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Ölsaaten

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Phoma eindämmen, Wachstum regulieren

von , am
06.09.2011

Die Wurzelhals- und Stängelfäule Phoma lingam ist nach wie vor eine der bedeutsamsten Rapskrankheiten. Es drohen Ertragsausfälle von bis zu zehn dt/ha.

Phomabekämpfung funktioniert auch gut zusammen mit Wachstumsregulation. © as
Vorschub leisten unter anderem die zunehmend engen Rapsfruchtfolgen, in denen der mindestens dreijährige Abstand nicht eingehalten wird, genauso wie pfluglose Anbauverfahren. Vor allem die Witterungsbedingungen im Herbst spielen eine wichtige Rolle.

Das vergangene Rapsjahr war sehr wechselhaft. Vielerorts war die Aussaat durch langanhaltende Niederschläge verzögert und der Raps hatte auf den verschlämmten Böden mit Strukturproblemen zu kämpfen, so dass er dort kaum Wurzeln ausbilden konnte. Der Phomadruck war unter diesen Bedingungen nicht unerheblich.

Aktuelles Wetter begünstigt Phoma

Auch die aktuelle Witterungskonstellation stellt die Rapsanbauer vor altbekannte Herausforderungen. In einigen Regionen kam es zu Rekordniederschlägen, die zu einer verzettelten Ernte und zu Verzögerungen bei der Bestellung führten. Anhaltende Nässe fördert den Phomabefall auf den alten Rapsstoppeln. Kann oder konnte aufgrund von weiterhin ungünstigen Witterungsverhältnissen eine ordnungsgemäße Stoppelbearbeitung nicht erfolgen, sind Probleme mit dem Krankheitserreger auf der Neusaat vorprogrammiert.
 
Experten rechnen bei entsprechender Witterung mit frühen Infektionen. Die Infektionen der Wurzelhals- und Stängelfäule können aber über den gesamten Herbst hinweg stattfinden. Voraussetzung dafür ist ein weiter anhaltendes feuchtes Wetter. Herbstinfektionen wandern schnell von den Blättern zum Wurzelhals und verursachen die bekannten Stängelvermorschungen.
 
Neben der Sortenwahl - hier hat die Resistenzzüchtung in den vergangenen Jahren gute Fortschritte erzielt - spielt der Pflanzenschutz eine wichtige Rolle bei der Phoma-Kontrolle. Aufgrund der aktuellen Witterungskonstellationen und angesichts der langen Infektionsperiode des Pilzes empfiehlt sich eine frühe Bekämpfung ab dem Stadium BBCH 14/15.
 
Wachstumsregulation und Pilzbekämpfung kombinieren
 
Erlauben die Witterungsbedingungen eine rasche Entwicklung der Rapsbestände und besteht bereits im September die Gefahr, dass sich die Bestände überwachsen, rückt die Wachstumsregulierung in den Mittelpunkt der Überlegungen. Um winterharte Bestände zu erhalten, bremsen viele Landwirte die Streckungszone des Rapses mit Wachstumsreglern, damit ein Aufstängeln verhindert wird. Bestände, die niedrig über dem Boden anliegen, verkraften Frost besser. Für eine gute Winterhärte sollte der Wurzelhals dick und robust sein. Eine Behandlung zum selben Termin wie die Phoma-Bekämpfung spart Zeit und Arbeit.
 
Deshalb kommen in der Praxis vorrangig Produkte zum Einsatz, die beides können: das Wachstum regulieren und gegen Phoma wirken. In diesem Herbst steht hierfür erstmals eine Kombination der Wirkstoffe Paclobutrazol und Difenoconazol zur Verfügung. Je nachdem, welche Wetterverhältnisse herrschen, kommt eher der eine oder der andere Behandlungsaspekt zum Tragen. Der Landwirt muss vor allem die Bildung vermorschter Stängel verhindern. Gefährlich sind insbesondere frühe Herbstinfektionen, sie schwächen den Rapsbestand für die Zukunft und machen ihn anfällig für weitere Infektionen.
 
Paclobutrazol und Difenoconazol: Sich ergänzende Wirkungen
 
Umso wichtiger ist es, dass sich die Wirkstoffe in den Kombinationsprodukten gut ergänzen. Paclobutrazol wirkt stark wachstumsregulierend, ist sehr mobil und wird systemisch zur Wachstumszone befördert. Dort vermindert es die Zellstreckung. Der Wirkstoff greift schon früh in den Stoffwechsel der Rapspflanze ein, so dass die Pflanze gut eingekürzt werden kann. Die Winterhärte wird positiv beeinflusst, weil das Aufstängeln im Herbst verhindert wird und sich der Wurzelhals aufgrund der Behandlung verdickt.
 
Difenoconazol bekämpft die Wurzelhals- und Stängelfäule direkt und wirkt zum einen vorbeugend, zum anderen stoppt es vorhandene leichte Infektionen und verhindert deren weitere Ausbreitung. Der Wirkstoff wird systemisch über Blätter und Stengel aufgenommen und im Pflanzengewebe transportiert. Mit modernen Kombinationsprodukten lassen sich die beiden wichtigsten Pflanzenschutzziele im Herbst recht problemlos erreichen: Ein lang anhaltender Schutz bis zum Vegetationsende gegen Phoma und eine gute Winterhärte, die bei entsprechender Witterung entscheidend für ein vitales Wachstum im Frühjahr ist.
 

 
Angelika Sontheimer
Freie Agrarjournalistin 
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