Leuchtturmbetrieb (2014)

 
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