Login
Ölsaaten

Soja-Spezial Nr. 2: Regionales Soja für regionale Tierprodukte

von , am
03.03.2014

Im bayerischen Schwaben bauen Landwirte eines Regionalverbunds heimisches Soja an. Zentrum des Netzwerks ist der Asamhof Kissing: Etwa 3.800 Tonnen Soja verarbeitete der Betrieb letztes Jahr.

 
Der bewusste Verbraucher setzt auf Regionalität: er möchte Produkte konsumieren, die in der Region hergestellt wurden. Er verspricht sich davon Qualität und Sicherheit. Doch nicht alle Produkte, die mit Regionalität werben, sind es auch zu 100 Prozent. Das betrifft vor allem das Eiweißfuttermittel, das oft aus Importen stammt. "Zu einem ehrlichen Regionalprogramm gehört meiner Meinung nach auch die regionale Fütterung", erklärt der Legehennenhalter Josef Asam. Er füttert seine 3.800 Legehennen mit Soja aus Eigenproduktion. Vor 15 Jahren begann er mit dem Anbau der tropischen Bohne. Heute betreibt er eine mittelständische Futtermittelproduktion, die etwa 3.000 Tonnen Mischfutter im Jahr herstellt.
 

Vom Industriefutter zur Soja-Eigenproduktion

1980 übernahm Josef Asam den Ackerbau- und Legehennenbetrieb. Das Getreide verkaufte er damals bei stabilen Preisen, die Hennen bekamen Industriefutter. Dann kamen die Getreidepreise unter Druck und lenkte Asam zum Umdenken: "Mein gutes Getreide schütte ich in die Inventionslager und auf der anderen Seite verfüttere ich Tapioka und Maniok aus der dritten Welt an meine Hühner", erzählt Asam. Das machte für ihn keinen Sinn mehr. In Zukunft sollte das selbstangebaute Getreide in den Futtertrog seiner Hühner gehen. Dann ging er noch einen Schritt weiter und stieg in den Anbau von Soja ein. Mittlerweile versorgt Asam im regionalen Erzeugerverbund "Unser Land" 80.000 Hühner mit Eiweiß- und Mischfuttermittel. 2013 hat er 3.800 Tonnen Sojabohnen in seiner Aufbereitungsanlage verwertet.
 

Asam investierte 1,5 Millionen Euro

Vor sieben Jahren investierte Josef Asam 1,5 Millionen Euro in eine moderne Aufbereitungs-Anlage für Leguminosen. "Das Toasten hat nicht mehr gereicht." Er setzte dabei auf eine Expanderanlage, die mittels hydrothermischen Verfahrens Leguminosen aufbereitet. Die Anlage produziert im Durchlaufverfahren gleichmäßig aufbereiteten Vollfettsoja und Sojakuchen.
 
Der Durchsatz der Anlage beträgt dabei 2,5 bis 3 Tonnen pro Stunde. Der Vorteil von hydrothermischen Behandlungsverfahren liegt darin, so Asam, dass sich die essentiellen Parameter wie Druck, Temperatur, Verweilzeit usw. feiner regulieren lassen als beim Toasting. Die Gefahr einer Proteinschädigung ist damit beim hydrothermischen Verfahren geringer als beim thermische. Zudem werden Sojafuttermittel gleichmäßiger behandelt, da bei thermischen Heißluftbehandlungen die äußeren Schichten von Sojabohnen stärker beeinflusst werden.
 

Vertragsanbau: 45 Euro je Dezitonne Soja

Aufbau der Expanderanlage © LfL, Eichmann, Thurner
 
Der Landwirt Asam betreibt regionalen Soja-Vertragsanbau. 45 Euro je Dezitonne Sojabohnen zahlt er den Sojalieferanten dieses Jahr nach der Ernte. Produzieren die Anbauer für den Eigenbedarf, können sie bei Asam ihre Bohnen mehr oder weniger kostenlos zu Sojakuchen verarbeiten lassen. Bei 100 Dezitonnen mit 14,5 Prozent Feuchte, erhält der Landwirt laut Asam etwa 75 Dezitonnen Sojakuchen. Asam behält das Öl als seinen Gewinn.
 
 
Für die Aufbereitung zu Vollfettsoja zahlen die Bauern 5,50 Euro je Dezitonne. Im Einkauf kostet der Sojakuchen 62 Euro ab Station, Vollfettware 69 Euro ab Station.
 

Soja-Spezial Nr. 1: gv-freier Soja aus der Region

 

Betriebsspiegel: Asamhof Kissing

Lagerhaus des Rieder Asamhof © kkrenn

Im bayerischen Schwaben bauen Landwirte eines Regionalverbunds heimisches Soja an. Zentrum des Netzwerks ist der Asamhof Kissing: Etwa 3.800 Tonnen Soja verarbeitete der Betrieb letztes Jahr.


Betrieb:
Asamhof Kissing
Hauptstrasse 1
 86438 Kissing

Betriebszweige:
Landwirtschaft
Futtermittel und Lagerhaus
Kaninchen und Dienstleistung
Ökobetrieb im Aufbau (Sohn: Ludwig Asam)
 
 
Betriebskräfte:
Josef Asam (Betriebsleiter)
Ulrike Asam (Ehefrau)
14 Vollzeit-Arbeitskräfte (2 Söhne, 1 Tochter)

Landwirtschaftliche Nutzfläche:
54 Hektar Ackerkulturen (Getreide, Soja, Mais)
6 Hektar Grünland
 
Tierhaltung
3.800 Legehennen (Bodenhaltung)
6.500 Kaninchenplätze für Mast zur Fleisch- und Blutgewinnung

Futtermittelherstellung:
Schwerpunkt Legehennenfutter gentechnikfrei
Eigene Pelletieranlage
Verkauf von Sackware, Big-Bags und lose Ware
Basis der Mischungen ist Getreide, Soja, Erbsen, Ackerbohnen und Grasmehl von eigenen Flächen und regionalem Zukauf.
Erfassung im eigenen Lagerhaus und Siloanlage: Lagerkapazität: 6.000 to
 
Aufbereitung von Soja und anderen Leguminosen:
Anlage zur Entölung und Hydrothermischen Aufbereitung (Expander)
 
Aufbau eines Biobetriebes
Anbau von Bio-Soja zur Tofuherstellung,
Direktvermarktung von Angus Weiderindern und Schafen
Auch interessant