Login
Gentechnik

Raps mit Spuren von GVO-Saat ausgesät

Rapsaussaat
am
21.12.2018
(Kommentar verfassen)

In zehn Bundesländern wurde offenbar Raps mit einem minimalen GVO-Anteil ausgesät. Der Rückfruf läuft.

Offenbar wurde in Deutschland eine Partie gentechnisch verunreinigten Raps-Saatgutes auf den Markt gebracht. In diesem Saatgut wurden geringe Spuren (< 0,1 Prozent) der gentechnisch veränderten, herbizidresistenten Rapslinie GT73 gefunden. Diese Rapslinie ist in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen, nicht jedoch für den Anbau.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen wurde das Saatgut nach derzeitiger Erkenntnis in zehn Bundesländern ausgesät.

Eine akute Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier besteht laut Bewertung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nicht. Dennoch soll eine Verbreitung in der Umwelt vermieden werden. Aktuell wird daran gearbeitet, die betroffene Saatgutpartie ausfindig zu machen und zu ermitteln, ob und wo sie ausgesät wurde.

Für Saatgut gilt in der EU eine Nulltoleranz

Wie das Düsseldorfer Agrarressort mitteilte, informierte die Europäische Kommission die Mitgliedstaaten am 12. November 2018, dass bei einer amtlichen Kontrolle in einer konventionellen Rapssaatgutpartie in Frankreich ein Anteil des gentechnisch veränderten Rapses GT73 (< 0,1 Prozent) nachgewiesen wurde. Teile dieser Saatgutpartie wurden in Frankreich ausgesät.

Am 20. November 2018 informierte die zuständige französische Behörde über einen GT73-Nachweis in einer argentinischen Ausgangspartie, die für die Herstellung der beanstandeten Partie verwendet wurde. In Deutschland wurden daraufhin Partien, die auch Teile dieser argentinischen Ausgangspartie enthalten, auf GT73-Anteile untersucht. Am 10. Dezember 2018 informierte Sachsen-Anhalt über einen GT73-Nachweis in einer Partie, die nach Deutschland geliefert wurde.

Für Saatgut gilt in der EU die "Nulltoleranz", so dass konventionelles Rapssaatgut auch dann nicht verkehrsfähig ist und ausgesät werden darf, wenn die Verunreinigung sehr geringfügig ist.

BVL kann GVO-Partie einkreisen

Wie das BVL erläuterte, haben die französischen Behörden in ihrem Land den Rückruf von nicht ausgesätem Saatgut, die Vernichtung betreffender Kulturen und Maßnahmen für die Überwachung in den Folgejahren angeordnet.

Das für die Herstellung dieser betroffenen Partie verwendete Saatgut wurde aber auch für die Produktion von Partien verwendet, die in Deutschland, der Tschechischen Republik und in Rumänien in den Verkehr gelangt sind.

Laut BVL wurden alle nach Deutschland gelieferten Partien mittlerweile identifiziert und einer amtlichen Kontrolle unterzogen. Nur in der einen nach Sachsen-Anhalt gelieferten Saatgutpartie wurden Anteile von ca. 0,1% GT73 festgestellt, in den übrigen wurden keine GVO-Anteile nachgewiesen.

In vielen Ländern zum Anbau zugelassen, aber nicht in der EU

GT73 ist ein geprüft sicherer GVO. Lebens- und Futtermittel, die GT73-Raps enthalten, daraus bestehen oder daraus hergestellt werden, haben eine gentechnikrechtliche Zulassung in der EU (und zahlreichen anderen Drittstaaten) und dürfen vermarktet werden.

Ein Anbau dieses Rapses ist in Deutschland und der Europäischen Union nicht zugelassen. In Drittstaaten wie Kanada, den USA, Australien und Japan ist GT73-Raps seit vielen Jahren für den Anbau zugelassen.

Bestände müssen vernichtet werden

Nach Angaben des BVL ermitteln die zuständigen obersten Landesbehörden der betroffenen Bundesländer aktuell, in Zusammenarbeit mit dem Saatguthersteller, alle Empfänger des bereits ausgelieferten und betroffenen Saatguts sowie die Flächen, auf denen es aufgrund der späten Meldung aus Frankreich ausgesät worden ist.

Alle noch im Lager befindlichen Saatguteinheiten der betroffenen Partie wurden gesperrt. Sobald die Vermarktungswege und die Landwirte ermittelt sind, die das betroffene Saatgut erhalten und gegebenenfalls ausgesät haben, werden die zuständigen Landesbehörden entsprechende Anordnungen zu den zu treffenden Maßnahmen erlassen, die die Vernichtung der Kulturen gewährleisten.

Mit Material von BLV, MULNV

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant