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Russland: Weizenernte schrumpft drastisch

© Mühlhausen/landpixel
von , am
03.07.2012

Für Russland wurde die Ernteprognose deutlich nach unten korrigiert. Die anhaltende Hitzewelle in Südrussland lässt die Erträge schrumpfen. Das hat Einfluss auf die Versorgungsbilantz und die Weizenpreise.

Die Rekorderntewerte werden voraussichtlich dieses Jahr verfehlt. © Kurt Bouda/aboutpixel.de
Russland könnte ein Fünftel weniger Weizen ernten als im letzten Jahr. Dies hat nicht nur beträchtlichen Einfluss auf die globale Versorgungsbilanz sondern auch auf die Weizenpreise. Das Landwirtschaftsministerium sowie private Analysten korrigieren ihre Ernteprognosen jetzt deutlich nach unten. Ursache für die massiven Korrekturen ist die anhaltende Hitzewelle in Südrussland.

Hitze reduziert Ertragspotenzial

Die Weizenernte hat in Südrussland kurz vor dem Monatswechsel und damit zehn Tage eher begonnen als im Durchschnitt der letzten Jahre. Ursache war die hitzebedingte Notreife in vielen Beständen die aber zu deutlichen Minderträgen führte. Das russische Landwirtschaftsministerium hat letzte Woche in einigen von der Hitze besonders betroffen Regionen von Mindererträgen bis zu 40 Prozent berichtet.
 
In der Folge haben die Fachleute ihre Prognosen zur russischen Weizenernte von ursprünglich 57 Millionen Tonnen (Mio. t.) auf jetzt 46 bis 49 Mio. t reduziert. Im letzten Jahr lag die Ernte bei 56,2 Mio. t uns das US-Landwirtschaftsministeriums war Mitte Juni immerhin noch von 53 Mio. t ausgegangen.
 

Exporte gehen um ein Drittel zurück

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Ähnlich deutlich wie das Landwirtschaftsministerium hatten auch russische und internationale Analysten ihre Ernteprognosen nach unten korrigiert. So rechnen die Fachleute des russischen IKAR-Instituts auf Basis der ersten Ernteergebnisse mit einer Weizenernte von 48,5 Mio. t und sind damit am oberen Ende der Ministeriumschätzung.
 
Der Internationale Getreiderat (IGC) hat die russische Weizenernte in seiner gestrigen Prognose ebenfalls von zuvor 55 Mio. t auf 49 Mio. t gesenkt.
Den möglichen Weizenexport veranschlagen die IKAR-Analysten nur noch auf 13,5 bis 13,8 Mio. t, nachdem sie bislang von 15 Mio. t ausgegangen waren und die Ausfuhren im zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahr sogar bei rund 21 Mio. t lagen.

Ukraine und Kasachstan mit schwacher Ernte

Gleichzeitig wurde vom IGC auch die schon sehr schwache Weizenernte der Ukraine um nochmals eine Mio. t auf 13 Mio. reduziert. Eine ähnlich große Erntemenge hatte Mitte Juni auch das USDA für die Ukraine geschätzt. Im Vorjahr hatte die Ukraine noch 22 Mio. t Weizen geerntet. Damit schrumpft auch das Exportpotential der Schwarzmeerregion erheblich zusammen, zumal auch Kasachstan gut ein Drittel weniger Weizen ernten wird als im Jahr 2011.
 
Das USDA ging in seiner Juni-Prognose für Kasachstan für 2012 von einer Erntemenge von 15 Mio. t aus nach 23 Mio. t im letzten Jahr. Zwar sind die Lagerbestände in der Ukraine und in Kasachstan noch relativ hoch. Beobachter halten jedoch angesichts der am Schwarzen Meer ebenfalls kräftig steigenden Weizenpreise auch erneute Exportbeschränkungen (insbesondere in der Ukraine) für möglich.
 
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