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Forschung

Russischer Löwenzahn: Kautschuk von heimischen Äckern ernten

Löwenzahn_Acker_Traktor
am Dienstag, 23.11.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Aus Löwenzahn lässt sich Kautschuk gewinnen. Im Vergleich mit dem Gummibaum ist die Kultur aber noch nicht wettbewerbsfähig. Ein neues Projekt soll klären, wie der Anbau in Deutschland am besten funktionieren kann.

2018 stellte das Unternehmen Continental Reifen mit Kautschuk aus regionalem Anbau vor. Auf deutschen Feldern ist Russischer Löwenzahn als Rohstofflieferant bislang aber selten zu sehen. Die Pflanze wurde bereits in der Sowjetunion zur Gummi-Erzeugung genutzt.

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland Anbau in kleinerem Stil. Viele Fragen zu den optimalen Anbaubedingungen, zum Wasserbedarf und Ertragspotenzial sind bislang aber ungeklärt. 

Forscher vom Julius-Kühn-Institut wollen das nun ändern. Das Projekt DandelionBase soll nun alle Daten aus den pflanzenbaulichen Versuchen zu einer Datenbank zusammenführen. Die Wissenschaftler wollen so herausfinden, wie ein optimaler Anbau aussehen kann.

Das sind die Vorteile von Russischem Löwenzahn

Bislang spricht einiges für den Anbau von Russischem Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz)

„Im Gegensatz zum Gummibaum kommt Russischer Löwenzahn hervorragend mit den Bedingungen unseres gemäßigten Klimas zurecht, enthält nennenswerte Mengen Kautschuk in seinem Milchsaft, benötigt keine zusätzliche Düngung und ist nach der Aussaat innerhalb eines Jahres erntefähig“, sagt Katja Thiele. Sie betreut beim JKI die pflanzenbaulich ausgerichteten Projekte zum Russischen Löwenzahn.

Die Pflanze stammt ursprünglich aus Kasachstan.

Mehr Kautschuk in den Löwenzahn züchten

Noch reicht auch die im Russischen Löwenzahn enthaltene Kautschuk-Menge nicht für eine wettbewerbsfähige Produktion aus. Sie beträgt 17 Prozent der Trockenmasse in den Wurzeln. 

Das JKI für Züchtungsforschung will den Russischen Löwenzahn daher auch züchterisch verbessern. Mithilfe von molekularen Markern sollen Pflanzen mit höherer Biomasse und mit höherem Kautschukgehalt identifiziert werden. Auf dieser Basis sollen sich künftig leistungsfähigere Pflanzen züchten lassen.

Bereits Reifen aus Löwenzahn-Kautschuk entwickelt

Taraxagum Reifen Löwenzahn Continental

Das ökonomische Potenzial des Russischen Löwenzahns erforscht das Julius-Kühn-Institut in einer Kooperation mit der Contintental Reifen Deutschland GmbH und dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie.

Im Taraxagum-Lab in Anklam haben sie bereits Reifen aus Löwenzahnkautschuk entwickelt. Sie sind 2021 auch für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden.

Bislang nur Regenwald-Gummi auf dem Markt

Zurzeit wird Kautschuk ausschließlich aus dem Saft des Gummibaums gewonnen. Der Saft, der auch Latex genannt wird, enthält 25 bis 30 Prozent Kautschuk. 10 Jahre nach der Pflanzung lässt sich der Baum zum ersten Mal beernten.

Gummibäume wachsen nur in den Tropen. Die Plantagen stehen hauptsächlich in Südostasien und zum Teil in Südamerika. Der Anbau steht wegen des Rodens von Regenwäldern teils in der Kritik. Zudem machen Pilzkrankheiten den Bäumen zu schaffen.

Mit Material von JKI, AgE, Continental
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