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Düngeverordnung

Schmaler Grat: Neun Tipps zur Rapsdüngung 2019

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am Montag, 14.01.2019 - 05:03 (Jetzt kommentieren)

Die gesetzlichen Vorgaben der Düngeverordnung sind jetzt genau einzuhalten. Vor der ersten Düngung ist der Bedarf zu ermitteln. Der kritische Blick in den Bestand darf nicht fehlen.

Schwach entwickelter Raps braucht möglichst noch eine intensive Wachstumsphase unter Kurztagsbedingungen im Frühjahr. So werden noch Seitentriebe und Ertragsorgane angelegt. Mit dem Übergang zum Langtag Ende März streben die Pflanzen in die Streckung. 

Mitte April ist die Anlage der Seitentriebe meist abgeschlossen. Erlaubt die Witterung einen frühen Vegetationsstart, ist dieser in schwachen Beständen mit kräftigem Andüngen zu unterstützen.

1. Zuerst den Bedarf ermitteln

Die pflanzenbaulichen Aspekte sind mit den Forderungen des Düngerechtes in Einklang zu bringen. Wesentlich ist, dass vor dem Ausbringen der Düngebedarf an Stickstoff (N) und Phosphor (P) zu ermitteln und schriftlich zu dokumentieren ist. 

Das gilt für jeden einzelnen Schlag. Im Einzelfall lassen sich bei gleichen Ausgangsbedingungen mehrere zu Einheiten zusammenfassen. Die P-Bedarfsermittlung entspricht den bisherigen Empfehlungen und ist nach Bodenanalysen laut Vorgaben der Länderdienststellen zu erstellen.

2. Zu- und Abschläge berechnen

Beim N-Düngebedarf gilt ein kulturspezifischer Bedarfswert, der je nach Ertrag festgesetzt ist. Bei Raps sind das 200 kg/ha N bei mittlerem Ertrag von 40 dt/ha. Davon sind Zu- und Abschläge wegen abweichender Erträge im 3-Jahres-Mittel vorzunehmen.

2018 kam es oft zu extremen Einbußen. Weicht der Ertrag mehr als 20 Prozent vom Mittel der letzten 3 Jahre ab, muss er nicht berücksichtigt werden. Dann werden die drei vorangegangenen Jahre herangezogen. 

Weicht das so ermittelte Ertragsniveau vom Wert 40 dt/ha ab, ist auch der Bedarfswert zu korrigieren: pro 5 dt/ha mehr lässt sich ein Zuschlag von 10 kg/ha N rechnen. Bei Minderertrag muss pro 5 dt/ha weniger ein Abschlag von 15 kg/ha N angerechnet werden.

3. Nachlieferung berücksichtigen

Weiter ist zu rechnen mit Abschlägen in Höhe des aktuellen Nmin-Werts, vom Humusgehalt des Bodens (größer 4 Prozent abzüglich 20 kg/ha N), der N-Nachlieferung aus organischer Düngung des Vorjahrs (10 Prozent des Gesamt-N daraus) und der Nachlieferung (je nach Vor- und Zwischenfrüchten). Hilfe bieten die Landesstellen mit kostenlosen Excel-Tabellen

4. Bodenvorrat einkalkulieren

Bei den aufgeführten Empfehlungen wurde ein N-Bodenvorrat (Nmin) auf leichten Böden von 10 bis 15 kg N/ha und auf besseren von 15 bis 25 kg N/ha unterstellt. Liegen aktuelle Ergebnisse der N-Gehalte im Boden vor oder werden andere Werte erwartet, so sind die Empfehlungen entsprechend zu korrigieren.

5. Verteilung gut planen

Da das Rapswachstum zeitig und bereits bei niedrigen Bodentemperaturen einsetzt, wird auch die erste N-Gabe zeitig zu Vegetationsbeginn ab Ende Februar gegeben. Der optimale Termin für die zweite Gabe liegt in der frühen Streckungsphase.

Ist witterungsbedingt eine frühe Startgabe nicht möglich, lässt sich auf schweren und kalten Standorten die gesamte N-Menge in einer Gabe düngen. Auch in schwachen Beständen und auf schweren Böden kann das lohnen.

6. Üppige Bestände bremsen

Überwachsene Bestände sind vorsichtiger anzudüngen. In üppigen Beständen bieten sich Dünger mit Ammonium–N oder Harnstoff. Stark entwickelte Bestände haben viel N im Herbst aufgenommen und nehmen diese Mengen mit ins Frühjahr. 

Versuche belegen, dass sie dann im Frühjahr reduziert gedüngt werden können, um 20 bis 30 kg N/ha weniger. Die N–Bilanz wird es danken. Bei starken Pflanzen ist die Senkung gleichmäßig auf die 1. und 2. Gabe anzurechnen. Verliert der Raps bei Frost mehr Blätter oder verfärben sich die älteren und mittleren stärker violett, sind N-Reduktionen nur bei der 2. Gabe zu besser.

7. Schwache Bestände päppeln

Stehen die Bestände eher schwach und bildete der Raps bis zu Vegetationsbeginn nur 6 bis 7 Laubblätter, hat er weniger Seitentriebe und Ertragsorgane. Die Pflanzen müssen in ihrer noch relativ kurzen vegetativen Wachstumsphase im Frühjahr unterstützt werden. Die Anlage der Knospen ist zu fördern. Die Düngung muss startbetont sein. 

Weiter ist es in schwachen Beständen sinnvoll, die 2. N–Gabe vorzuziehen. Eine frühe Anschlussdüngung kann dazu beitragen, mögliche Reduktionsprozesse in der frühen Streckungsphase zu begrenzen. Schwache Bestände reagierten in Versuchen positiv auf nitrathaltige Dünger wie ASS oder KAS. Gerade, wenn das Wurzelwerk wegen Nässephasen oder schlechter Bodenstruktur geschwächt ist, sollte die Startgabe einen höheren Nitratanteil haben.

8. Schwefel nicht vergessen

Raps hat einen hohen Schwefelbedarf. Sulfat (S) ist ähnlich wie Nitrat im Boden leicht verlagerbar, der Vorrat schwankt wie die Nmin-Werte je nach Boden und Regenmenge über Winter. 

Im Mittel sind 30 bis 40 kg S/ha zu Vegetationsbeginn sinnvoll. Dazu bieten sich Kombinationsdünger. Um die S-Versorgung sicherzustellen, eignen sich Wirtschaftsdünger nicht. Ihr Gehalt ist mit rund 0,5 Prozent sehr gering.

9. Organisch jetzt nur sehr begrenzt düngen

Raps verwertet Gülle im Herbst gut. Im Frühjahr ist die Effektivität deutlich ungünstiger, da N oft zu spät verfügbar wird. Bei günstiger Witterung werden je nach Standort und Gülle rund 50 bis 60 Prozent des Gesamt-N-Gehalts aus organischer Düngung zur N-Versorgung berücksichtigt.

Die unterdurchschnittliche Ausnutzung organisch gebundenen Stickstoffs belastet die N–Bilanz. Der Anteil zu Raps im Frühjahr ist daher eher zu begrenzen, etwa auf 12 bis 15 m³ Schweinegülle. Wird organisch gedüngt, muss das zeitig zum Vegetationsstart passieren, gefolgt von einer vorgezogenen mineralischen Schossgabe.

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