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Ölsaaten

Rapsglanzkäfer: Bekämpfungszeitpunkt nicht verpassen

© landpixel
von , am
16.03.2015

Der Rapsglanzkäfer frißt sich in die Knospen und kann so erheblichen Schaden anrichten. Bevor sich die ersten offenen Blüten im Bestand zeigen, sollte die Bekämpfung abgeschlossen sein.

Fängt der Raps an zu blühen, dürfen B1-Insektizide nicht mehr verwendet werden. © landpixel
In unserer Serie über die Schädlinge im Raps haben wir bereits den Rapsstengelrüssler und den Gefleckten Kohltriebrüssler vorgestellt. Zu den Frühjahrsschädlingen gehört natürlich auch der Rapsglanzkäfer.  Die Wettervorhersage für diese Woche wird dem Rapsglanzkäfer zu Gute kommen. Ab 15 Grad verläßt er nämlich sein Winterquatier und breitet sich bei Sonnenschein schnell aus. Um einem wirtschaftlichen Schaden vorzubeugen, sollte der Schädling früh erkannt und bei Überschreitung der Schadschwelle vor dem Erscheinen erster offener Blüten bekämpft werden.
So befällt der Rapsglanzkäfer die Pflanzen:
 
Wie dieDeutsche Saatveredlung (DSV)  auf ihrer Internetseite schreibt, verläßt der Rapsglanzkäfer bei Bodentemperaturen von zehn Grad sein Winterquartier und fliegt bei Lufttemperaturen ab 15 Grad zu den Rapsfeldern und besiedelt zunächst die Ränder. Bei Sonnenschein und Wärme erfolgt die rasche Ausbreitung über den ganzen Bestand. Da sich der Käfer fast ausschließlich von Blütenstaub ernährt, gelangt er anfangs nur durch Zerbeißen der Kelch- und Blütenblätter an seine Nahrung. Dabei wird auch ein Teil der Fruchtknoten verletzt und die Blüte zerstört. Ab Blühbeginn entstehen keine nennenswerten Schäden mehr. Zur Eiablage bohrt das Weibchen kräftig entwickelte Knospen bevorzugt von unten an und legt in der Nähe der Staubgefäße die Eier ab. Die wenige Tage später schlüpfenden Larven ernähren sich ebenfalls von Blütenstaub, allerdings ohne Schaden anzurichten.

So sieht der Rapsglanzkäfer aus:

Der 1,5 bis 2,5 mm lange und oval geformte Rapsglanzkäfer ist schwarz mit grün- bis bläulich glänzendem Rücken. Die gelblich-weiße, schlanke etwa 3,5 bis 4 mm lange Larve mit spärlich beborstetem Körper besitzt einen schwarzbraunen Kopf und drei kurze, schwarzbraune Beinpaare. Auf jedem Körperabschnitt sind oberseits zwei bis drei dunkle Flecken. 

Dieses Schadbild hinterläßt der Rapsglanzkäfer:

Unterschiedlich große Fraßlöcher sind über den ganzen Knospenstand unregelmäßig verteilt. Kleinere Knospen werden völlig vernichtet, größere zeigen Bohrfraß. Der Käfer greift die Knospen an, um an den Blütenstaub zu gelangen, der ihm als Nahrung dient. Geschädigte Knospen vergilben, trocknen ein und fallen später ab; nur die Blütenstiele bleiben erhalten. Unregelmäßige Blüten- bzw. Schotenstände mit leeren Blüten- und Schotenstielen sind die Folge. Bei sehr geringem Knospenfraß können sich die Schoten noch entwickeln, sind aber oft missgestaltet und verdreht, jedoch niemals angeschwollen und vergallt.

Schadschwelle für den Rapsglanzkäfer:

Die Schadensschwelle liegt für Winterraps bei:
  • 1-2 Käfer/Pflanze (sehr früh: an den Knospen verdeckt/EC 51)
  • 4 Käfer pro Pflanze (früh: ca. 14 Tage vor der Blüte) 
  • 5-6 Käfer je Pflanze (kurz vor der Blüte/EC 55-57)

Bekämpfung des Rapsglanzkäfers:

Wie das Julius Kühn Institut (JKI) in der Bekämpfungsstrategie für 2015 schreibt, muss auch 2015 wieder in Winter- und Sommerraps gebietsweise mit hohem Befall durch Rapsglanzkäfer gerechnet werden. In diesen Regionen sollten je nach Entwicklungszustand des Bestandes nach dem Winter sowie je nach Zuflugtermin der Käfer im Knospenstadium des Rapses hoch wirksame Insektizide eingesetzt werden. Avaunt und Plenum 50 WG (2 neue Wirkmechanismen) sind gegen Rapsglanzkäfer zugelassen. Für die breite Umsetzung einer Anti-Resistenzstrategie sind diese, jedoch als B1-bewerteten Mittel, vor dem Erscheinen erster offener Blüten im Bestand zu bevorzugen. Zukünftig werden dringend weitere bienenverträgliche Wirkstoffe für Behandlungen in Beständen mit offenen Blüten (auch blühende Unkräuter!), bei Beginn der Rapsblüte vor allem gegen Schotenrüssler und –mücke, notwendig, um einer Resistenzentwicklung bei Neonikotinoiden vorzubeugen. Neonikotinoide sollten gegen Rapsglanzkäfer wie alle Wirkstoffklassen aber nur 1-mal je Saison eingesetzt werden. Die Nutzung mehrerer Wirkstoffklassen ist unverzichtbar für die je Befallssituation geeignetste Produktwahl für gute W irkung und Resistenzvermeidung.

Vorbeugende Maßnahmen:

Gute Wachstumsbedingungen schaffen: Lagen mit Staunässe oder Bodenverdichtungen müssen vermieden werden. Durch optimale Düngung und Bodenbearbeitung wird ein zügiges Wachstum mit rascher Abblüte gefördert. Damit werden Schäden durch den Käfer verringert.
Grosse Parzellen: Da die Käfer vom Rand her in die Felder einwandern, wird auf grossen und kompakten Parzellen weniger Schaden angerichtet als auf kleinen und schmalen Feldern.
Gülle im Frühjahr: Güllegaben im Knospenstadium und bei trockener Witterung können die Frassschäden verringern. Der genaue Einsatzzeit- punkt, die optimale Ausbringmenge und eventuelle Unterschiede zwischen Rinder- und Schweinegülle müssen jedoch noch besser untersucht werden.
Früh blühende Rapssorten:  Durch die schnellere Blütenentwicklung werden früh blühende Rapssorten weniger geschädigt.
Kein Sommerraps: Wegen der Gefahr des Überflugs keinen Sommerraps in Winterrapsanbaugebieten ansäen.
 
Diese Tipps stammen vom  Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) aus der Schweiz.
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