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Ölsaaten

Erfolgsfaktoren für den Sojaanbau: Standort und Sorte

von , am
24.03.2015

Für den Anbauerfolg bei Sojabohnen sind zwei Dinge entscheidend: Die Wahl eines Standorts mit ausreichendem Wärme- und Wasserangebot und die für den Standort geeigneten Sorte. Wo welche Sorte wächst, lesen Sie hier:

In Europa wurden 2014 auf rund 0,507 Millionen Hektar Sojabohnen angebaut © sima/Fotolia.com
Um festzustellen wo in Deutschland der Sojaanbau möglich ist, bietet das Julius-Kühn-Institut eine interaktive Karte. Für jeden Standort in Deutschland kann anhand der Karte ausfindig gemacht werden, ob sich der Sojaanbau dort empfiehlt. Die Staffelung geht dabei von 0 (ungeeignet/weiß) bis 9 (sehr gute Eignung/dunkelgrün). In trockenen und warmen Regionen (dunkelgrün) sind wüchsige und eher spätreife Sorten der Reifegruppen 00 zu bevorzugen.
 
An kühleren und feuchten Standorten (gelbe Bereiche) empfiehlt sich die Wahl von frühreifen Sorten der Reifegruppen 000. Für mittlere Lagen gibt es auch Übergangssorten der Reifegruppen 000/00.
 

Für kühle Standorte: 000-Sorten

    • Merlin: bringt in Anbetracht ihrer frühen Abreife gute und dank hoher Kühletoleranz während der Blüte stabile Erträge. Da sie sich nicht verzweigt, sollte sie etwas stärker (65 bis 70 keimfähige Körner/m) in nicht zu weite Reihen (bis 40 cm) gesät werden. In warmen Lagen, etwa im Rheintal, fällt sie ertraglich deutlich ab.
    • Gallec: Von der Abreife her vergleichbar ist die Sorte Gallec mit etwas stärkerem Wuchs und guter Jugendentwicklung sowie leicht höherem, tendenziell aber etwas schwankendem Ertrag.
    • Lissabon: Wenige Tage später reift die 000-Sorte Lissabon ab, die sich langjährig bewährt hat. Sie profitiert ertraglich eher von günstigeren Verhältnissen.
    • Sultana: In der Reife gleich anschließend zeigt sich Sultana: Im Ertrag ist sie etwas, im Proteingehalt sogar deutlich besser.
    • Aligator kann im Ertrag sehr gut sein, neigt aber gelegentlich zur Reifeverzögerung. Amandine besticht durch schnelle Jugendentwicklung und guten Geschmack und bringt einen mittleren Ertrag.

    Mittlere Wärmelagen: 00-Sorten

    In mittleren Wärmelagen können die Sorten der Gruppe 00 Opaline, Pollux, Solena und Tourmaline überdurchschnittliche Erträge erreichen. Wegen Schwächen in der Standfestigkeit sollte sich der Anbau aber auf Gebiete mit geringerem Wasser- und Stickstoffangebot im Spätsommer und Frühherbst beschränken.
     
    Außerdem empfiehlt es sich, die Saatstärke auf etwa 60 keimfähige Körner/m² zu reduzieren. Bei den noch stärker verzweigenden 00-Sorten lässt sie sich noch weiter bis auf 55 Körner/m² absenken.
     
    Ertraglich ebenfalls interessant und mit guter Standfestigkeit präsentierten sich in den letzten beiden Jahren SY Livius und SY Eliot. Von der Abreife ähnlich einzuordnen sind die frühen 00-Sorten Primus und Korus. Sie bieten einen hohen Eiweißgehalt und einen etwas schwächeren Ertrag bei mittlerer bis guter Standfestigkeit. Sie werden deshalb meist unter Vertrag für die Tofuherstellung angebaut.
     

    Sorten für Gunstlagen

    • Naya und Sigalia: sind spätreifer und standfest mit gutem Ertragspotenzial
    • Sinara und ES Mentor sind noch spätreifer. 
    • ES Mentor: zeichnet sich durch gute Standfestigkeit und überdurchschnittlichen Eiweißgehalt aus. Sie zeigt eine sehr gute Jugendentwicklung, Anpassungs- und Kompensationsfähigkeit und in warmen Regionen eine sichere Abreife. Das bringt ihr sehr hohe und stabile Korn- und Eiweißerträge. Diese Eigenschaften machen ES Mentor zur am häufigsten angebauten Empfindlichkeit gegenüber dem herbiziden Wirkstoff Metribuzin.
    • Silvia PZO ist die späteste Sorte im für Deutschland geeigneten Sortiment. Sie hat eine gute Jugendentwicklung und kann im wärmsten, trockenen Gebiet ES Mentor ertraglich übertreffen. Im Eiweißgehalt fällt sie dagegen etwas ab.

    Sorten für den Ökolandbau

    Beim Ökolandbau entscheidend kann eine zügige Jugendentwicklung sein, da dies die Wirksamkeit der Unkrautregulierung merklich unterstützt. Aus diesem Grund sind deshalb die Sorten Merlin, Amandine und Gallec beliebt.

    Wasserangebot ist entscheidend

    Die Sojabohne reagiert in ihrer Entwicklung sehr stark auf das Wasserangebot: Ein und dieselbe Sorte kann unter trockenen Bedingungen knapp Kniehöhe erreichen, bei guter Wasserversorgung dagegen 1,5 m lang werden. Dann wird sie wahrscheinlich ins Lager gehen.
    • Feuchte Standorte: Sorten mit begrenztem Wachstum, wie Sultana oder ES Mentor sind hier im Vorteil. Sie schließen die Blüte mit einem Hülsenkranz an der Spitze ab und wachsen dann nicht mehr groß weiter. Das kommt ihrer Standfestigkeit zugute und lässt sie zuverlässig abreifen, entsprechend ihrer jeweiligen Reifegruppe.
    • Trockene Standorte: Dort bleiben auch weniger standfeste Sorten relativ kurz: Die Lagergefahr hält sich in Grenzen und die Bestände reifen bei passender Reifegruppe trotzdem noch im September ab. Diese Sorten können auch während der Kornfüllung noch weiterwachsen und profitieren dadurch auch noch von spätem Niederschlag. Diese Eigenschaft kann ihnen jedoch zum Verhängnis werden, und zwar dann, wenn die Pflanzen dank gutem Wärme- und Wasserangebot schon bis zur Blüte recht üppig geworden sind und weiter wachsen.
     

    Soja-Spezial Nr. 3: Aussaat auf einem Leuchtturmbetrieb

     
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