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Ölsaaten

Soja-Spezial Nr. 5: Tipps zur erfolgreichen Sojaernte

von , am
16.09.2014

Früher als sonst startete die Sojaernte 2014 am Betrieb Stadlhuber im oberbayerischen Aschau. Die Sojaexperten ziehen eine positive Bilanz und geben Tipps wie die Sojaernte verlustarm gelingt.

 
Bereist Anfang September haben die Sojabohnen am Betrieb Stadlhuber im oberbayerischen Aschau die Druschreife erreicht. Aufgrund des milden Frühjahrs fiel die Sojaernte 2014 etwas früher aus als sonst. Bis in den August haben sich die Sojabestände sehr erfreulich entwickelt und Spitzenerträge erwarten lassen. Doch das feuchte Augustwetter hinterließ seine Spuren. "Wir liegen jetzt bei einem Durchschnittsertrag von drei Tonnen pro Hektar. Damit sind wir zufrieden und das ist auch eine Ertragsleistung, die auch einen sehr guten Deckungsbeitrag bringt", so das Erntefazit des Sojaexperten Hans-Jörg Hartmetz. Der langjährige Durchschnitt am Betrieb liegt bei etwa 2,8 Tonnen pro Hektar.

Sojaernte: Den richtigen Erntezeitpunkt feststellen

"Die Sojabohne gehört im September vom Feld", so der Soja-Anbauberater Hartmetz. Sobald die Pflanzen ihre Blätter fallen gelassen haben und die Bohnen in den Hülsen klappern, ist in der Regel die Druschreife erreicht. Mit einem Messgerät sollte jedoch vorher die Druschfeuchte gemessen werden. Ideal ist eine Feuchtigkeit zwischen 12 und 14 Prozent. Aber auch Druschfeuchten bis 17 Prozent seien tolerabel, wenn die Bohne anschließend schnell getoastet wird, so der Experte.
 
Hin und wieder kommt es vor, dass die Bestände nicht gleichmäßig abreifen. Hierfür rät Hartmetz nicht die Nerven zu verlieren und noch ein paar Tage abzuwarten. Meist geht die Abreife dann zügig vorwärts. "Wenn ein paar unreife Bohnen mit dabei sind, ist das auch kein Problem - auch wenn die Erntefeuchte dann zwei Prozent höher ist. Das spielt keine Rolle, vor allen Dingen nicht, wenn die Bohnen sofort in den Toaster kommt", erklärt Hartmetz. Schläge, bei denen eine Stickstoffdüngung aufgrund fehlender Knöllchenbakterien durchgeführt wurde, reifen erfahrungsgemäß etwas später ab.

Die richtige Soja-Erntetechnik

Ein wichtiger Parameter für maximale Soja-Erträge ist die richtige Erntetechnik. Da die Sojabohne ihre Hülsen sehr niedrig ansetzt, ist ein flexibles Schneidwerk, das sich den Unebenheiten des Bodens anpasst, ratsam. "Wir gehen davon aus, dass sich das im Bereich von 300 Kilogramm pro Hektar bewegt, was man mit einem Flexschneidwerk höheren Ertrag erzielen kann. Und damit ist der Mähdrescher bezahlt", schlussfolgert Hartmetz. Die Trommeldrehzahl sollte zudem möglichst niedrig sein, um den Bruch und Körnerbeschädigung gering zu halten. 400 bis maximal 600 U/min sind empfehlenswert. Die Fahrgeschwindigkeit sollte fünf Stundenkilometer nicht überschreiten. Auch die Erfahrung des Fahrers ist ein entscheidender Faktor für eine ertragreiche Ernte.

Gute Ertragsbilanz trotz fehlender Knöllchen

Die Ertragsbilanz der Sojabauern aus der Region ist mit im Schnitt drei Tonnen je Hektar dieses Jahr insgesamt zufriedenstellend. Der langjährige Durchschnitt liegt bei etwa 2,6 Tonnen pro Hektar. Auch bei den Anbauern, die aufgrund des geringen Knöllchenansatzes nachdüngen mussten, brachten die Sojabohnen mit durchschnittlich 30 Dezitonnen ein zufriedenstellendes Ertragsergebnis. Daraus folgert der Anbauberater, dass die Düngemaßnahme gut und richtig war. Auffällig waren jedoch die hohen Feuchtigkeitsgehalte von rund 20 Prozent. Dies liege an der Reifeverzögerung durch die Stickstoffdüngung, erklärt Hartmetz.

Sojapreise sind niedriger als 2013

Dieses Jahr erhalten die oberbayerischen Bauern allerdings weniger für ihre Sojabohnen als letztes, denn die Marktpreise sind deutlich niedriger als im Vorjahr. Um die 36 Euro erlösen die Bauern derzeit je Dezitonne Rohbohnen. Im Vorjahr lag der Marktpreis deutlich höher bei zirka 43 Euro je Dezitonne. Der größte Teil der Landwirte in der Region produziert allerdings für den Eigenbedarf, berichtet Hartmetz. Für das Toasten berechnet der Agrarservicebetrieb Stadlhuber derzeit sechs Euro je Dezitonne.

Versuchsbilanz: Einzelkornsaat versus Drillsaat

Mittlerweile haben die Stadlhubers ihren Saattechnik-Versuch 'Einzelkornsaat versus Drillsaat' ausgewertet. Im Juli zeigten sich die Pflanzen aus der Einzelkornsaat deutlich vitaler mit einem festeren Stengel gegenüber jenen aus der Drillsaat. Doch die Bilanz ist ernüchternd. Nach der Ernte konnte kein wesentlicher Ertragsunterschied zwischen den beiden Anbauvarianten festgestellt werden. Der Betrieb wird jedoch auch im nächsten Jahr einen weiteren Versuch durchführen.
 
Sortenversuch: Bestandesdichte
 
Desweiteren hat der Versuchsbetrieb der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft die Feststellung gemacht, dass gerade bei  frühen Sorten die Bestandesdichte eine große Auswirkung auf den Ertrag hat. Der Sortenversuch habe gezeigt, dass geringere Bestandesdichten deutlich niedrigere Erträge erbringen. Das ist laut Hartmetz eine interessante Erkenntnis, in Anbetracht der Annahme, dass sich in dünneren Beständen die Pflanzen mehr verzweigen und damit eine Kompensierung eintritt. Dies war dieses Jahr nicht der Fall. Allerdings könne dies auch jahresbedingt variieren. "Sie sehen schon, der Sojaanbau ist eine sehr komplexe Angelegenheit, wo eine Vielzahl von Faktoren Einfluss haben. Und wenn man glaubt, jetzt passt es, dann wirft das Wetter mit all seinen unterschiedlichen Variationen die gewonnen geglaubten Erkenntnisse wieder über den Haufen.", so das Fazit des Experten.

Soja-Spezial Nr. 4: Halbzeit - zu wenig Knöllchenbakterien

 
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