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Biogas

Riesenweizengras als Alternative für die Biogasanlage?

von , am
27.07.2013

München - Das Riesenweizengras Szarvasi 1 könnte künftig im Substratmix von Biogasanlagen eine Rolle spielen. Mittlerweile wird es nicht nur unter Labor-Bedingungen, sondern auch in der Praxis getestet.

 
Das ungarische Riesenweizengras Szarvasi 1 könnte künftig im Substratmix von Biogasanlagen eine größere Rolle spielen. Denn mit zwei Schnitten sind insgesamt rund 19 Tonnen Trockenmasse pro Hektar möglich. Das zeigen vier-jährige Ergebnisse der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf. "Szarvasi wächst bis zu zwei Meter hoch, bildet ein tiefreichendes Wurzelsystem und ist nach der Etablierung sehr frosthart. Die geringen Bodenansprüche sowie die gute Trockentoleranz machen die Pflanze gerade für schwächere Standorte interessant", sagt Markus Heinz von der Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) Triesdorf. "In den beiden Erntejahren 2009 und 2010 erbrachte das Energiegras auf dem Standort Triesdorf einen höheren Methanertrag pro Hektar als Mais und alle anderen Energiepflanzen." Ziel der Versuche ist, Kenntnisse über die Anbaueignung, die Trockenheitstoleranz, die Nährstoffeffizienz, den Energieertrag und die Ertragssicherheit zu gewinnen.

Praxisversuche gestartet

Mittlerweile wird Szarvasi 1 nicht nur unter Labor-Bedingungen, sondern auch auf ganz normalen landwirtschaftlichen Betrieben getestet. "Seit 2011 wird das Energiegras auf Praxisbetrieben angebaut, die quer über das Bundesgebiet verteilt sind. Diese sind im Arbeitskreis Energiegräser gebündelt", erklärt Heinz. So auch auf dem Betrieb von Johannes Hüttner aus Kastl in der Oberpfalz. Das Energiegras baut er auf zehn Hektar an. "Ich habe Szarvasi seit zwei Jahren im Anbau. Bei nur 15 bis 25 Bodenpunkten zählt mein Standort zu den schwachen und auf der Suche nach Alternativen zum Maisanbau bin ich über Triesdorf auf die Energiepflanze aufmerksam geworden. Der Ertrag 2012 war, wie im ersten Jahr üblich, sehr bescheiden. 2013 sieht es dagegen sehr gut aus." Die Erntemenge betrug 260 Tonnen Frischmasse und 80 Tonnen Trockenmasse auf einer Fläche von sieben Hektar. Damit ergibt sich ein Trockenmasseertrag von 11,4 Tonnen pro Hektar. "Dies ist für den schwachen Standort ein sehr guter Ertrag", sagt Markus Heinz.

Mehrjärig nutzbar

Das Riesenweizengras ist ein mehrjährig nutzbares Steppengras. Die Aussaat sollte im Sommer (ab Juni) mit 15 bis 20 Kilogramm pro Hektar in ein unkrautfreies, gut abgesetztes und flach bearbeitetes Saatbett auf ein bis zwei Zentimeter Tiefe erfolgen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bioenergiepflanzen, wie etwa der Durchwachsenden Silphie, kann das Energiegras mit herkömmlicher Technik gedrillt werden, was die Verfahrenskosten erheblich reduziert. Zur schnelleren Etablierung des Bestandes sollten bis zum Aufgang 60 Kilogramm Stickstoff (N) pro Hektar eines schnell wirkenden N-Düngers gegeben werden.
Weil Szarvasi 1 sehr empfindlich auf Unkrautkonkurrenz reagiert, empfiehlt sich im Ansaatjahr ab dem Vier-Blattstadium ein Herbizideinsatz. "Ganz problematisch sind die Unkräuter in der Etablierungsphase des Bestandes, hier gibt es inzwischen Alternativen zur chemischen Behandlung", erklärt der Landwirt. Die Ernte erfolgt zweimal pro Jahr. Ein Vorteil ist, dass das Energiegras mit dem Häcksler aus dem Stand geerntet werden kann und man nicht vorher zu mähen braucht. "Wir erreichen TS-Gehalte von 30 bis 35 und haben damit im Silo wenig Probleme mit weglaufendem Gärwasser."

Tiefreichende Wurzeln

Die Pflanze hat tiefreichende Wurzeln und kommt daher gut mit längeren Trockenperioden zurecht. Allerdings wächst sie natürlich üppiger, wenn eine gute Wasserversorgung gegeben ist. In den beiden Versuchsjahren 2009 und 2010 übertraf Szarvasi 1 im Trockenmasseertrag mit 19,3 beziehungsweise 18,5 Tonnen pro Hektar Mais und die anderen untersuchten Energiepflanzen klar. Ob das Energiegras in der Praxis die gleichen Werte erreicht, wird sich in den nächsten Jahren herausstellen.
Gerade auf Grenzstandorten und in Wasserschutzgebieten könnte das ungarische Szarvasi-Gras eine ökologisch sinnvolle und ökonomisch verträgliche Alternative darstellen. Bei einem relativ geringen Stickstoffeinsatz wächst relativ viel Biomasse heran. Das ist besonders für Wasserschutzgebiete von großem Vorteil. Zudem bietet das Gras als mehrjährige Dauerkultur einen deutlich verbesserten Erosionsschutz gegenüber dem Maisanbau. Auch die Gefahr einer Nitratverlagerung ist weit geringer als beim Mais. Des Weiteren steigt durch den Anbau alternativer Energiepflanzen die Akzeptanz zur Bioenergieerzeugung auf Ackerflächen.
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