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Ölsaaten

Soja-Spezial: Aussaat auf einem Leuchtturmbetrieb

von , am
28.04.2014

Seit über 20 Jahren betreiben die Stadlhubers heimischen Soja-Anbau. Aus diesem Grund haben wir uns zur Soja-Aussaat auf den Betrieb der Sojapioniere nach Aschau am Inn begeben.

 
Er war einer der ersten: Ackerbauer Werner Stadlhuber. Der Sojapionier brachte vor 20 Jahren die ersten Bohnen aus Kanada auf bayerische Felder. Sein damaliger Ackerbaubetrieb im kanadischen Bundesstaat Ontario liegt auf dem gleichen Breitengrad wie der Hof in Aschau am Inn. Die Sojabohne erwies sich auf den kanadischen Feldern als erfolgreiche Kultur und gute Vorfrucht für den Getreideanbau. Da zog Stadlhuber den Schluss, dass die Sojabohne auch auf den Feldern in Aschau gut gedeihen müsste.
Und so war es auch. "Es hat eigentlich, so Stadlhuber, von Anfang an funktioniert". Er behauptet sogar, dass er in dieser Region ertragstechnisch den Nordamerikanern überlegen ist. Zudem hat er die Erfahrung gemacht, "dass ich bei der Sojabohne als Vorfrucht durchschnittlich 10 Dezitonnen mehr Weizen ernte."
 

'Den heimischen Sojaanbau voranbringen'

Mittlerweile hat sein Sohn Matthias Stadlhuber den Betrieb übernommen, welcher zu den Vorzeigebetrieben der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zählt. Der ehemalige Ackerbaubetrieb hat sich in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Dienstleistung orientiert. Von Aussaat, Anbau und Ernte bis hin zur Aufbereitung bietet die Stadlhuber Agrarservice GmbH die komplette Dienstleistungskette. Der Betrieb liefert zudem Soja-Saatgut für insgesamt 300 Hektar an 80 verschiedene Anbauer. "Wir wollen den Sojaanbau voranbringen", so Betriebsleiter Matthias Stadlhuber. Daher steht den Vertragsbauern auch der Kunden- und Anbauberater Hans-Jörg Hartmetz mit Rat und Tat zur Seite.
 

Den richtigen Aussaat-Zeitpunkt ermitteln

In diesem Jahr fällt der Aussaat-Termin auf dem 23. April. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist essentiell für das Gelingen. Ausschlaggebend ist dabei die Bodentemperatur. "Eine Aussaat unter 10 Grad Bodentemperatur macht wenig Sinn, weil die Sojabohne zu viel Kraft und zu lange braucht, bis sie aufläuft.", erklärt Hartmetz.
 
Er rät: "Lieber 12 als 9 Grad." Dies ließe sich am besten mit einem Thermometer feststellen, das der Landwirt drei bis vier Zentimeter tief in den Boden steckt – denn hier liegt die optimale Saattiefe für Sojabohnen. Außerdem sollte der Boden für die Aussaat nicht zu trocken, da die Sojabohne einen hohen Keimwasserbedarf hat. Bei trockenen Bedingungen kann ein Anwalzen nach der Saat sinnvoll sein.
 

Impfung: Besser zu viel als zu wenig

Die Leistungsfähigkeit der Sojapflanze hängt maßgeblich von der Symbiose mit Stickstoffbindenden Knöllchenbakterien ab, die in deutschen Böden nicht auf natürliche Weise vorkommen. Eine sorgfältige Saatgutimpfung ist daher Voraussetzung für den erfolgreichen Anbau. Gerade beim Erstanbau, rät der Anbauberater auch bei vorgeimpften Saatgut mindestens eine halbe Aufwand-Menge aufzuimpfen. Grundsätzlich gilt: Besser zu viel als zu wenig Impfmittel verwenden. Vor allem bei schlechten Witterungsverhältnissen macht sich eine verstärkte Impfung bezahlt. Sollten sich jedoch keine oder nur wenig Knöllchen bilden, empfiehlt Hartmetz eine nachträgliche Stickstoffdüngung. "Hier ist jedoch eine drei- bis viermalige Stickstoff-Gabe von Nöten", so der Anbauberater.
 

Drillsaat versus Einzelkornsaat

Für die Aussaat setzen die Stadlhubers bisher immer erfolgreich die Drilltechnik ein. Dieses Jahr bestellen sie jedoch erstmals und versuchsweise einige Felder mit Einzelkornsaat. Es wird vermutet, dass sich die Einzelkornsaattechnik etwas positiver auf die Entwicklung der Pflanze auswirkt. Einerseits könnten sich die Hülsenansätze laut Hartmetz etwas nach oben entwickeln und andererseits sorge die anschließende Hacktechnik für eine gute Durchlüftung des Bodens. "Dies wirkt sich positiv auf die Vitalität der Pflanzen aus", so Hartmetz. Die Einzelkornsaat soll der Drillsaat auch deshalb überlegen sein, da mit der Einzelkornsaat eine exakte Tiefenablage erzielt wird und das Korn weniger beschädigt wird. Insbesondere bei Verschlämmungsgefahr sei die Einzelkorn- der Drillsaat vorzuziehen. Wichtig ist jedoch bei der Einzelkornaussaat eine geringe Fahrgeschwindigkeit von 6 km/h.
 

Pflanzenschutz-Spritzung im Vor-Auflauf

Das A und O für den erfolgreichen Soja-Anbau ist die Unkrautbekämpfung. Und die beginnt direkt im Anschluss an die Aussaat im Vor-Auflaufverfahren. "Hierbei macht man sich die Bodenfeuchtigkeit nach der Aussaat zu nutze, damit sich der Spritzfilm besser verteilen kann", erklärt Hartmetz. Nur im Vorauflauf könne das wichtigste Unkraut, der weiße Gänsefuß, sicher bekämpft werden. "Eine Kontrolle dieses Unkrauts im Nachauflauf ist nur sehr eingeschränkt möglich.", berichtet der Sojaförderring.
 
In der nächsten Soja-Spezial-Ausgabe werden wir nachsehen, wie sich die Bestände am Betrieb Stadlhuber entwickeln. Außerdem sehen wir uns die Felder eines Soja-Neulings an.

 

Soja-Spezial Nr. 2: Regionales Soja für regionale Produkte

 
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