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Ölsaaten

Eiweißfutter: Sojapreise auf Vierjahreshoch

von , am
09.07.2012

Die Landwirte in Deutschland müssen einen weiteren kräftigen Anstieg der Futterkosten verkraften. Die Preise für Soja und Sojaschrot haben in den USA ein Vierjahreshoch erreicht. Ein Ende des Preisanstiegs ist nicht abzusehen.

© Mühlhausen/landpixel
Nicht nur die Getreidepreise klettern in Folge der Hitzewelle in den USA und in Südrussland immer weiter nach oben. Auch die Kurse für Soja und damit auch für Sojaschrot bzw. Eiweißfutter steigen überaus kräftig. In den USA haben die Sojapreise Anfang Juli bereits ein Vierjahreshoch erreicht und ein Ende des Preisanstiegs ist noch nicht abzusehen. Das kann vor allem die Tierhalter noch teuer zu stehen kommen, denn Soja ist das wichtigste globale Eiweißfutter.

Schwache Ernte auch in Südamerika

Bereits vor der Hitzewelle in den USA war die Sojaernte (Mai bis Juni) der beiden großen südamerikanischen Erzeuger- und Exportländer Brasilien und Argentinien um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Ursache war eine ausgedehnte Trockenheit währender wichtigsten Wachstumsmonate von Dezember bis Februar.
 
Mit der kleineren südamerikanischen Ernte stiegen die weltweiten Soja- und Sojaschrotpreise vom Jahresbeginn bis zum Mai um rund 35 Prozent. Nach der südamerikanischen Ernte und den zunächst sehr guten Aussaat- und Wachstumsbedingungen in den USA, gingen die Sojapreise bis Anfang Juni zunächst um gut zehn Prozent zurück.

Prognosen werden immer schlechter

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Mit der Hitzewelle in den USA setzte sich die Preisrallye bei Soja dann jedoch fort und die Preise kletterten innerhalb weniger Wochen auf ein Vierjahreshoch. Auslöser war die massive Verschlechterung der Wachstumskonditionen für Soja in den Hauptanbaugebieten im Mittelwesten. Innerhalb von vier Wochen korrigierte das USDA den Anteil der Sojapflanzen der sich in gutem oder sehr gutem Wachstumszustand befand von 65 Prozent auf 45 Prozent nach unten. Allein in der ersten Juliwoche betrug der Rückgang acht Prozentpunkte. Ähnlich dramatisch hatte es in den USA zuletzt bei der großen Dürre von 1988 ausgesehen.

Soja: Brasilien baut mehr an und rechnet mit Rekordernte ...

Enge globale Versorgung

Erträge und Produktion werden die bisher erwartete Größenordnung in den USA wohl nicht mehr erreichen. Verschärft wird die Situation durch eine auch ohne Ernteausfälle ziemlich knappe Sojabilanz. Bereits im letzten Herbst hatte der weltweit größte Sojaproduzent und Exporteur USA rund acht Prozent weniger geerntet. In der Folge waren auch die US-Bestände kräftig geschrumpft. Gleichzeitig war die Sojaproduktion im zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahr 2011/12 weltweit um rund elf Prozent bzw. 28 Millionen Tonnen zurückgegangen.
 
 
Anderseits haben die Chinesen ihre Importe weiter gesteigert. Für das neue Wirtschaftsjahr ging man deshalb von einem kräftigen globalen Produktionszuwachs aus. Dies trifft sowohl auf die Südamerikaner (Ernte erst im nächsten Jahr) als auch für die USA zu. Für die im Oktober/November anstehende US-Ernte wird dies angesichts der Hitzeschäden jedoch immer fraglicher.

Futterkosten steigen

Preisentwicklung bei Sojabohnen am Weltmarkt.
Der größte Importeur von Sojabohnen in der Welt ist China. Allein den letzten vier Jahren sind die Importmengen um 40 Prozent bzw. 16 Mio. t gestiegen. Die EU ist die Nummer zwei bei den Sojabohnenimporten (11 Mio. t) und gleichzeitig der mit Abstand größte Importeur von Sojaschrot (22 Mio. t). Jede Verknappung des globalen Sojaangebotes wirkt sich unmittelbar auch auf die Schrotpreise aus, wie die Entwicklung der letzten Wochen gezeigt hat.
 
In den USA sind die Preise für Sojaschrot innerhalb von nur acht Wochen um 20 Prozent gestiegen. In Europa hat sich der Preisanstieg unmittelbar auf die Importpreise Sojaschrot ausgewirkt. Diese hatten mit den Weltmarktpreisen von Mai bis Juni etwas nachgegeben. Mit den steigenden Sojapreisen ziehen jedoch auch die Schrotpreise wieder kräftig an.
 
In Hamburg kostete Sojaschrot (44 Prozent, fob-LKW) zum Ende der ersten Juliwoche 428 Euro pro Tonne und damit 40 Euro bzw. 13 Prozent mehr als noch Anfang Juni. Damit müssen die Landwirte in Deutschland einen weiteren kräftigen Anstieg der Futterkosten verkraften. Angesichts der zuletzt unter Druck geratenen Preise für Milch und Schlachtschweine wird dies besonders schwer.
 
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