Login
Rapsanbau

Hitzewelle hinterlässt Spuren: Physiologische Knospenwelke im Raps

Blühender Raps
Mit dem Einsetzen der Rapsblüte mehren sich aus vielen Regionen Deutschlands Meldungen über Bestände, die nicht richtig blühen wollen. © landpixel
Anne Ehnts ,
am
30.04.2018

Mit dem Einsetzen der Rapsblüte mehren sich aus vielen Regionen Deutschlands Meldungen über Bestände, die nicht richtig blühen wollen.

Unterdurchschnittliche Rapserträge erwartet

Bei diesen Raps-Beständen, die nicht blühen wollen, handelt es sich hierbei um keine Krankheit, sondern die physiologische Knospenwelke als Folge von Wetterstress im Frühjahr. Typisch für diese Bestände sind abfallende bzw. eintrocknende Blütenknospen am Haupttrieb. Die Folge: Der Ansatz von korntragenden Schoten bleibt aus.

So rechnen Pflanzenbauexperten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen dieses Jahr mit unterdurchschnittlichen Rapserträgen. In ganz Niedersachsen zeige sich mit unterschiedlicher regionaler Ausprägung eine ungleichmäßige Entwicklung der Bestände. Die Spanne reiche von normalem Blühverlauf bis hin zu starken Beeinträchtigungen der Blüten- beziehungsweise Schotenbildung, die durch vertrocknende und abfallende Blütenknospen erkennbar würden. Ein zum Teil starker Anflug von Rapsglanzkäfern habe die Situation zusätzlich verschärft. In Schleswig-Holstein ginge der Rapsanbau in diesem Jahr in das dritte schwierige Jahr in Folge, so die zuständige Landwirtschaftskammer.

Der Raps im Wetterstress

Insbesondere anhaltende starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht in Kombination mit einem oder mehreren weiteren Faktoren, wie starke Einstrahlung, Trockenheit, schwache Wurzelentwicklung oder leichter Boden können beim Raps Wetterstress verursachen.

Das Frühjahr 2018 startete überall zu feucht, mit guten aber auch vielen schwachen Beständen. Prägend war ein sehr verhaltener, später Wachstumsbeginn und dann mit dem Einsetzen der Schönwetterperiode eine geradezu explosionsartige Entwicklung vom Schossbeginn bis zur Blüte in nur 14 Tagen. Getrieben wurde diese Entwicklung von der Tageslänge und Temperaturen bis 30°C. Die Nächte waren zwar warm, aber Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht betrugen häufig 20°C. Die Böden waren noch nass, das Wurzelwachstum konnte dem oberirdischen Wachstum nicht in gleicher Geschwindigkeit folgen.

Einzelmeldungen aus dem Bundesgebiet ergeben folgendes Bild:

  • Knospenreduktionen sind nicht an allen Rapsschlägen zu finden.
  • Felder mit gleicher Bestandesführung können trotzdem unterschiedlich reagieren. Das heißt, es war keine Ursache einer Pflanzenschutzmaßnahme oder Spritzenverunreinigung (das kann dennoch vorkommen!).
  • Zwar sind in diesem Jahr schlagspezifisch sehr viele Rapsglanzkäfer aufgetreten, Knospenabwürfe wurden aber mehrfach sowohl in der insektizidbehandelten als auch in der Nullparzelle in gleichem Ausmaß festgestellt. Rapsglanzkäferschäden sehen allerdings ähnlich aus, es kann sich auch um eine Kombination beider Faktoren handeln.
  • Es gibt keine Sortenabhängigkeit.
  • Es trifft fast immer die leichteren Standorte stärker. Gibt es auf dem Feld leichtere und schwerere Bereiche, so sind die leichteren Stellen stärker betroffen.

Wachstum und Nährstoffaufnahme im Ungleichgewicht

Das oberirdische Wachstum erfolgte für den Raps zu schnell, um mit der Nährstoffaufnahme hinterherzukommen. Oft haben die stärker betroffenen Bestände schwächere Wurzeln, eine schlechtere Bodenstruktur oder andere belastende Faktoren (z.B. Herbizidstress aus dem Vorjahr, Staunässe). Auf leichten Böden beziehungsweise den leichten Stellen eines Feldes kommen gleich mehrere Faktoren zusammen: schnelle Austrocknung des Oberbodens, höhere Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und in diesem Jahr nicht zu vergessen die Nährstoffknappheit durch Auswaschungen und Verlagerung. Auch wenn hier im Frühjahr dieselbe Stickstoffmenge gefallen ist, sind höchstwahrscheinlich Nährstoffe wie K, Mg, Ca schlechter verfügbar. Und Mikronährstoffe sind, wenn diese per Spritzung verabreicht wurden, noch gar nicht in der Pflanze angekommen. So kann es durch „einseitige“ N-Düngung sogar zur verschärften Konkurrenz in der Nährstoffaufnahme kommen, da die N-Aufnahme-Kapazität für die anderen Nährstoffe blockiert sein kann. Folge ist eine temporäre Unterversorgung der Pflanzen beziehungsweise ein Ungleichgewicht zwischen den benötigten Nährstoffen. Die Pflanze reagiert mit einem Knospenabwurf der unterversorgten Knospen. Das ist nicht zu verhindern. Felder mit langjähriger organischer Düngung, höheren pH-Werten und stärkerer Durchwurzelung zeigen in der Regel deutlich weniger oder gar keine Symptome.

Erholungsphase in Sicht

Zum Glück ist die Hitzewelle erst einmal vorbei. Mit den angekündigten Niederschlägen und den deutlich moderateren Temperaturen sollten die Bestände in eine Erholungsphase kommen. Dann besteht die Chance, dass Nährstoffaufnahme und Wachstum wieder besser ins Lot kommen. Die Pflanzen an sich sind grün und vital und die Bodenfeuchte ist wesentlich besser als im Vorjahr. Gute Chancen, um jetzt die Seitentriebe mit ihren Achselknospen herauszuschieben. Blütenknospen besitzen die Pflanzen noch mehr als genug, bei passenden Bedingungen (15 mm Regen + 15°C) werden diese ihre Chancen nutzen, aufblühen und ansetzen. Wer es gut meint, kann versuchen, die „Regeneration“ mit ein paar kg Bittersalz und Mikronährstoffen zu unterstützen.

Mit Material von rapool, Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Schleswig-Holstein

So ackern Ostfriesen: Mais und Raps auf Dämmen

Dammkulturen
Milchviehhalter Reinke Tyedmers (li.) und Bullenmäster Arne Rible (2. v. li.) bauen neben Mais zum ersten Mal auch Raps auf Dämmen an. Dirk Backhaus und Jan Juister (re.) begleiten die Praktiker fachlich. © Philipp Eberstein
Dammkulturen
Arne Rible hat diesen Maisacker 2016 mit massiven Verdichtungen übernommen. Dank Dammanbau war die Ernte im letzten Herbst problemlos. © Philipp Eberstein
Dammkulturen
In den Maisstoppeln stand im Januar zwar wie überall das Wasser. Die Ernte im Oktober war auf diesem Schlag aber - anders als in den deutlich trockeneren Vorjahren - kein Problem. Dank der Dämme war der Boden deutlich tragfähiger. © Philipp Eberstein
Reine Tyedmers
Milchviehhalter Reinke Tyedmers hat mittlerweile schon zwei Maisernten von Dämmen eingefahren: im Jahr 2016 mit Trockenstress und bei der extremen Nässe 2017. "Lässt man die nicht geplante separate Tiefenlockerung außen vor, kostet die Dammsaat unter dem Strich ähnlich viel wie herkömmliches Maislegen." © Philipp Eberstein
Arne Rible
Bullenmäster Arne Rible: "Nach der Tiefenlockerung im Herbst haben wir die Gülle mit einem Flügelschargrubber eingearbeitet und mit einer Scheibenegge die Kluten zerkleinert. Den Rest hat das Dammlegegerät erledigt." Der Lohnunternehmer konnte 44 t/ha Silomais bei knapp 37 Prozent Trockensubstanz häckseln. © Philipp Eberstein
Dirk Backhaus
Dirk Backhaus vom Agrarhandel Weser-Ems war anfangs skeptisch. "Ich hatte Sorge, dass der Mais auf schwerem Boden überhaupt keimt, wenn ich vor dem Legen in den Boden schlitze und dann keine optimale Krümelstruktur habe." Seinen herkömmlich gedrillten Mais konnte er aufgrund der Nässe lange Zeit nicht ernten. 2018 wird auch er den Mais in Dämmen legen. © Philipp Eberstein
Jan Juister
Pflanzenbauberater Jan Juister hat den Stein mit den Dammkulturen erst ins Rollen gebracht. Einen Vorteil sieht er mit Blick auf die Düngeverordnung: "Wir konzentrieren die Nährstoffe im Damm. Auf eine klassische Unterfußdüngung kann dann gegebenenfalls verzichtet werden." © Philipp Eberstein
Dammkulturen
Die Marschböden neigen durch die feine Schluffstruktur extrem zum Verschlämmen. Im vergangenen Herbst starteten die Ostfriesen einen weiteren Versuch mit Raps auf Dämmen. © Philipp Eberstein
Dammkulturen
So zeigte sich Reinke Tyedmers' Raps Mitte Januar. Anders als auf den benachbarten Flächen konnte das Wasser hier in den Furchen gut ablaufen, gut erkennbar an den hellen Rändern. © Philipp Eberstein
Dammkulturen
Bei der Aussaatstärke sind starke Nerven nötig: Gerade einmal 25 Körner/m2 kommen bei 75 cm Reihenabstand in den Boden. Wie weit der Raps das in den kommenen Monaten kompensieren kann, wird sich zeigen. © Philipp Eberstein
Dammkulturen
Der Ackercheck Mitte Januar: Die Einzelpflanze ist gut entwickelt und der Wurzelhals rund dreimal so dick wie herkömmlich gedrillter Raps. Es sind bereits viele Seitenwurzeln sichtbar. © Philipp Eberstein
Dammkulturen
Jan Juister ist zuversichtlich und erwartet 50 dt/ha - trotz geringerer Aussaatstärke. Der Berater ist überzeugt: "Wenn auf einer Rapsfläche einen Tag das Wasser steht, kostet das Ertrag." Spannender Nebeneffekt: Dammkulturen werden weniger von Gänsen heimgesucht, weil sie dort weniger gut starten und landen können. © Philipp Eberstein
Dammkulturen
Mit einer Kombination aus Dammformer mit Rückverfestiger und geeigneter Einzelkorndrille wurden sowohl der Mais als auch der Raps gesät. Der neue Dammformer von Dammprofi und die Sämaschine Prosem von Sola ermöglichte eine deutlich gleichmäßigere Aussaat als die Technik des ersten Versuchsjahres. © Philipp Eberstein
Auch interessant