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Rapsschädlinge

Viren in Raps: Notfallzulassung von Biscaya erteilt

Grüne Pfirsichblattlaus
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
14.09.2018

Die Neonicotinoide in Raps sind weg, Erdfloh und Blattläuse dafür da. Letztere übertragen ein Virus, das deutliche Schäden macht. Die Fakten und ein Kommentar.

Das Insektizid Biscaya darf jetzt für 120 Tage auch gegen Blattläuse in Raps eingesetzt werden. Das ist aufgrund einer Notfallzulassung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) möglich.

Biscaya enthält den Wirkstoff Thiacloprid aus der Gruppe der Neonicotinoide. Dieser Wirkstoff fällt nicht unter das jüngst verkündete Verbot dreier weiterer Wirkstoffe aus dieser Gruppe.

Das Mittel ist zwar schon über seine übliche Zulassung neben Kartoffeln und Getreide auch in Raps zugelassen, allerdings nur gegen beißende Insekten (ohne Erdfloh) und Kohlschotenmücke.

Für 120 Tage gegen Pfirsichblattlaus zugelassen

Wasserrübenvergilbungsvirus

Mit der vom 10. September 2018 bis 7. Januar 2019 geltenden Sonderzulassung kann es jetzt auch gegen Flächen mit Starkbefall von Grüner Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) eingesetzt werden.

Die für die Indikation bundesweit zugelassene Menge ist auf insgesamt 7.500 Liter begrenzt und damit – bei einer Behandlung – ausreichend für rund 25.000 ha Winterraps.

Die Grüne Pfirsichblattlaus trat in den vergangenen Jahren im Herbst verstärkt auf und überträgt das Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) im Raps.

So darf Biscaya eingesetzt werden

Das Mittel kann in Winterraps im Freiland nach Erreichen von Schwellenwerten oder nach Warndienstaufruf im Entwicklungszeitraum BBCH 12 bis 29 gespritzt werden. In der Kultur beziehungsweise je Jahr kann maximal eine Anwendung durchgeführt werden.

Die zugelassene Aufwandmenge beträgt 300 ml/ha in 200 bis 400 l/ha Wasser. Die Wartezeit nach der Behandlung wurde mit „F“ eingestuft und ist damit durch die Anwendungsbedingungen und/oder die Vegetationszeit abgedeckt, die zwischen Anwendung und Nutzung (Ernte) verbleibt bzw. die Festsetzung einer Wartezeit in Tagen ist nicht erforderlich.

Für weitere Auflagen ist die Gebrauchsanweisung zu beachten!

Wie sie Befall mit dem TuYV-Virus erkennen

  • Blattrötung an Spitzen und Rand,
  • Verkleinerte Blattfläche,
  • Verringerte Wuchshöhe und weniger Hauptzweige,
  • Verringerte Kornzahl in der Schote,
  • Verminderter Ölgehalt,
  • Erhöhter Gehalt an Erucasäure und Glucosinolat im Samen,
  • Ertragsverlust.

Seit dem Wegfall neonicotinoider Beizmittel 2014 lassen sich die Rapspflanzen nicht mehr gegen Blattläuse absichern. Die Bekämpfung ist damit erschwert. Milde Winter und grüne Brücken durch Greening und Wirtspflanzen fördern die Ausbreitung.

Wie lässt sich das TuYV-Virus eindämmen?

  • Rechtzeitige Beseitigung von Infektionsquellen, wie Ausfallraps und Unkräuter, besonders Kreuzblütler-Wildkräuter,
  • Angepasste Fruchtfolge, weil zunehmender Leguminosen- und Zwischenfruchtanbau den Infektionsdruck erhöht,
  • Bekämpfung der grünen Pfirsichblattlaus,
  • Sicherung eines dichten Pflanzenbestandes im Herbst,
  • Anbau resistenter Sorten.
Mit Material von BVL, LTZ Augustenberg, Limagrain, Bayer CropScience

Kommentar: "Rapsanbauer haben derzeit andere Sorgen"

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann

Keine Frage, die fehlenden Neonicotinoide hinterlassen im Raps eine massive Lücke gegen Blattlaus und vor allem Erdfloh und Kohlfliege.

Aber ob die Notfallzulassung von Biscaya jetzt tatsächlich hilfreich ist, muss jeder Anbauer selbst bewerten. Entscheidend ist, ob Blattläuse vorhanden sind und ein TuYV-Risiko besteht.

Viele Rapsanbauer dürften derzeit ganz andere Probleme haben: Aufgrund der seit Monaten anhaltenden Trockenheit ist der neue Raps vielerorts noch gar nicht im Boden und kommt nicht zum Keimen.

Bleibt zu hoffen, dass durch die späte Saat wenigstens die „grüne Brücke“ als Übertragungsweg gekappt wird und sich der Blattlausdruck diesen Herbst und Winter damit reduziert.

Es ist jedenfalls nachvollziehbar, dass noch mehr Ackerbauern in diesem Herbst die Lust an Raps verlieren. Reduzierter Pflanzenschutz, hoher Schädlingsdruck und Resistenzen in Kombination mit schlechter Ernte und hohen Produktionskosten bremsen die Attraktivität dieser eigentlich wichtigen Blattfrucht weiter. Zumindest teilweise ist das allerdings politisch gewollt.

Viel wichtiger als ein kurzzeitiges Stopfen von Behandlungslücken mittels Notfallzulassung ist eine langfristige Planbarkeit.

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Aktuelles Heft September 2018

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