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Ölsaaten

'Donau-Soja' - Oberösterreich und Bayern entwickeln regionale Eiweißstrategie

von , am
03.04.2012

Brüssel - Gemeinsam wollen Oberösterreich und Bayern die Eigenversorgung der Europäischen Union mit Eiweißfuttermitteln verbessern.

Der Fronttermin der Sojabohne konnte am gestrigen Handelstag ein Plus von 9,75 Cent je Bushel verzeichnen. © Mühlhausen/landpixel
Ein Schritt dazu ist der Verein "Donau Soja", mit dem in den nächsten Jahren systematisch der Anbau von gentechnikfreiem Qualitätssoja in der Donauregion forciert werden soll. Einzelheiten ihrer regionalen Eiweißstrategie legten Oberösterreichs Agrarlandesrat Max Hiegelsberger und der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner vergangene Woche der EU-Kommission in Brüssel vor.
 
Hiegelsberger und Brunner machten der Kommission deutlich, dass sie Aktivitäten zeigen müsse, um die europäische Eiweißlücke bei Futtermitteln zu schließen. So brauche es etwa im Zuge des geplanten Greenings im Rahmen der EU-Agrarreform "einen echten Impuls für den heimischen Anbau von hochwertigen Eiweißpflanzen".

Soja-Anbau mittels Forschung optimieren

Anstatt Soja aus Übersee zu importieren, sollte der Anbau von Eiweißpflanzen im Donauraum über die Bereitstellung von Forschungsgeldern forciert werden. Hiegelsberger hob hervor, dass Eiweißpflanzen für Futtermittel in Österreich und in der gesamten EU Mangelware seien. Der Verein "Donau Soja" wolle Anbauflächen in der Region und im europäischen Raum nutzen. Eine Bereitstellung von Forschungsgeldern für die Länder im Donauraum könnte den Anbau zukunftsträchtiger und innovativer Eiweißpflanzen und damit die Eigenversorgung in Europa entscheidend voranbringen, so der österreichische Landesrat. Pflanzenbauliche Analysen bezifferten das vorhandene Potential an Eiweißanbauflächen allein in den Donauanrainerländern auf rund 10 Millionen Hektar (ha).

Österreich will "Know-how-Zentrum" der Sojabohne werden

Neben Oberösterreich und Bayern engagiert sich auch Niederösterreich seit dem Vorjahr stark für das Projekt. Ziel ist die Erarbeitung einer "Soja-Goes-East"-Strategie, in der die Alpenrepublik als künftiges "Know-how-Zentrum der Sojabohne" ausgebaut werden soll. Hiegelsberger zeigte sich überzeugt, dass Österreich als eines der sichersten Herkunftsländer für qualitativ hochwertige und gentechnikfreie Sojaprodukte positioniert sei. Dieses Know-how sollte weiter ausgebaut und an Osteuropa weitergegeben werden. Zudem könnten die osteuropäischen Staaten die Landwirtschaft in Mitteleuropa künftig vermehrt mit gentechnikfreiem Sojaschrot beliefern. Oberösterreich kommt als Sojaanbauregion eine große Bedeutung zu. Von den österreichweit rund 37.500 ha, die 2011 mit Sojabohnen bestellt wurden, lagen 13.500 ha in dem Bundesland.

Derzeit kann die Alpenrepublik ihren Soja-Eigenbedarf bei weitem nicht decken

Den Eigenbedarf an Eiweißfuttermitteln kann die Alpenrepublik allerdings nicht selbst decken. "Auch wenn durch den wachsenden Bedarf in der Lebensmittelverarbeitung und im Futtermittelbereich der Anbau in den letzten Jahren stark gestiegen ist, klafft eine entscheidende Lücke", erklärte Hiegelsberger. Der Agrarpolitiker ist aber überzeugt, dass in Österreich mittelfristig etwa 50.000 ha Sojabohnen angebaut werden könnten; das würde trotz aller klimatischen und topografischen Einschränkungen jährlich bis zu 200.000 Tonnen (t) Soja bringen. Aktuell importiert Österreich jedes Jahr 570.000 t Sojaschrot im Wert von rund 20 Millionen Euro aus Übersee.

Die Futtermittelkosten sind seit dem Jahreswechsel schon merklich angestiegen. Experten rechnen auch weiterhin mit einem Aufwärtstrend, vor allem, da die Preise für Soja deutlich angezogen haben. Mehr darüber lesen Sie hier...
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