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Ölsaaten

USDA: Kleinste US-Sojaernte seit neun Jahren

von , am
13.09.2012

Für eine Überraschung sorgte der aktuelle USDA-Bericht mit seinen Daten zum Sojamarkt. Produktion und Lagerbestände wurden niedriger geschätzt als erwartet. Die Börse reagierte sofort.

© Beuermann/landpixel
Für eine handfeste Überraschung haben die aktualisierten Daten zum Sojamarkt gesorgt. Hier haben die Experten des USDA die Produktion und die Lagerbestände unter den Erwartungen der Analysten angesetzt und damit zunächst ein neues Kursfeuerwerk an den Terminmärkten ausgelöst. Am Terminmarkt kletterten sowohl die Soja- als auch die Schrotpreise um rund drei Prozent und spiegeln damit die extrem enge Versorgung beim wichtigsten globalen Eiweißfutter wider.

Erträge weiter runter

Für die im Herbst anstehende US-Ernte hatten Analysten vor dem Hintergrund der Regenfälle im August eigentlich mit einer gewissen Konsolidierung der Ertragssituation gerechnet. Manche Beobachter hatten sogar eine Korrektur der Durchschnitterträge nach oben für möglich gehalten.
 
Das USDA reduzierte hingen die Ertragsschätzungen für den weltweit größten Sojaproduzenten und Exporteur noch unter die Erwartungen der Analysten um mehr als zwei Prozent auf jetzt 2,37 Tonnen pro Hektar. Die Erntefläche ließ das USDA mit 30,2 Millionen Hektar unverändert.

Kleinste US-Ernte seit 2003

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die US-Ernteprognose wurde um rund zwei Prozent auf jetzt 71,69 Millionen Tonnen (Mio. t) gesenkt. Das wäre die kleinste Sojaernte mit den schlechtesten Erträge seit neun Jahren. Angesichts der knappen Versorgung reduzierte man zudem auch die US-Lagerbestände um fast fünf Prozent - stärker als es die Analysten zuvor geschätzt hatten.
 
Das Ausfuhrpotential des bislang größten Exporteurs USA fällt im Vergleich zum Vormonat um knapp zwei Millionen Tonnen zum Vorjahr um fast zehn Millionen Tonnen auf 28,7 Mio. t. Dies wäre die kleinste Ausfuhrmenge seit 2005. Diese große Angebotslücke am Weltmarkt kann nur durch eine sehr gute Ernte in Südamerika im nächsten Frühjahr einigermaßen gefüllt werden.

Produktionsrisiken weiterhin hoch

Bislang rechnet man für die Südamerikaner mit einer Rekordaussaatfläche und entsprechende Rekordernten. Die sehr hohen Weltmarktpreise könnten sogar einen noch stärkeren Wechsel von Mais hin zu Soja auslösen als bislang gedacht. Allerdings sind die witterungsbedingten Produktionsrisiken in Südamerika hoch. Das zeigten die letzten trockenheitsbedingten Produktionseinbußen in Argentinien und Südbrasilien bei der Ernte im vergangenen Frühjahr.
 
Derzeit sind die Bedingungen in Nordwestbrasilien (Matto Grosso) für die Aussaat von Soja und Mais jedenfalls alles andere als gut, denn es hat seit Juni nicht geregnet. Die sehr guten Erträge und entsprechend hohe Exporte lassen sich jedoch nur unter guten Witterungsbedingungen erzielen.

Starke Anbauausdehnung in Südamerika

Derzeit geht man für Brasilien von einem Zuwachs beim Sojaanbau von 2,5 Mio. ha auf 27,5 Mio. ha und für Argentinien um knapp zwei Millionen Hektar auf 19,7 Mio. ha aus. Das hätte bei durchschnittlichen Bedingungen Sojaernten von 81 Mio. t für Brasilien und von 55 Mio. t für Argentinien zu Folge. Für beide Länder wären dies neue Rekordwerte.
 
Die möglichen Ausfuhrmengen werden für Brasilen auf 39 Mio. t und für Argentinien auf 13,5 Mio. t Sojabohnen und auf 14,5 Mio. t bzw. 30 Mio. t Sojaschrot veranschlagt. Das wären ebenfalls neu Rekordmengen und Brasilen würde zudem die USA als größten Exporteur von Sojabohnen überholen. Dennoch werden noch einige Monate vergehen, bis die Ernten in Südamerika eingebracht sind und witterungsbedingt kann noch einiges passieren.

Sojaschrotpreise explodieren

Eine weitere Verknappung des Angebots hätte allerdings katastrophale Folgen für die globale Versorgung mit Eiweißfutter und für die Preise für Sojabohnen und Sojaschrot. Die Schrotpreise sind jedenfalls gestern an den Terminbörsen um mehr als drei Prozent gestiegen. Seit Jahresbeginn sein die Schrotpreise in den USA sogar um 70 Prozent nach oben geschossen und bringen die Tierhalter weltweit in Bedrängnis. Die hohen Preise dürften deshalb den Verbrauch von Sojaschrot drosseln. Bislang rechnet das USDA jedoch sogar noch mit einem Zuwachs des Schrothandels auf etwa 60 Mio. t. Mit Abstand größter Importeur von Sojaschrot ist mit 21,9 Mio. t die EU.
 

EU importiert etwas weniger Soja

Bei Sojabohnen dämpfen die hohen Preise zumindest das Exportwachstum. Gleichwohl wird China als größter Importeur - wegen der wachsenden Tierbestände - mit knapp 60 Mio. t Sojabohnen etwa zwei Drittel aller gehandelter Sojabohnen importieren. Die EU kauft nach den Erwartungen des USDA mit 10,7 Mio. t  etwas weniger Bohnen als im letzten Jahr. Ursache dafür sind die hohen Preise.

Preise und Meldungen zu Futtermitteln finden Sie in unserem dlv-Angebot Marktkompass unter den Rubriken Futtermittel und Marktfrüchte ... 
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