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Ölsaaten

Soja-Spezial Nr. 4: Halbzeit - wo sind die Knöllchenbakterien?

© Katharina Krenn/agrarheute
von , am
17.07.2014

Anfang Juni standen die Sojabestände im oberbayerischen Kreis Mühldorf gut da. Doch auf vielen Flächen haben sich zu wenig Knöllchenbakterien entwickelt. Der Anbauberater rät zur Stickstoffdüngung.

 
Die Sojabestände auf dem Leuchtturmbetrieb Stadlhuber in Aschau am Inn stehen gut da. Bei idealer Witterung sind die Bohnen optimal aufgelaufen. Es ist bisher auch bei der Pflanzenschutzmaßnahme gleich im Anschluss an die Aussaat geblieben, denn es ist kein Krankheits- und Schädlingsbefall festzustellen. Einzig die Knöllchenbakterien wollen sich dieses Jahr nicht so richtig einstellen. Der Anbauberater stellt dies bei seinen Betriebsbesuchen vermehrt fest. Vor allem bei tierhaltenden Betrieben und Flächen nah an den Hofstellen sind zu wenig oder teilweise gar keine Knöllchen zu finden.

Zu viel Stickstoff im Boden

Regelmäßig besucht der Anbauberater der Stadlhuber Agrarservice GmbH Hans-Jörg Hartmetz Anbaupartner in der Region und steht den Landwirten mit Rat zur Seite. Dieses Jahr muss er immer wieder feststellen, dass sich auf einigen Sojafeldern keine Knöllchenbakterien bilden - vorwiegend auf tierhaltenden Betrieben. Auch auf dem Sojaschlag des Anbau-Neulings und Milchviehhalters Lukas Salzeder sucht Hartmetz die Knöllchen vergeblich. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit die organische Düngung, die der Junglandwirt im Herbst vorgenommen hat. Ist der Boden mit Stickstoff gesättigt bilden sich an der Sojapflanze keine Knöllchenbakterien.
 
Milder Winter hat Stickstoff nicht ausgewaschen

Dass aber auch Betriebe, die zuvor keinen Stickstoffdünger ausgebracht haben, über fehlende Knöllchen klagen, liegt laut Hartmetz Einschätzung am milden Winter. Durch die geringen Niederschläge hat es kaum Auswaschungen gegeben. Somit verblieb ein sehr hoher Gehalt an mineralischem Stickstoff in den oberen Bodenschichten. Auch bei langjähriger organischer Düngung kann unter günstigen Bedingungen wie feucht-warme Winter das Risiko bestehen, dass zu hohe frei verfügbare N-Mengen zur Verfügung stehen und die Knöllchenbildung verhindern.

Maßnahme bei fehlenden Knöllchenbakterien

Zur Blütenbildung sollte der Landwirt seinen Bestand auf das Vorhandensein von ausreichend Knöllchenbakterien prüfen. Denn für die Kornfüllung benötigt die Pflanzen große Mengen Stickstoff, insbesondere wenn eine hohe Blattmasse sowie Blütenzahl vorhanden ist. Hier kann eine Stickstoffgabe angezeigt sein.
 
Vor allem wenn der Sojabestand sich aufzuhellen beginnt, sollte der Landwirt etwa 50 Kilogramm N pro Hektar ausbringen, rät der Anbauberater Hartmetz. Bei Bedarf sei nach etwa drei Wochen eine zweite Gabe von Nöten.

Einzelkornsaat versus Drillsaat

Der Betrieb der Stadlhubers zählt zu den Leuchtturmbetrieben des Projekts Soja-Netzwerk in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Ziel des bundesweiten Netzwerkes ist die Ausweitung und Verbesserung des Anbaus und der Verarbeitung von Sojabohnen in Deutschland. Dieses Jahr hat der Betrieb einen Anbauvergleich mit unterschiedlichen Saattechniken unternommen. Im Frühjahr wurde ein Feld zum Vergleich, einmal mit Einzelkornsaat und einmal mit Drillsaat bestellt. Bereits jetzt ist zu Erkennen, dass die Pflanzen aus der Einzelkornsaat einen stärkeren Stengel gegenüber derjenigen aus der Drillmaschine haben. Dies macht die Pflanzen vitaler und auch stabiler gegen Lager. Ob sich dies auch positiv für den Ertrag auswirkt, bleibt abzuwarten.
 
Am 7. September 2014 findet auf dem Betrieb Stadlhuber in Aschau am Inn ein Soja-Feldtag statt. Hier gelangen Sie zur Betriebsseite ...
 
In der nächsten Soja-Spezial-Ausgabe dreht sich alles die Sojabohnen-Ernte.

 

Soja-Spezial Nr. 3: Aussaat auf einem Leuchtturmbetrieb

 
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