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Ölsaaten

Vor- und Nachteile Clearfield-Raps

© landpixel
von , am
10.04.2013

Wer in diesem Jahr spezielle Clearfield-Rapshybridsorten anbauen möchte, sollte vor allem die besonderen Haftungsrisiken beachten.

© Jonathan Willmann/aboutpixel.de
In Kürze steht die Aussaat des Sommerrapses an. Unter den zahlreichen Rapssorten tauchen mitunter Sortentypen im Vertrieb auf, die als "Clearfield-Rapssorten" gehandelt werden. Mittlerweile stehen zumindest in der Vermehrung in Niedersachsen nicht nur Stämme oder Sorten aus dem Sommerrapsbereich, sondern auch solche aus dem Winterrapssegment.

Vorteile von Clearfield-Raps

Unter dem Namen Clearfield wird ein Anbausystem mit speziellen Clearfield-Rapshybridsorten beschrieben. Diese Sorten sind auf konventionellem Wege gezüchtet und sind gegenüber dem bisher nicht im Raps einsetzbaren Herbizidwirkstoff Imazamox (ALS-Hemmer) unempfindlich. Dieser ist in einem neuen Rapsherbizid enthalten, welches im April 2012 unter dem Namen "Clearfield-Vantiga" zugelassen wurde und ausschließlich in Clearfield-Sorten einsetzbar ist. Die Sortenzulassung erfolgt momentan über das EU-Zulassungsverfahren (EU-Sortenkatalog). Das System bietet einige Vorteile im Hinblick auf die Bekämpfung von Problemunkräutern im Raps, wie z.B. Kreuzblütler (Rauken, Hirtentäschelkraut, Hederich). Diese können demnach im Nachauflauf ohne den Einsatz von clomazonehaltigen Präparaten sicher bekämpft werden.

Haftungsrisiken bedenken

Die Ertragsleistung der neuen Clearfield-Rapssorten ist geringer als jene der konventionellen Sorten, was eine Anbauentscheidung von vornherein fraglich erscheinen lässt. Eine weitere unerwünschte Verbreitung dieser Rapssorten wird beim überbetrieblichen Einsatz von Mähdreschern erfolgen. Zudem wird beim Anbau in der Nähe benachbarter Flächen mit konventionellem Raps, wenn auch in geringem Maße, eine Auskreuzung der Sorten stattfinden.
Bisher gibt es zu dieser Problematik keinerlei rechtliche Reglementierung, Anbauregister- oder "Koexistenz-Regelungen, so dass die Haftung bei dem verursachenden Landwirt liegt. Weitere Haftungsrisiken können entstehen, wenn Vertragspartner wie z.B. der Lohnunternehmer nicht informiert ist, dass es sich um Clearfieldraps handelt. Der Lohnunternehmer muss seine Vertragspartner informieren, dass er zuvor Clearfieldraps geerntet hat, damit sich künftige Vertragspartner auf eventuelle Risiken vorbereiten können. Mit dem Anbau von Clearfieldraps sollten diese Haftungsrisiken bedacht werden, eventuell sollte vor dem Anbau auch der Haftpflichtversicherer befragt werden, ob das zusätzliche Risiko versicherbar ist.

Ausfallraps ist schwer zu bekämpfen

Zudem ergeben sich weitere Nachteile bei der Bekämpfung von Ausfallraps in der Fruchtfolge, da viele ALS-Hemmer nicht mehr ausreichend gegen den CL-Ausfallraps wirken (z.B. Debut in Zuckerrüben, Pointer SX im Getreide). Somit wird in Folgekulturen die Herbizidwahl eingeschränkt. Darüber hinaus erhöht ein zusätzlicher Einsatz von ALS-Hemmern (bisher in Getreide, Mais, Rüben, Kartoffeln) den Selektionsdruck in der Fruchtfolge, so dass dieser Wirkmechanismus noch stärker von Resistenzentwicklungen bedroht ist.

Kennzeichnung lässt zu wünschen übrig

© LWK Niedersachsen
Wie beispielhaft das dargestellte Eitkett zeigt, dürfte für viele Saatgutkäufer das an den Sortenname angehängte Kürzel "CL" für "Clearfield" nicht unbedingt in Verbindung mit Clearfield- Sorte und den damit verbundenen Eigenschaften gebracht werden. Zumal selbst diese Kurzbezeichnung nicht verpflichtend ist. Unabhängig davon, ob man sich der Sichtweise des amtlichen Pflanzenschutzdienstes, wie sie im diesbezüglichen Positionspapier zum Ausdruck kommt, anschließt oder nicht oder nicht in Gänze anschließt, sollte alleine aus Transparenzgründen für den Saatgutkäufer eine eindeutige Kennzeichnung auf dem Verpackungsmaterial und/oder auf dem Saatgutetikett verpflichtend vorgegeben werden. Hier besteht auf alle Fälle eine gesetzliche Lücke, die entweder saatgut- oder pflanzenschutzrechtlich geschlossen werden sollte. Die verbale Ergänzung "Clearfield- Sorte" könnte z.B. ohne großen Aufwand dem eigentlichen Namen oder der gewählten Buchstaben- und Zahlenfolge, die für die Sorte gewählt wurde, auf dem amtlichen Etikett beigefügt werden.

Vorher fragen

Da dies rechtlich zur Zeit nicht vorgegeben ist, sollte der Rapsanbauer beim Saatgutkauf, sofern er nicht ganz bewusst Clearfieldsorten anbauen möchte, vorab mit dem Verkäufer diese Thematik klären, damit spätere Unstimmigkeiten oder sonstige Auseinandersetzungen und ggf. Probleme vermieden werden können.
 
Zusammenfassend ist aus Sicht des niedersächsischen Pflanzenschutzdienstes, aber auch aus Sicht zahlreicher weiterer Pflanzenschutzämter und einer Vielzahl namhafter anderer Berater und Beratungsorganisationen für die nahe Zukunft keine Notwendigkeit für eine Einführung dieses Anbausystems gegeben, da die Nachteile des Systems deutlich überwiegen und die bisherigen Probleme im Herbizidbereich lösbar sind.
 
 
LWK Niedersachsen

Clearfield-Regelungen im Saatgutrecht

Der Raps legte am Freitag ganze 5,50 Euro je Tonne an der Matif zu und schloss knapp unter 370 Euro. © Mühlhausen/landpixel

Clearfield-Rapssorten sind in Deutschland noch nicht zugelassen. Allerdings dürfen zugelassene Sorten in anderen EU-Staaten in Deutschland vertrieben werden.


Zur Vermehrung von so genannten Clearfield-Rapssorten gibt es in Deutschland und in der EU klare Regelungen. Ob diese allerdings hinreichend für einen wirksamen Schutz für den Anbau, für die Umwelt und insbesondere für diejenigen Saatgutverbraucher, sprich Saatgutkäufer sind, die keine Clearfield-Rapssorten anbauen möchten, sei dahingestellt. Für die Vermehrung von Clearfield-Rapssorten gilt in Deutschland der gleiche gesetzliche Rahmen wie für die Vermehrung von sonstigen Rapssorten. Das heißt, dass selbstverständlich nicht zugelassene Sorten nicht anerkannt werden können.

Noch keine Sortenzulassung in Deutschland

In Deutschland selbst gibt es zur Zeit noch keine zugelassenen Sorten für den Vertrieb innerhalb von Deutschland, aber erste Winterraps- und Sommerrapssorgen mit der Auflage "zur Ausfuhr außerhalb der Vertragsstaaten bestimmt" sind auch bei uns zugelassen. Des Weiteren bedeutet das aber nicht, dass zur Zeit in Deutschland keine Clearfield-Rapssorten in Vermehrung stehen. Sobald eine Getreidesorte oder eine Rapssorte oder eine Kartoffelsorte in irgendeinem EU-Staat eine Zulassung erhalten hat, ist diese aufgrund des freien Wettbewerbs, für den die EU steht, innerhalb der gesamten EU vertriebsfähig, kann also im Handel angeboten und verkauft werden. So gibt es also mittlerweile schon eine Reihe von Clearfield-Sorten, die in anderen EU-Staaten eine Zulassung erhalten haben.

Clearfield- Winterraps- und Sommerrapssorten

Da mittlerweile einige Sorten auch in Deutschland diese Bekanntmachung nach § 55 SaatG erfahren haben, verwundert es nicht, dass in gewissem Umfange auch in Deutschland Saatgut von Clearfield-Rapssorten vermehrt und produziert wird. So lagen also für das Erntejahr 2012 alleine in Niedersachsen Anmeldungen für insgesamt 48,8 ha Raps verschiedener Saatzuchtfirmen vor. Es handelte sich dabei ausschließlich um Hybriden, von denen an verschiedenen Stellen in Niedersachsen, z. B. in der Lüneburger Heide und in Südniedersachsen Vermehrungen von Clearfield-Raps durchgeführt wurden. Diese wurden erfolgreich feldbesichtigt und anschließend für das weitere Zertifizierungsverfahren auf Antrag an ein anderes Bundesland abgegeben. Überwiegend wird dieses Saatgut exportiert, da es sich überwiegend um Sommerraps handelt und der Anbau dieser Fruchtart hier kaum eine Rolle spielt. Im Frühjahr 2012 wurden in Niedersachsen 16 Vermehrungsvorhaben einer Sommerrapssorte in der Lüneburger Heide angelegt. Die Vermehrungsfläche liegt bei insgesamt 46,06 ha. Sowohl für die Ernte 2012 als auch für die Ernte 2013 wurden in geringem Umfang erste Vermehrungen für Winterrapsstämme angelegt und angemeldet.

Probelm: Unfreiwillige Ausbreitung

Um Missverständnissen vorzubeugen sei mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass diese Vermehrungstätigkeit in Gänze in Einklang mit den rechtlichen Regelungen steht. Wie aber im oberen Teil des Artikels ausgeführt, ist mit jedem Anbau, mit jeder Ernte, mit jedem Transport von solchem Material ein gewisses Potential an unfreiwilliger Ausbreitung durch Auskreuzung, durch unvermeidbare Ernteverluste usw. gegeben. Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Autoren schon sinnvoll und hilfreich, dass dieses Material zumindest bevor es in den Verkauf gelangt, eindeutig als Clearfield-Rapssorte benannt und gekennzeichnet wird.
 
LWK Niedersachsen
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