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Ölsaaten

Europa bleibt vom Soja abhängig

von , am
22.11.2010

Hannover - Europas Futtermittelwirtschaft bleibt auf Importe von Sojabohnen und -schrot angewiesen. Das hat der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) deutlich gemacht.

Ernte von Sojabohnen. © Mühlhausen/landpixel

"Trotz enormer Qualitätsverbesserungen beim Rapsschrot ist eine europäische Eiweißstrategie ohne Sojaschrot unrealistisch", sagte der stellvertretende OVID-Geschäftsführer Dr. Jörg Eggers am vergangenen Donnerstag vor Pressevertretern auf der EuroTier.

Im Rahmen der Diskussion um die Ausgestaltung der Agrarpolitik nach 2013 werde derzeit auch eine europäische Eiweißstrategie erörtert und dabei das in der EU bestehende Proteindefizit negativ beurteilt. Vor dem Hintergrund einer Initiative der Grünen im Europaparlament betonte Eggers: "Eine Volkswirtschaft, die wie Deutschland in hohem Maße vom Außenhandel profitiert, kann sich Importen nicht verschließen.

"Es sei jedoch erforderlich, dass Soja, wie auch andere Agrarprodukte, nachhaltig angebaut werde, ohne Schutzgebiete zu zerstören. OVID verwies in diesem Zusammenhang auf ein in Brasilien bereits vor Jahren etabliertes Sojamoratorium. Das damit verbundene Ziel, für den Anbau von Soja keinen Regenwald mehr zu roden, sei inzwischen in den grenzüberschreitenden Runden Tisch zum Nachhaltigen Anbau von Sojabohnen übernommen worden.

EU importiert 22 Millionen Tonnen Sojaschrot

Eggers hält es für eine Illusion, dass Deutschland und Europa auf Sojaeinfuhren für die Tierernährung verzichten könnten. Die EU importiert derzeit rund 22 Millionen Tonnen Sojaschrot und 13 Millionen Tonnen Sojabohnen pro Jahr, das entspricht einem Weltmarktanteil von rund 16 Prozent. Während die Mengen in den vergangenen Jahren etwa konstant geblieben sind, hat sich der Weltmarktanteil der EU stark verringert. Die zusätzlichen Mengen an den Weltmärkten schlucken in erster Linie chinesische Tiere. So ist der Weltmarktanteil Chinas an den globalen Sojaimporten von rund drei Prozent vor zehn Jahren aktuell auf mehr als 50 Prozent emporgeschossen.

Rapsschrot bedeutend als Rinderfutter

Deutschland hat aufgrund der Expansion der Schweinemast in den vergangenen Jahren zwar einen Mehrbedarf an Eiweißfuttermitteln gehabt; dieser konnte Eggers zufolge aber durch das höhere Aufkommen an Rapsschrot gedeckt werden. Aufgrund der Expansion der Biodieselproduktion kommt das Koppelprodukt den Mästern gut zupass, denn aufgrund der Fortschritte bei der Eliminierung von Bitterstoffen hat Rapsschrot vor allem als Rinderfutter an Bedeutung gewonnen.

In Schweinerationen kann es Eggers zufolge immerhin mit Anteilen von zehn bis 15 Prozent verwendet werden. In Deutschland würden derzeit 3,3 Millionen Tonnen Sojabohnen verarbeitet und insgesamt etwa 4,5 Millionen Tonnen Sojaschrot verfüttert. "Wenn man diese Menge mit heimischen Proteinpflanzen ersetzen wollte, würde man dafür mehr als 20 Prozent der deutschen Ackerfläche benötigen; bei der derzeitigen Flächenkonkurrenz ist das unrealistisch", unterstrich Eggers. Darüber hinaus benötige beispielsweise Geflügel eine besondere Versorgung mit essenziellen Aminosäuren aus dem Sojaschrot. (AgE)

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