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Ölsaaten

Raps nicht übereilt umbrechen

von , am
30.03.2011

Winterrapsbestände haben vielerorts unter den Kahlfrösten und der hohen Sonneneinstrahlung gelitten. Von einem übereilten Umbruch ist aber abzuraten.

Die Winterrapsbestände haben vielerorts unter den Kahlfrösten Ende Februar mit Temperaturen unter minus 15 Grad Celsius und den starken Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht und der hohen Sonneneinstrahlung gelitten. Das trifft vor allem auf Bestände zu, die schwach entwickelt in den Winter gegangen sind. Zusätzlich haben pilzliche Erreger und hohe Bodenwassergehalte bis hin zu lokalen Überschwemmungen die Rapspflanzen geschwächt. Für viele Landwirte stellt sich deshalb die Frage, ob ein Umbruch der geschädigten Bestände erforderlich ist.
 
Grundsätzlich ist vor einem übereilten Umbruch abzuraten, da Raps ein ausgeprägt starkes Regenerations- und Kompensationsvermögen besitzt. Erst nach Vegetationsbeginn mit Einsetzen des Blatt- und Wurzelwachstums kann sicher beurteilt werden, welche Pflanzen überlebt haben und welche nicht. Regenerationsfähig sind Pflanzen mit einem grünen Herz und neuer Wurzelbildung. Dieser Zustand lässt sich prüfen, indem einige Pflanzen mit Wurzeln in ein Wasserglas an einem hellen, warmen Ort gestellt werden.
Nach bisherigen Erfahrungen können mit fünf bis zehn gleichmäßig verteilten und vitalen Pflanzen pro Quadratmeter noch akzeptable Erträge realisiert werden. Bei Beständen mit weniger als zehn schwach entwickelten und lückig verteilten Pflanzen pro Quadratmeter ist jedoch ein Umbruch in Erwägung zu ziehen. Nicht immer treten Schäden an den Rapsbeständen ganzflächig auf, sondern verstärkt nur auf Kuppen, in Senken und im Bereich von Überschwemmungen. Hier ist ein selektiver Umbruch angezeigt.

Durch Fungizideinsatz Standfestigkeit erhöhen

Durch den Fungizideinsatz im Frühjahr wird die Standfestigkeit des Winterrapses erhöht und Sclerotinia bekämpft. Weitere Pilzkrankheiten wie Botrytis und Cylindosporium spielen eine untergeordnete Rolle beziehungsweise werden bei den Fungizideinsätzen mitbehandelt. Die Wirkungsgrade bei der Phomabekämpfung im Frühjahr sind in jedem Fall niedriger als im Herbst.
 
Die Situation in diesem Frühjahr ist sehr unterschiedlich zu beurteilen. Frühe und rechtzeitige Bestände konnten sich im Herbst ausreichende entwickeln. Durch Niederschläge im September zeigten diese Bestände bereits im Spätherbst zum Teil massiven Phomabefall, der durch Fungizidspritzungen reduziert werden konnte. Häufig konnten sogenannte Umfaller beobachtet werden. Septembersaaten, vor allem als Mulch, entwickelten sich sehr zögerlich, zeigten aber einen geringeren Phomabefall.

Wachstumsreglereinsatz mit Phomawirkung ratsam

Die im Herbst gut entwickelten Bestände haben den Winter und damit auch die Kahlfröste gut überstanden und sollten ab 25 Zentimeter Wuchshöhe eine Einkürzugnsmaßnahme mit moderaten Aufwandmengen erhalten. Es ist davon auszugehen, dass durch den späteren Vegetationsstart auch in diesem Jahr die Wuchshöhe nicht besonders ausgeprägt sein wird. Die Präparate sollten neben der Wachstumsregulierung zur Lagervermeidung und Förderung der Seitentriebe auch aufgrund des stärkeren Ausgangsbefalls eine Phomawirkung mitbringen. 
Schwach entwickelte Rapsbestände sollten sehr vorsichtig mit Wachstumsreglern behandelt werden. Um ein vorschnelles Blühen zu verhindern, wäre ein Splitting mit jeweils geringen Aufwandmengen denkbar.
Bei Beständen, die sich an der Umbruchgrenze befinden muss zunächst der weitere Entwicklungsverlauf abgewartet werden, bevor Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Spätfröste Ende März bis Anfang April können einen weiteren Pflanzenverlust hervorrufen.

Feldmäuse sind sehr aktiv

Vielerorts wurde auch eine Zunahme der Feldmausaktivität festgestellt. Eine Kontrolle ist deshalb unbedingt anzuraten. Um die Entwicklung der Population und die Notwendigkeit einer Bekämpfung ermitteln zu können, sollte die Besatzdichte nach der bewährten Lochtretmethode festgestellt werden. Dazu auf 250 Quadratmetern alle Löcher zutreten und am nächsten Tag die Anzahl der wieder geöffneten Löcher erfassen. Der Bekämpfungsrichtwert liegt bei fünf bis acht wieder geöffneten Löchern.
Für die chemische Bekämpfung stehen nur Präparate auf der Wirkstoffbasis Zinkphosphid zur Verfügung. Diese müssen entsprechend der Anwendungsvorschrift tief und unzugänglich für Vögel und andere Tiere in die Feldmausgänge eingebracht werden. Die Ausbringung der Rodentizide darf nur durch Personen erfolgen, die sachkundig im Pflanzenschutz sind. Auch das Aufstellen von Sitzkrücken für Greifvögel kann helfen den Mäusebesatz zu verringern.  

Live vom Acker
Wie sieht es bei Euch draußen auf den Feldern aus? Ist der Raps gut durch den Winter gekommen? Habt Ihr Probleme mit Feldmäusen? Oder seid Ihr gerade beim Drillen von Zuckerrüben? Schickt doch uns doch bei landlive.de das ein oder andere Foto von Euren Äckern. mehr...
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