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Sortenwahl Körnerraps

Gegen den Rapserdfloh: Untersaaten, Begleitpflanzen und vitale Sorten

Schaden durch Rapserdfloh
am Mittwoch, 15.07.2020 - 07:44 (Jetzt kommentieren)

Der Rapserdfloh ist einer der Hauptschädlinge im Rapsanbau. Er kann zu erheblichen Ertragseinbußen bis hin zum Komplettausfall führen. In der Schweiz testen Forscher diverse Begleitpflanzen. In Frankreich zeigt eine Studie, dass einige Rapssorten weniger anfällig für die schädlichen Larven des Rapserdflohs sind.

Die Larve des Rapserflohs frisst sich durch einen Blattstiel

Insektizide und Beizen für Rapssaatgut auf Basis von Neonicotinoide sind verboten. Immer mehr Einsätze von Pyrethroiden führen zu Resistenzen. Eine Lösung könnten Begleitpflanzen bei der Aussaat von Raps sein. Vielfältige Untersaaten oder resistente Sorten haben Potenzial für den „natürlichen“ Pflanzenschutz vor Rapserdflöhen.

Schweizer Forscher testeten als Untersaaten gegen die Schädlinge in Raps Alexandrinerklee und Ramtillkraut sowie zusätzlich Buchweizen, Linsen, Wicken, Platterbsen und Ackerbohnen. Die Schädlinge fressen die jungen Triebe, was oft zu massiven Ernteverlusten führt. Im Larvenstadium überwintert der Rapserdfloh im Inneren der Stängel.

So lassen sich Fraßschäden durch Erdflöhe und Larven in Winterraps senken

Rapserdfloh auf einem grünen Blatt

Raps-Untersaaten als Begleitpflanzen reduzieren in der Ölfrucht demnach die Fraßschäden durch Erdflöhe. Versuche der schweizerischen Forschungsanstalt Agroscope von 2014 bis 2017 zu dem integrierten Bekämpfungsansatz zeigen: Der Einsatz von Insektiziden und das Entstehen von Resistenzen lässt sich mit Begleitpflanzen reduzieren.

Die Zahl der von adulten Erdflöhen attackierten Pflanzen nahm im Vergleich zur reinen Rapskultur unabhängig von der Begleitpflanzenmischung ab.

Das Ergebnis erklären die Forscher damit, dass die Begleitpflanzen die spezialisierten Schädlinge geruchlich und visuell verwirren. Womöglich lassen sich die Schadinsekten von ihrer Zielpflanze ablenken.

So helfen Nützlinge aus Blühstreifen oder Ackerbohnen gegen den Rapserdfloh

Die Zahl der Larven vom Rapserdfloh auf den einzelnen Rapspflanzen senkten die Untersaaten dagegen nicht. Da auch sie bedeutende Ausfälle verursachen, laufen weitere Versuche, um herauszufinden, ob andere Begleitpflanzen die Schäden mindern.

Frostempfindliche Kreuzblütler wie Gelbsenf, Rettich oder Rübse könnten die Schädlinge durch ihren hohen Gehalt an Senfölglycosiden von den Rapspflanzen ablenken.

Die Forscher schlagen vor, Nützlinge aus Blühstreifen oder aus Ackerbohnen zu untersuchen. Sie ernähren sich räuberisch von Erdflöhen oder parasitieren die Schädlinge. Auch lohne es, etwas frostunempfindlichere Begleitpflanzen für Körnerraps zu testen, um den Verwirrungseffekt durch die Untersaat bis Ende des Jahres aufrechtzuerhalten. So lasse sich die Zahl der Erdflohlarven senken und der Rapserdfloh bekämpfen.

So lautet das erste Fazit zu Begleitpflanzen und Untersaaten in Raps

Nach ersten Ergebnissen aus der Schweiz sind Begleitpflanzenmischungen für Körnerraps weiter zu verbessern. Die Forschungseinrichtung Agroscope arbeitet an verschiedenen Ansätzen.

Aus den Ergebnissen lässt sich folgendes Fazit zur Bekämpfung vom Rapserdfloh ziehen:

  • Fallenpflanzen wie Rettich oder Gelbsenf ziehen die Erdflöhe an und lenken sie damit vom Raps ab. Räuber oder Parasitoiden von Erdflöhen sind in die Rapsfelder zu locken.
  • Mit etwas frostunempfindlicheren Pflanzen in den Begleitpflanzenmischungen lassen sich Verwirrungseffekte bis zum Ende der Eiablage verlängern. Das würde die Zahl der Larven des Großen Rapserdflohs möglicherweise verringern.

So wenig sind einige Rapssorten gegen den Rapserdfloh anfällig

Das französische Forschungsinstitut ‚Terres Inovia‘ hat im Juni 2020 eine Studie veröffentlicht, nach der einige Rapssorten deutlich weniger anfällig für die schädlichen Larven des Rapserdflohs sind. Dabei ließ sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der richtigen Rapssorte und der Zahl der Larven feststellen.

Die Daten stammen aus einem Versuch an 11 Standorten mit 18 Sorten. Untersucht wurde der Befall mit den Larven des Rapserdflohs. Etliche Rapssorten hatten deutlich weniger Larven in den Stängeln als andere. Demnach gebe es einen statistisch nachweisbaren Einfluss der Sorte auf die Zahl der Larven.

Darum ereichen vitale Rapssorten die Schadschwellen für Rapserdflöhe kaum

Bisher werden der Rapserdfloh und seine Larven mit Insektiziden bekämpft. Schadschwellen zeigen an, ab wann eine Bekämpfung nötig ist.

Die Schadschwellen für die Bekämpfung des Rapserflohs liegen bei

  • 3 Larven pro Pflanze in schwachen Beständen 
  • 5 Larven pro Pflanze in starken Beständen

Im Mittel haben einzelne Sorten die Schadschwelle gar nicht und in schwachen Beständen nur knapp erreicht. Darauf basierend lasse sich womöglich ein Insektizideinsatz einsparen.

Generell gibt es von Jahr zu Jahr Schwankungen im Befall. Mit dem Verbot der Neonicotinoide als Beizen in der EU ist allerdings davon auszugehen, dass die Schäden durch den Rapserdfloh in Zukunft eher noch zunehmen. Eine geringere Anfälligkeit ist da bares Geld wert.

Das zeigen Versuchsergebnisse zur Vitalität von Rapssorten gegen Erdflöhe

Wir haben für Sie die statistische Analyse aus Frankreich zur Vitalität der Rapssorten 2020 gegen den Erdfloh in einer Tabelle aufbereitet:

Rapssorte

Resistenz gegen TuYV

Vitaltät Start

Vitalität Herbst

Mittlere Biomassse
 

Zahl der Flohkäferlarven pro Pflanze

Anteil gesunder Pflanzen

Addition

ja

3

3

2

2

2

Ambassador

ja

1

1

2

3

4

Amplitude

ja

4

4

1

5

1

Architect

ja

3

3

2

5

5

Blackbuzz

-

5

4

3

2

3

Blackmillion

-

5

5

4

4

5

Cadran

ja

4

3

2

4

2

DK Exception

-

4

4

3

3

5

DK Excity

-

3

4

5

4

4

Duke

ja

5

3

2

4

3

Duplo

ja

3

3

3

5

3

ES Capello

-

4

3

3

2

3

Feliciano KWS

ja

3

3

5

1

1

LG Aviron

ja

2

2

1

2

4

Picasso

ja

5

3

2

3

1

SY Matteo

-

2

2

2

3

3

Tempo

ja

4

3

3

5

4

Temptation

ja

3

3

2

5

4

 

 

 

 

 

 

 

Statistische-Gruppe*

Start / Prozent Abdeckung

Vitalität im Herbst

Biomasse /
g/m²

Flohkäferlarven pro Pflanze/ Zahl

Anteil gesunder Pflanzen / Prozent

1 günstig

13.4%

1189

1204 g

3.2

76%

2

10.9%

1086

1129 g

3.8

68%

3

9.3%

979

1068 g

4.3

63%

4

8.5%

931

989 g

4.6

39%

5 ungünstig

7.8%

885

913 g

5.2

50%

*statistische Gruppe: hierarchische Klassifizierung nach Sorten, Gruppierung der Sorten nach statistischer Nähe, Gruppe 1: günstigste Sorten, Gruppe 5: am wenigsten günstige Sorten, immer Durchschnitt pro Gruppe; AUC = Fläche unter der Kurve

Hier gelangen Sie zur Studie vom französischen Institut Terres Inovia.

Mit Material von Agroscope (CH), KWS Saat, Terres Inovia (F)

Vom Erdfloh bis zum Rapsglanzkäfer: So erkennen Sie Rapsschädlinge

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