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Regierungswechsel gut für die Gentechnikbranche

von , am
25.12.2009

Neue Regierung - neue Richtung. Das trifft auch im Bereich der Grünen Gentechnik zu. Seit Ende September regiert in Deutschland eine schwarz-gelbe Koalition. Die Kanzlerin blieb die gleiche, die Ausrichtung ist eine neue: Pro Grüne Gentechnik.

© Werkbild

Das zeigt auch der Koalitionsvertrag, in dem es heißt: "Die Biotechnologie stellt eine wichtige Zukunftsbranche für Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft dar, die bereits weltweit etabliert ist. Deshalb wollen wir die verantwortbaren Potentiale der grünen Gentechnik nutzen." Doch was bedeutet das für die Landwirtschaft?

EU: Abstimmungsverhalten Deutschlands wird sich dauerhaft ändern

Auf EU-Ebene wird sich das Abstimmungsverhalten Deutschlands dauerhaft ändern. Bereits im November 2009 sprach sich Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erstmals für die Einfuhrzulassung eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO) aus. Bisher hatte sich die Bundesrepublik bei ähnlichen Entscheidungen stets enthalten. Jetzt verhält sich Aigner  auf solchen Abstimmungen Koalitionsvertrags-Konform. Darin steht: "Wir treten für eine stärkere Wissenschaftsorientierung und effiziente Zulassungsverfahren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf EU-Ebene ein."

EU-Agrarminister: Abstimmungspatt bleibt

Am üblichen Patt auf EU-Agrarminister-Ebene ändert dieser Richtungswechsel nichts. Entscheiden wird auch künftig die - Grüner Gentechnik gegenüber positiv eingestellte - EU-Kommission, an die Zulassungsanfragen beim Fehlen einer qualifizierten Mehrheit zurückgehen.

Nulltoleranz: Regierung wird sich für Grenzwerte einsetzen

Der Druck auf die Regierung indes wächst - vor allem was die auf EU-Ebene geltende Nulltoleranz bei Einfuhrprodukten betrifft. Der Deutsche Bauernverband und der Deutsche Verband Tierernährung (DVT) fordern Grenzwerte, um dem bisher ungelösten Problem von Spuren gentechnisch veränderten Pflanzen in Verarbeitungserzeugnissen und Futtermitteln zu begegnen. Ansonsten drohten der Agrar- und Ernährungsindustrie künftig gravierende Versorgungsprobleme vor allem im Bereich der Eiweißfuttermittel. Kritiker wie BUND, der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft und Campact allerdings fürchten durch Grenzwerte eine schleichende Einführung der GVO.

MON 810: Anbauverbot könnte aufgehoben werden

Auch auf Bundesebene könnte sich einiges ändern: Dass sie den Anbau der Stärke-Kartoffel Amflora von BASF für eine kommerzielle, industrielle Verwertung unterstützen, haben die Koalitionäre bereits angekündigt. Noch offen ist die Zukunft des Monsanto-Produkts MON 810. Wenn das Gerichtsverfahren, das Monsanto gegen das von Aigner verhängte Anbauverbot angestrebt hat, abgeschlossen ist, wollen Union und FDP über die weitere Zukunft des Bt-Mais in Deutschland entscheiden.

Durch die klar Pro-Gentechnologie ausgerichteten FDP könnte es mit dem Anbauverbot schnell vorbei sein und die einzige EU-weit zum kommerziellen Anbau zugelassene Pflanze auch auf deutschen Feldern wachsen.

GVO: Zukunft nur auf norddeutschen Äckern

Ob MON 810 in Zukunft hierzulande wirklich wächst, liegt letztendlich an den Landwirten. Wirklich Zukunft hätte ein GVO-Anbau ohnehin nur im Norden Deutschlands. Die bäuerliche Landwirtschaft im Alpenvorraum mit ihren relativ kleinen Äckern macht einen Anbau wegen der vorgeschriebenen Abstandsflächen (150, bzw. 300 Meter) schwierig.

Roundup: Immer mehr Unkräuter werden resistent

Der Bauernverband rät derzeit wegen ungeklärten Haftungsfragen für Landwirte, gegenwärtig nur geringen ackerbaulichen Vorteilen und einer enormen Zurückhaltung der Verbraucher vom GVO-Anbau ab. Zudem mehren sich Hinweise, dass durch die neuartigen Pflanzen der Pestizid-Einsatz steigt - nicht sinkt. Grund dafür ist der rasante Anstieg von Unkräutern, die gegen die Totalherbizide immun sind, wie eine Studie von Charles Benbrook vom Organic Center ergeben hat. Die Studie basiert auf Daten des US-Department of Agriculture.

Monsanto: 'Saatgut verträgt künftig noch mehr Herbizide'

Die Tatsache, dass viele Unkräuter inzwischen gegen die Totalherbizide immun sind, ist auch Monsanto nicht entgangen. Auf die Frage, was seine Firma denn dagegen tun wolle, sagte Hugh Grant, Chef des Gentechnik-Konzerns, im Interview mit der "Zeit": "Wir haben angefangen unser Saatgut so zu verändern, dass es mehr Herbizide verträgt."

Gentechnik: Großkonzerne stehen in den Startlöchern

Wie auch immer sich Bundesregierung und Landwirte entscheiden: Große Konzerne wie Bayer CropScience und Monsanto stehen in den Startlöchern. Monsanto investiert nach eigenen Angaben drei Millionen Dollar täglich in den Bereich Saatgut und Gentechnik, Bayer will bis zum Jahr 2018 3,5 Milliarden Euro in den Bereich Bioscience stecken.

{BILD:113183:jpg}Eva Ziegler
Redakteurin
www.agrarheute.com

 

 


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