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Forst

Sachsen-Anhalt: Große Hochwasserschäden im Wald

von , am
26.11.2013

Magdeburg - Die Folgen der Überflutungen in den Wäldern Sachsen-Anhalts durch das Hochwasser im Juni dieses Jahres bereiten den dortigen Förstern weiter Sorgen.

Durch den Klimawandel ist künftig mit einer Zunahme der negativen Auswirkungen auf das Ökosystem Wald zu rechnen. © Mühlhausen/landpixel
Experten rechnen mit erheblichen Schäden im Baumbestand. Diese bezifferte Landwirtschaftsminister Dr. Hermann Onko Aeikens bei der Vorstellung des aktuellen Waldzustandsberichts in Magdeburg auf rund 38 Millionen Euro. Das sei aber nur eine vorläufige Zahl, da das ganze Schadensausmaß erst nach dem endgültigen Ablaufen des Wassers sichtbar werde.
 
Der Schwerpunkt der Hochwasserschäden liegt nach Angaben von Aeikens mit rund 11.000 Hektar im Elbe-Havel-Winkel, östlich der Elbe zwischen Genthin und Havelberg. In dieser Region handele es sich überwiegend um Kleinprivatwald auf schwachen Sandstandorten; wesentliche Teile der überfluteten Bestände seien Kiefern.

Vor allem Kiefern und Buchen betroffen

Der Ressortchef gab zu bedenken, dass man durch den fortschreitenden Klimawandel in Zukunft mit einer Zunahme der negativen Auswirkungen auf das Ökosystem Wald in deutschen Breiten rechnen müsse. Allerdings seien noch viele Fragen offen, so etwa die genaue Wirkung der veränderten Niederschlagssituation und der Temperaturerhöhungen auf das komplexe System Wald sowie die Möglichkeiten der Anpassung. Hier bestehe noch großer Forschungsbedarf. In der Regel würden Waldbestände - insbesondere die am stärksten betroffenen Auewaldbestände - jedoch durch temporäre Überflutungen nicht geschädigt, so der Minister. Bei älteren Beständen verfüge die Stieleiche als Baumart der Hartholzaue über eine hohe Überflutungstoleranz. Bei anderen Laubholzarten - insbesondere der Buche - liege die Toleranz aber deutlich niedriger. Das gelte auch für die Kiefer, bei der schon nach kurzer Überflutungszeit das Risiko eines späteren Absterbens gegeben sei.

Alte Waldbestände mehr geschädigt

Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Waldzustandserhebung laut Darstellung des Ministers einen deutlichen Alterstrend. Die mittlere Kronenverlichtung der über 60-jährigen Waldbestände liege mit 19 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in jüngeren Waldbeständen mit acht Prozent.
 
Die mittlere Kronenverlichtung der Waldbäume in Sachsen-Anhalt betrage in diesem Jahr 15 Prozent, womit das Gesamtergebnis für alle Baumarten und Altersklassen seit dem Jahr 2009 unverändert geblieben sei. Positiv ist laut Aeikens zu bewerten, dass durch die Umsetzung von Luftreinhaltemaßnahmen der Schwefeleintrag, der im Ökosystem Wald eine stark versauernde Wirkung entfalte, in beispielhafter Weise zurückgegangen sei. Auch die Stickstoffeinträge und der Gesamtsäureeintrag seien rückläufig.

Eiche und Kiefer stärker von Schadinsekten befallen

Sorge bereiten dem Minister weiterhin die Massenvermehrungen von Schadinsekten bei Eiche und Kiefer. In diesem Jahr habe man deshalb mehr als 1.800 Hektar Eichen- und Kiefernwälder aus der Luft chemisch behandeln müssen. Als Ursache für die Schäden an Eichen spielten nach wie vor Witterungsextreme in Kombination mit wiederholtem, starkem Blattfraß eine herausragende Rolle, so Aeikens. Besorgniserregend sei, dass Eichen in den letzten Jahren in vielen Gebieten keine belastungsfreien Erholungsphasen gehabt hätten.
 
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