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Russland erwägt Exportbeschränkungen für weitere Agrarprodukte

von , am
13.09.2010

Moskau - Nach dem Exportstopp für Getreide wird in Russland jetzt auch über Beschränkungen bei der Ausfuhr von Raps sowie Sonnenblumensaat und Sonnenblumenöl nachgedacht.

© agrarfoto.com

Darüber soll nach Angaben des stellvertretenden Landwirtschaftsministers Sergej Koroljow allerdings erst entschieden werden, wenn die Ernten komplett abgeschlossen sind. Erste Forderungen nach einem Ausfuhrstopp für Sonnenblumen waren von Seiten der russischen Ölmühlenindustrie aufgekommen, nachdem durch eine anhaltende Trockenheit große Teile der Bestände vernichtet worden waren.

Das Consulting- und Forschungszentrum für Agrarökonomie (Sovecon) rechnet mit einer Sonnenblumenernte von etwa sechs Millionen Tonnen; im vergangenen Jahr waren 6,4 Millionen Tonnen eingebracht worden.

Preise für Sonnenblumensaat gestiegen 

Die Russische Getreideunion erwartet dagegen ein Aufkommen von 6,7 Millionen Tonnen Sonnenblumensaat. Allerdings würde diese Menge gerade ausreichen, um die übliche Produktion von rund 2,8 Millionen Tonnen Sonnenblumenöl sicherzustellen. Der Inlandsbedarf an Sonnenblumenöl wird von Experten auf zwei Millionen Tonnen beziffert. In der ersten Septemberwoche waren die Ankaufpreise für Sonnenblumensaat in Russland um mehr als ein Viertel auf 15.000 Rubel pro Tonne (381 Euro) bis 16.000 Rubel pro Tonne (406 Euro) gestiegen.

Ausfuhrverträge werden eingehalten

Trotz des seit Mitte August geltenden Ausfuhrverbots für Getreide haben die russischen Handelsgesellschaften bislang keinen einzigen Liefervertrag mit ausländischen Käufern gekündigt. Laut Darstellung des Präsidenten der Russischen Getreideunion, Arkadij Slotschewskij, wird statt der russischen Ware Getreide geliefert, das aus anderen Ländern - zumeist aus Kasachstan - stammt. Da sich Russland in den zurückliegenden neun Jahren zu einem bedeutenden Spieler am Weltgetreidemarkt entwickelt habe, bleibe der aktuelle Exportstopp jedoch nicht ohne Auswirkungen. Vor allem die zu beobachtenden Preissteigerungen bei den Lieferungen bedeuteten für die Importländer eine höhere Belastung. Slotschewskij verteidigte nochmals die Entscheidung der russischen Regierung für einen Ausfuhrstopp bei Getreide. Dieser Schritt diene ausschließlich dem Ziel, die Inlandsversorgung zu sichern, nachdem infolge der Dürre fast ein Drittel der russischen Getreideernte verloren gegangen sei.

Kein außergewöhnlicher Importbedarf

Landwirtschaftsministerin Jelena Skrynnik stellte erneut klar, dass Russland trotz der Ernteeinbußen in diesem Wirtschaftsjahr keine über das normale Niveau hinausgehenden Getreideimporte benötige. Nach wie vor gehe ihr Ressort von einer Getreideernte in Höhe von 60 Millionen Tonnen bis 65 Millionen Tonnen aus. Einschließlich der Übergangsvorräte von 26 Millionen Tonnen sollte es in Russland daher ausreichend Getreide zur Deckung der inländischen Nachfrage geben. Laut Skrynnik haben sich die deutlich gestiegenen Preise für Futtergetreide inzwischen auf einem mittleren Niveau von 5.500 Rubel pro Tonne (140 Euro) stabilisiert.

Entwarnung für den Kartoffelmarkt 

Nach Angaben der Ministerin wurden in Russland durch die katastrophalen Witterungsverhältnisse landwirtschaftliche Kulturen auf rund 13 Millionen Hektar oder 17 Prozent der gesamten Anbaufläche vernichtet. Der bislang bestätigte Schaden liege bei rund 39 Milliarden Rubel (991 Millionen Euro). Dennoch gebe es am heimischen Nahrungsmittelmarkt bislang keine negativen Auswirkungen. Der zum Teil starke Anstieg der Einzelhandelspreise für einzelne Produkte sei vor allem auf Hamsterkäufe zurückzuführen, aber auch auf Spekulationsgeschäfte außerhalb der Grenzen Russlands. Entwarnung gab Skrynnik auch für den Kartoffelmarkt. Dort habe man den Markt ebenfalls unter Kontrolle. Allerdings könnte die auf etwa 22 Millionen Tonnen veranschlagte Kartoffelernte die Binnennachfrage um rund sechs Millionen Tonnen unterschreiten.

Hilfe aus Kasachstanmöglich

Russland kann derweil auf Hilfe aus seinen Nachbarländern bauen. So könnte Kasachstan im laufenden Wirtschaftsjahr bis zu 1,5 Millionen Tonnen Getreide in Nahrungsmittelqualität liefern, teilte der Vorsitzende des Agrarausschusses im kasachischen Parlament, Romin Madinow bei einem Besuch in Moskau mit. Allerdings seien von russischer Seite bislang noch keine Anfragen gekommen. Der stellvertretende Ministerpräsident Kasachstans, Umirsak Schukejew, hob hervor, dass sein Land nicht vorhabe, im laufenden Wirtschaftsjahr die Getreideausfuhren zu beschränken. Vielmehr sei ein Verzicht auf derartige Maßnahmen die größte Hilfe für die heimischen Agrarproduzenten. Dennoch wolle die Regierung rund drei Millionen Tonnen Getreide als Sicherheitsreserve für die Binnenversorgung ankaufen.

Auch Weißrussland signalisiert Unterstützung

Unterstützung für Moskau signalisierte auch Weißrussland. Man sei bereit, Getreide ins Nachbarland zu liefern, erklärte Vizepremier Iwan Bambisa. Gemäß seinen Angaben wurde bereits die Ausfuhr von 50.000 Tonnen Brotroggen sowie 20.000 Tonnen Roggen- und Weizenmehl in die russischen Regionen bewilligt. Außerdem solle in Kürze über Anträge auf den Export von Braugerste und Malz entschieden werden, erklärte Bambisa. Der staatliche weißrussische Nahrungsmittelkonzern schlug unterdessen vor, die Ausfuhr von Rapssaat und Rapsöl vorerst zu verbieten, da bei diesen Erzeugnissen derzeit kein Exportpotential zu erkennen sei. Aufgrund der umfangreichen Auswinterungsverluste und ungünstiger Witterungsverhältnisse im Sommer dürfte sich die diesjährige Rapsernte nur auf 350.000 Tonnen belaufen, während 2009 noch 612.400 Tonnen eingefahren worden seien. Diese Menge reiche den heimischen Verarbeitern lediglich für eine Kapazitätsauslastung von 40 Prozent bis 45 Prozent. (AgE)

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