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Ölsaaten

Lupinen: Alternative zu Soja

von , am
29.04.2011

Nörvenich - Lupinen eignen sich gut als Ergänzung der Eiweißversorgung in der Sauenhaltung. Was dabei zu berücksichtigen ist, erklärt Kajo Hollmichel, Landesbetrieb Landwirtschaft, Hessen.

Sächsische Landwirte erhalten insgesamt 38,3 Millionen Euro für Umweltleistungen wie der Ansaat von Zwischenfrüchten. © landpixel
Hohe Soja-Preise erhöhen das Interesse nach alternativen Proteinträgern. Von den heimischen Leguminosen hat die Lupine die höchsten Proteingehalte und leistet einen wertvollen Beitrag in der Fruchtfolge. Die Kultur Lupine ist heute ohne größere wirtschaftliche Schäden beim Landwirt zu beherrschen. Kajo Hollmichel geht überwiegend auf den Anbau und die Verfütterung der Blauen Lupine ein. Bei allen Qualitäts- und Ertragsparametern sind die Standortunterschiede so hoch, dass im Vergleich dazu Sortenunterschiede zu vernachlässigen sind.

Was steckt in der Lupine?

Die Hauptinhaltsstoffe Protein, Stärke, Fett und Rohfaser variieren stark in Abhängigkeit vom Standort. Die Blaulupine erreicht ihr Ertragsoptimum (40-50 dt/ha) auf kalkarmen, leichten bis mittleren Böden mit saurem pH-Wert unter 6,5. Lupinen sind deutlich fettreicher als andere heimische Körnerleguminosen und besitzen einen relativ geringen Stärkegehalt.
 
Das Fett der Lupine hat einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren (überwiegend Ölsäure und Linolsäure). Die Rohfasergehalte sind mit elf bis 15 Prozent relativ hoch, wodurch die Lupine besonders für die Fütterung von tragenden Sauen interessant wird. Sie kann hier als alleiniger Eiweißträger eingesetzt werden.
 
Da bekannt ist, dass die Körnerleguminosen arm an schwefelhaltigen Aminosäuren (beispieldweise Methionin) sind, ist bei deren Verfütterung darauf zu achten, ein methioninhaltiges Mineralfutter zu verwenden. Hierzu eignen sich speziell auf die Leguminosenfütterung ausgerichtete Mineralfutter.
 
Das Lupinenprotein kommt dem "idealen Protein" im Aminosäurenverhältnis sehr nahe. Von bitterstoffarmen Lupinen ("Süßlupinen") spricht man bei einem Alkaloidgehalt von weniger als 0,05 Prozent im Korn. Heute haben viele Sorten schon Gehalte von weniger als 0,02 Prozent.
 
Beim Einsatz von Höchstanteilen von Lupinen in der Futtermischung, kommt man außer bei tragenden Sauen nicht ganz ohne zusätzliche Proteinquellen aus.

Wie in die Ration einbauen?

Die Ansprüche an das Mineralfutter sind von der Aminosäurenausstattung als sehr hoch zu einstufen, was nicht nur an der niedrigeren Aminosäurenausstattung der Lupine im Vergleich zum HP-SES, sondern zum Teil auch daran liegt, dass die neuen DLG-Empfehlungen auf ein Zunahmeniveau von nun mehr 850 Gramm ausgerichtet sind.
 
Zu Struktur- bzw. Rohfaserproblemen kommt es wegen der hohen Rohfasergehalte der Blauen Süßlupine nicht. Gut geeignet ist sie für die Verfütterung an tragende Sauen.
 
Da die Inhaltsstoffe der Lupine standortspezifisch großen Schwankungen unterliegen, sollten die eigenen Lupinen vor dem Einsatz in der Fütterung auf jeden Fall analysiert werden.

Marktpreise und Deckungsbeiträge

Derzeit gibt es keine offiziellen Marktpreise für Lupinen. In der Praxis haben sich die Preise häufig am Erbsenpreis angelehnt, obwohl die Erbse deutlich weniger Protein als die Lupine hat. Zur Orientierung für mögliche Marktpreise bietet die Preiswürdigkeitsberechnung eine wertvolle Hilfe. Der Gleichgewichtspreis der Blaulupine liegt gegenwärtig bei etwa 79 Prozent des Sojaextraktionsschrotpreises.
 

Was beim Anbau berücksichtigt werden muss

Lupinensaatgut ist nur begrenzt am Markt verfügbar. Falls Sie sich für den Lupinenanbau entscheiden, schließen Sie rechtzeitig Kontrakte für Saatgut! Seit dem 1. Juli 2001 ist in Deutschland nur noch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Lupinenanbau erlaubt, die für diese Pflanzenarten zugelassen sind oder eine Anwendungserlaubnis besitzen. Es sollte auch eine Anbauberatung in Anspruch genommen werden. Eine Impfung des Saatgutes mit speziellen Knöllchenbakterien ist erforderlich, sofern fünf Jahre auf dem Standort keine Lupinen angebaut wurden. Dieses Bakterium ist meist nicht in ausreichendem Maße im Boden vorhanden.
 
Bei der Sortenwahl sei angemerkt, dass es zwei Typen von Blaulupinen gibt, die endständigen- (unverzweigten) und die Verzweigungstypen. Die Verzweigungstypen sind ertragsstärker, haben aber durch eine längere Blühphase und Vegetationsdauer keine gleichmäßige Abreife. Dies verursacht höhere Trocknungskosten.
 
Bitterstoffarme Verzeigungstypen sind beispielsweise die Sorten Boregine und Arabella. Bitterstoffarme endständige Typen sind die Sorten Boruta, Borweta und Sonet. Von dem Nachbau eigenen Saatgutes sei dringend abgeraten, da durch Rückmutationen immer wieder vereinzelt bitterstoffreiche Pflanzen entstehen können und die Toleranz gegen die Anthraknose abnimmt. Vergessen Sie weiterhin nicht, die GAP-Prämie für den Anbau von Eiweißpflanzen in Höhe von 55,57 €/ha zu beantragen.

Fazit

Die Lupine ist gut geeignet zur Ergänzung der Eiweißversorgung in der Schweinehaltung. Bei tragenden Sauen kann sie den Eiweißbedarf ohne zusätzliche Proteinträger komplett abdecken, zudem ist der Rohfasergehalt relativ hoch. Sie hat in der Fruchtfolge wegen der luftstickstoffbindenden Eigenschaften, der Bodenlockerung und Phosphatmobilisierung einen hohen Vorfruchtwert. Zum Einsatz kommt heute fast ausschließlich die bitterstoffarme Blaue Lupine, die am wenigsten anfällig gegen die gefürchtete Lupinenkrankheit Anthraknose ist. Die Erträge von Lupinen können durchaus bei 40 bis 50 dt/ha liegen. Für das Saatgut sollten rechtzeitig Verträge abgeschlossen werden, da das Angebot begrenzt ist.  
 
Angepasste Futterberechnungen können beim Autor angefragt werden oder mit Hilfe des LLH-Futterberechnungsprogramms erstellt werden. zum download des Futterberechnungsprogramms ...
 
Dipl.-Ing. agr. (FH) Kajo Hollmichel
kajo.hollmichel@llh.hessen.de
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