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Regenerative Landwirtschaft

Regenerative Landwirtschaft: Was bringt die Pflanzensaftanalyse?

Mithilfe des Refraktometers lässt sich der Zuckergehalt (Brixwert) im Blattsaft messen.
am Mittwoch, 18.01.2023 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

In der Regenerativen Landwirtschaft sollen Pflanzensaftanalysen Bodenproben ergänzen. Das steckt dahinter.

Eine Bodenanalyse ist im Ackerbau Standard. In der regenerativen Landwirtschaft, vor allem aber im Obst- und Gartenbau ist auch die Pflanzensaftanalyse verbreitet. Sie gibt Aufschluss über den Ernährungszustand der Pflanze zu einem gewissen Zeitpunkt. Wir stellen vor, was dahinter steckt.

Was bedeutet Pflanzensaft?

In ihren Leitbahnen, dem Xylem und dem Phloem transportiert die Pflanze Nährstoffe und Wasser in die Blätter. Der sogenannt Pflanzensaft ist mit Nährstoffen und Zucker angereicht, um die Blattorgane zersorgen. Die Pflanzensaftanalyse misst, wieviel Zucker und Nährstoffe in den Leitbahnen der Blätter enthalten sind.

Welche Messwerte lassen sich aus dem Pflanzensaft ermitteln?

Anhand des Pflanzensaftes lassen sich verschiedene Indikatoren messen. Dazu gehören pH-Wert, Zuckergehalt (Brix-Wert), die elektrische Leitfähigkeit, der Nitratgehalt, sowie zahlreiche Nährstoffe und Spurenelemente wie etwa Silizium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Mangan oder Kupfer.

Um sie zu messen, entnimmt man Blätter oder Teile eines Blattes und presst sie. Dazu eignet sich beispielsweise eine Knoblauchpresse. Die austretende Flüssigkeit ist der Pflanzensaft. Er enthält auch Teile der zerdrückten Blattzellen.

Das bedeuten pH-Wert und Brix-Wert?

Der Brix-Wert sagt aus, wie viel gelöste Nährstoffe sich im Pflanzensaft befinden. Ein Großteil davon ist Zucker, das energiereiche Stoffwechselprodukt der Fotosynthese. Er sollte höher als 10 sein.

Der Brix-Wert lässt sich schnell vor Ort mithilfe eines Refraktometers ermitteln. Um den pH-Wert zu messen, lässt sich der Pflanzensaft auf die Messspitze eines digitalen pH-Messgeräts träufeln. Das Optimum liegt bei einem pH von  6,4. Ein pH-Wert unter 6,4 zeigt, dass es der Pflanze an Kationen wie Calcium, Magnesium oder Kalium fehlt. Das wirkt sich beispielsweise negativ auf die Verfügbarkeit von Phosphor aus.

Weitere Messgeräte gibt es etwa, um den Kalium-Gehalt selbst zu ermitteln. Um die verschiedenen Nährstoffe und Spurenelemente im Saft zu ermitteln, muss die Probe in ein Labor geschickt werden.

Was ist beim Probenehmen zu beachten?

Der französische Berater Rémi Pascal empfiehlt im Gespräch mit dem Portal Terre-net.fr, das Pflanzenmaterial circa drei Stunden nach Sonnenaufgang zu entnehmen. Der entsprechende Bereich der Parzelle sollte homogen entwickelt sein. Es sollten sowohl junge als auch alte Blätter genommen werden, um aussagekräftiges Bild zu bekommen. Pascal rät, die die Pflanzen während der Vegetationsperiode dreimal zu untersuchen, falls zuvor noch keine Analysen durchgeführt wurden.

Pascal rät, die Pflanzensaftanalyse mit einer Bodenuntersuchung zu kombinieren, um zu verstehen, was etwa die Aufnahme bestimmter Nährstoffe behindert. Daraus lassen sich präzise Handlungsempfehlungen für die Zukunft ableiten. So lassen sich einige Probleme etwa mit organischer Düngung, gezielter Blattdüngung oder der Sortenwahl verbessern.

„Wir versuchen so, das Potenzial des Bodens bestmöglich zum Ausdruck zu bringen", sagt er. Nährstoffmängel ließen sich mithilfe der Analysen schon feststellen, bevor die Pflanzen Symptome zeigten. 

Mit Material von Terre-net.fr

Fluorimetrie-Messungen: Blattanalysen zeigen Nährstoffmängel

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