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Ölsaaten

Ratgeber: Erfolgreich Leguminosen anbauen (Teil 2)

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von , am
02.02.2015

Aktuelle Studien belegen, dass Körnerleguminosen sehr positive Effekte in der Fruchtfolge haben. Mit dem Anbau von Bohne oder Erbse steigt der Ertrag der Nachfrucht meist deutlich. Vorfruchtwerte von bis zu 200 Euro/ha sind möglich.

Körnerleguminosen: Der Anbau der Ackerbohne bringt viele Vorteile mit sich. © landpixel
Die Motivation, Körnerleguminosen wie Ackerbohne oder Erbse in konventionelle Fruchtfolgen zu integrieren, liegt vor allem im hohen Vorfruchtwert begründet. Leguminosen fixieren nicht nur Luftstickstoff, sondern verbessern auch die Bodenfruchtbarkeit und erweitern die Fruchtfolge. Eine Studie der Fachhochschule Südwestfalen untersuchte auf Projekt-Betrieben die Mehrerträge nach Körnerleguminosen.
 
 
Über alle Leguminosenarten hinweg zeigten sich Mehrerträge der Folgefrüchte von 5 bis 10 dt/ha im Vergleich zu einer Getreidevorfrucht. In Summe ergaben sich auf den Praxisbetrieben im Wirtschaftsjahr 2012 durchschnittliche Vorfruchtwerte von etwa 200 Euro/ha.

Einsparung Stickstoffdünger: 20 bis 30 Euro/ha

Nicht nur durch die Stickstoff-Fixierung aus der Luft, sondern auch die N-Nachlieferung aus den oberirdischen Pflanzenteilen sowie den Wurzelresten tragen nach Einarbeitung zu einem positiven Humussaldo bei. Es empflieht sich, zur Folgekultur eine Nmin-Analyse zu Vegetationsbeginn durchzuführen. Das Forschungsprojekt der Uni Südwestfalen zeigte, dass die Düngung der Nachfrucht im Durchschnitt der Projekt-Betriebe im Vergleich zu einer Getreidevorfrucht um 20 bis 30 kg N/ha reduziert wurde. Bei einem Preis von etwa einem Euro/kg Stickstoff entspricht das einem monetären Wert von 20 bis 30 Euro/ha.

Einsparung Bodenbearbeitung: 40 Euro/ha

Ein weiterer Effekt der Leguminosen ist die Verbesserung der Bodenstruktur. Sie ist auch ökonomisch zu bewerten, wenn die Intensität der Bodenbearbeitung zur Nachfrucht reduziert wird. So verzichten 80 Prozent der regulär pflügenden Betriebe nach Körnerleguminosen auf den Pflug und bestellen ihre Nachfrucht im Mulchsaatverfahren. Dadurch sind Kosteneinsparungen von bis zu 40 Euro/ha möglich.

Geringer Krankheitsdruck

Vor dem Hintergrund zunehmender Resistenz- und Fruchtfolgeprobleme stellt die Auflockerung enger eingefahrener Getreide- und Rapsfruchtfolgen einen wichtiger werdenden Aspekt dar. Infektionszyklen von Fruchtfolgekrankheiten, etwa Schwarzbeinigkeit, Halmbruch, DTR und Fusarium, lassen sich mit Leguminosen in der Fruchtfolge unterbrechen. Und der Krankheitsdruck in der Folgekultur kann reduziert werden.

Effektive Gräserbekämpfung

Überwiegend werden Körnerleguminosen als Sommerung angebaut, mit dem zusätzlichen Vorteil, dass eine effektive, nicht chemische Gräserbekämpfung nach einer Getreidevorfrucht möglich wird. Das wirkt sich vor allem bei Problemungräsern, etwa Ackerfuchsschwanz, sehr vorteilhaft aus. Besonders Regionen mit größeren Resistenzproblemen, etwa der norddeutsche Raum, schätzen diesen Effekt sehr.

Höhere Erträge bei Nachfrucht

Die bisher genannten Vorteile der Körnerleguminosen akkumulieren sich in einem höheren Ertrag der Folgekultur. So wurden auf den Betrieben, über die Arten hinweg Mehrerträge der Folgefrüchte in Größenordnungen von überwiegend 5 bis 10 dt/ha gegenüber einer Getreidevorfrucht genannt. In Summe ergaben sich auf den Praxisbetrieben im Wirtschaftsjahr 2012 durchschnittliche Vorfruchtwerte von etwa 200 Euro/ha. Wichtige Einflussgrößen stellen dabei Preis und Mehrertrag der Folgefrucht dar. Zusätzlich zeigen Versuche der Thüringer Landesanstalt Vorfruchteffekte sogar bis zur zweiten Nachfrucht mit einem Mehrertrag von 1 bis 3 dt/ha. Diese beiden Aspekte können den dargestellten Vorfruchtwert nochmals erhöhen.

Arbeitswirtschaftliche Vorteile

Neben den pflanzenbaulichen Vorteilen sind auch arbeitswirtschaftliche Effekte wichtig. Zum einen lässt sich durch die erleichterte Umstellung der Bodenbearbeitung von Pflug auf Mulchsaat Arbeitszeit sparen und der Kraftstoffverbrauch sowie der Zugkraftbedarf senken. Andererseits werden die Körnerleguminosen im Gegensatz zum Wintergetreide in der Regel im Frühjahr bestellt, wodurch sich neben der Ernte- auch die Saatsaison entzerren lässt.
 
Dieser Effekt ist bei den Ackerbohnen besonders ausgeprägt, da sie einerseits frühsaatverträglich sind (ab Februar) und die Ernte der Bohnen andererseits erst deutlich nach dem Getreide stattfindet. Die Reduktion von Arbeitsspitzen kann sich besonders für wachsende Betriebe als interessant erweisen. Das schlägt sich in reduzierten Arbeitserledigungskosten nieder.

Hoher Futterwert und gute Vermarktungschancen

Besonders für Betriebe mit der Möglichkeit, die Körnerleguminosen innerbetrieblich zu verwerten, kann der Anbau zusätzlich an Attraktivität gewinnen. So lässt sich die Wirtschaftlichkeit der Körnerleguminosen deutlich erhöhen, da der Futterwert oftmals über dem Preis liegt, den der Handel für die Leguminosen zu zahlen bereit ist. Falls keine eigene Verwertungsmöglichkeit besteht, kann auch eine direkte Vermarktung an einen Berufskollegen eine gute Alternative darstellen. Dabei stellt zum Beispiel der seit Ende 2013 neu geschaffene Marktplatz für Körnerleguminosen auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Schleswig- Holstein eine Möglichkeit dar, Kontakte zu knüpfen.

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