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Ölsaaten

Rapserdfloh: Nur im Notfall bekämpfen

© Rapool
von , am
09.09.2015

Ohne insektiziden Beizschutz im Raps kann der Rapserdfloh mehr fressen und hinterlässt große Löcher in den Blättern. Das sieht oft dramatischer aus als es ist. Eine Behandlung sollte nur im Notfall erfolgen.

Lochfraß durch den Raposerdfloh © Rapool
Die zweite Rapssaat ohne insektiziden Beizschutz ist im Boden. Dem Rapserdfloh sollte aufgrund des fehlenden Schutzes besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Im Sommer 2015 konnte sich laut rapool.de schlagspezifisch eine hohe Zahl von neuen Rapserdflöhen entwickeln, so dass kleinräumig ein hoher Befallsdruck auftreten kann. Rapool.de erklärt, worauf man achten sollte und dass eine Behandlung nur im Notfall zu empfehlen ist.

Käfer fressen ohne Beizung mehr

Durch den fehlenden Beizschutz wird der Praxis nun eine neue Schadkategorie des Rapserdflohs bewusst (Lochfraß bei jungen Rapspflanzen), die in der Vergangenheit eher unbedeutend war. Denn die Käfer können ohne Beizung mehr bzw. stärker fressen. Dies suggeriert hohe Käferzahlen. Das wiederum führt häufig zu vorschnellen Behandlungen. Hier ist Besonnenheit gefragt, denn die Fraßlöcher des Rapserdflohs im Blatt werden meist überbewertet. Das heißt, Gelbschalen aufstellen und überlegt bekämpfen. Nicht sofort behandeln, sondern den Beginn der Eiablage bis Mitte/Ende September abwarten.

Pflanzenbauliche Maßnahmen beachten

Zum Problem wird der Blattfraß vor allem bei ungünstigen Auflaufbedingungen. Pflanzenbauliche Maßnahmen, die einen zügigen Auflauf unterstützen wie
  • gutes Saatbett,
  • DMM (Dimethomorph) -Beizung,
  • optimaler Saattermin und
  • ggf. N-Startdüngung),
sind daher unbedingt notwendig. Eine Schadschwelle für eine frühe Behandlung (z.B. über 10 Prozent zerstörte Blattfläche), ist nur schwer zu benennen. Wenn ein Raps stark leidet, ganze Keimlinge abgetötet werden oder der Wuchs durch den Fraß erheblich verlangsamt wird, ist eine Behandlung anzuraten. Erst dann ist eine sehr frühe Behandlung bereits nach Zuflugsbeginn notwendig. Über eine zweite Behandlung ist zur Eiablage Mitte/Ende September zu entscheiden.

Behandlungsschwelle: 50 Käfer je Gelbschale in 3 Wochen

Eine Schwellenbestimmung bezogen auf den Larvenbefall ist schwierig. Daher bleibt es vorerst dabei, dass die Behandlungsschwelle von 50 Käfern/Gelbschale innerhalb von 3 Wochen auch in diesem Herbst Bestand hat. Allerdings basiert diese Schwelle auf insektizid-gebeiztem Saatgut und dessen subletale Wirkung auf den Käfer. Der Herbst 2014 hat gezeigt, dass z.T. auch Flächen mit niedrigen Gelbschalenfängen kritische Larvenzahlen aufweisen können.

Bestände auf Larven-Befalls-Symptome kontrollieren

Bei warmer Herbst- und Winterwitterung 2015/16 sind die Bestände auch bei geringen Fangzahlen auf Larven-Befalls-Symptome genau zu kontrollieren (ab Ende Oktober, bei offenem Wetter auch im Winter).

Vorteile später Larvenbehandlung

  1. Man kann den Oktober abwarten. Ist dann eine Vielzahl an Pflanzen mit hohen Larvenzahlen in den Beständen vorhanden, kann immer noch reagiert werden. Orientierung bietet hier die Schwelle von 20 bis 30 Prozent befallener Blattstiele Ende Oktober/Anfang November. Ab Mitte November haben 3 bis 5 Larven/Pflanze bzw. 30 bis 50 Prozent befallener Blattstiele als Schadschwelle Gültigkeit.
  2. Schläge mit unauffälliger Fraß-Symptomatik werden ggf. nicht vorschnell behandelt, sondern im Spätherbst auf Larvenbefall kontrolliert und nur bei Bedarf gezielt angefahren.
  3. Bei einer Behandlung unterstützt das kühlere Wetter (Ende Oktober/Anfang November) die Wirksamkeit bzw. Wirkungsdauer.

Auf Pyrethroid-Resistenzen achten

Um vor weiterer Ausbreitung der Pyrethroid-Resistenzen zu schützen, sollten Rapserdflohbehandlungen generell die Ausnahme bleiben. Ein Wirkstoffwechsel ist nicht möglich. Deutschlandweit steigt die Zahl resistenter Populationen und in vielen Gebieten sind bereits geringere Wirkungsgrade bei Käfer und Larve bekannt.

Fazit:

Ein früher Erdflohfraß an den jungen Blättern erscheint oft dramatischer als er ist und sollte nur in Ausnahmefällen behandelt werden. Lohnend ist bei hohem Befallsdruck eine Behandlung zur Eiablage (Mitte/Ende September) oder wenn möglich eine späte Larvenbehandlung (Mitte/Ende Oktober). Bestandeskontrollen, Gelbschalen, amtliche Warndienste sowie die Rapool-Schädlingsprognose bieten ein gutes Werkzeug für gezielte Maßnahmen.
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