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Ölsaaten

UFOP schaut mit Sorge nach Brüssel

von , am
13.11.2013

Der UFOP-Vorsitzende Wolfgang Vogel warnt die Politik vor ungerechtfertigten Einschnitten bei Biokraftstoffen. Diskutiert wurde auch, wie es nach dem Verbot der Neonikotinoide mit Raps weitergeht.

Wolfgang Vogel warnt die Politik vor ungerechtfertigten Einschnitten bei Biokraftstoffen. © Catrin Hahn
Bei der Pressekonferenz der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) auf der Agritechnica in Hannover hat der Vorsitzende Wolfgang Vogel der geplanten Deckelung von Biokraftstoffen aus Nahrungsmittelrohstoffen und der Einführung von iLUC-Faktoren eine deutliche Absage erteilt.
 
Angesichts des vom EU-Parlament beschlossenen sechsprozentigen Anteils von Biokraftstoffen aus Nahrungsmittelrohstoffen halte die Landwirtschaft an ihrer Forderung nach einem Anteil von acht Prozent an der Gesamtkraftstoffmenge aus erneuerbaren Energien im Verkehrssektor fest. Dieser Anteil soll ab 2020 zehn Prozent betragen.

Weniger Biokraftstoff, weniger Raps, mehr Sojaimporte

Vogel betonte, dass das mobilisierbare Rohstoffpotenzial bei Ölsaaten in der Europäischen Union keineswegs ausgeschöpft sei. Besonders nachdrücklich verwies er darauf, wie wichtig das bei der Rapsverarbeitung anfallende Schrot sei. Diese wichtige heimische Eiweißfuttermittelquelle sei unverzichtbar. Sollte die Biokraftstoffproduktion und damit der Rapsanbau in Europa eingeschränkt werden, dann steigt der Importbedarf an Sojafuttermitteln - was zu einer Anbauflächenausweitung in den Exportländern von bis zu vier Millionen Hektar führt.
 
Vogel begrüßte, dass das Europäische Parlament im September 2013 eingeschätzt hat, dass derzeit keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage für die Einführung von iLUC-Faktoren bestehen. Er forderte die Biokraftstoffverbände auf, sich am nun angekündigten Evaluierungsprozess zu beteiligen. Eine sachgerechte Bewertung aller Komponenten sei nötig, die bei der Biokraftstoffproduktion anfallen. Dabei muss, zeigte sich Vogel überzeugt, auch die Berechnungsmethodik auf den Prüfstand gestellt werden. Schließlich gehen wichtige Nebenprodukte wie Rapsschrot derzeit nur mit ihrem Heizwert in die Treibhausgaskalkulation ein.
 
Die UFOP ist nach wie vor strikt gegen eine Einführung iLUC-Faktoren. "Es gibt viele gute Gründe für Biodiesel", so das Fazit des Vorsitzenden. Und betonte erneut, dass auch die von der Politik häufig diskutierte Abschaffung der Agrardieselförderung mit der UFOP nicht zu machen sei.

Winterraps auf 1,4 Millionen Hektar

Auf der Pressekonferenz wurde auch die Befragung deutscher Landwirte zum Rapsanbau vorgestellt. Die vom Marktforschungsunternehmen Produkt+Markt durchgeführte Befragung von etwas über 5.000 Landwirten ergab, dass die Rapsfläche zur Ernte 2014 nach der starken Ausweitung im letzten Jahr um etwa vier Prozent abnimmt. So werden deutschlandweit zur Ernte 2014 auf 1,4 Millionen Hektar Winterraps erwartet - knapp 60.000 Hektar weniger als im Vorjahr. Der Flächenrückgang betrifft alle Bundesländer mit Ausnahme von Brandenburg und Thüringen, wo ein stabiler Anbau prognostiziert wird.
 
Besonders stark sinkt der Anbau im Norden:
  • Schleswig-Holstein Minus acht Prozent (%)
  • Niedersachsen Minus 7,2 %
  • Mecklenburg-Vorpommern Minus 7,1 Prozent.
Der meiste Raps wächst nach wie vor in Mecklenburg-Vorpommern mit 244.000 Hektar, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 175.000 Hektar. Es folgen Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen, Bayern und Thüringen. Die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz/Saarland liegen jeweils unter 100.000 Hektar Winterrapsfläche.
 
Zum aktuellen Stand der Winterrapsbestände schätzte Wolfgang Vogel ein, dass die Bestände fast überall nach einer sehr gut verlaufenen Aussaat gut bis sehr gut stehen.

Herber Rückschlag für den Rapsanbau

Die Diskussion wandte sich anschließend dem Thema Neonikotinoide zu. Dietmar Brauer, Rapszüchter und UFOP-Vize, gab eine Einschätzung, wie sich das Verbot auf den Rapsanbau auswirken könnte. "In diesem Jahr waren insektizide Beizen ja noch zugelassen. Im Herbst 2014, nach der ersten Aussaat ohne diesen Beizschutz, werden wir sicher größere Auswirkungen sehen. Obwohl ich dank der jahrelangen Anwendung dieser Beizen eigentlich nicht mit einem sofort hohen Schädlingsdruck rechne."
 
Dennoch werde sich das Verbot früher oder später auf das Anbauverhalten auswirken. Brauer schätzt, dass eine Konzentration zu erwarten ist. Kleinere Betriebe könnten den hohen Aufwand - alle drei bis vier Tage müssten die Flächen überwacht und mindestens ein- bis zweimal zusätzlich behandelt werden - nicht leisten. Große Betriebe hätten aber auch ein Problem, ergänzt Wolfgang Vogel, sie müssten den hohen technologischen Aufwand der zusätzlichen Behandlungen tragen. 
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