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Schärfere Kontrollen und das Ende der Hofbeizung

von , am
18.12.2009

München - Insektizide Maisbeizen werden wohl auch 2010 verboten bleiben. Rapsbeizen sind dagegen wieder zugelassen. Künftig werden neben Pflanzenschutzspritzen auch Beizgeräte stärker kontolliert.

© Mühlhausen/landpixel.de

Die Rahmenrichtlinie zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, unterzeichnet im vergangenen Oktober, wird bis 2011 in nationales Recht umgesetzt. Dabei geht es hauptsächlich um den fünfjährigen Spritzen-TÜV, der EU-weit verpflichtend wird. Deutschland erfüllt diese Vorgaben mit der Prüfung alle zwei Jahre schon heute.

Verschärfungen drohen allerdings bei den zu prüfenden Gerätetypen: Künftig nehmen die Kontrolleure auch Beizgeräte unter die Lupe. "Erfüllen die Anlagen die Anforderungen nicht, wird man Saatgut mittelfristig nicht mehr selbst beizen können", sagt Dr. Wolfgang Zornbach vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Die Richtlinie sieht zudem einen verstärkten Anwenderschutz durch Fortbildungen vor. Pflanzenschutzmittel dürfen dann nur noch an Sachkundige verkauft werden. Immerhin, Abholer und Transporteure sollen davon ausgenommen sein. Fest steht also: Weitere Auflagen zum Pflanzenschutz werden auch 2010 nicht auf sich warten lassen.

Beizmittel: Hofbeizung dürfte bald passé sein

Insektizide Maisbeizen werden wohl auch 2010 verboten bleiben. Die Rapsbeizen sind dagegen wieder zugelassen und bleiben es wohl auch. Beim Winterraps stehen Blütenspritzungen im Fokus des Bienenschutzes. Noch nicht beanstandet sind bisher Rübenbeizen, obwohl sie teilweise ähnliche Wirkstoffe enthalten. Nach wie vor ist aber im Gespräch, die Getreidebeizen in den Fokus zu rücken. Für die Sommerkulturen im Frühjahr 2010 wird sich voraussichtlich zwar noch nichts ändern. Zum Herbst 2010 könnte die bisher vielfach übliche Hofbeizung mit wichtigen Getreidebeizen allerdings passé sein, wenn die Anlage nicht aufwändig und kostenintensiv zertifiziert ist.

Resistenzen: Rückkehr zu ackerbaulichen Grundsätzen gefragt

Viele Mittel wirken schon längst nicht mehr so, wie sie sollten. Beispiele gibt es zuhauf, auch gegen wirtschaftlich wichtige Schädlinge, etwa gegen den Kartoffelkäfer, Läuse oder Pilzkrankheiten im Getreide. Vielfach ist daher die Rückkehr zu alten ackerbaulichen Grundsätzen ohne viel Chemie, aber mit deutlich mehr Aufwand gefordert – und das bei miserablen Erzeugerpreisen.

Wurzelbohrer: Einschleppung aus Italien muss eingedämmt werden

Die weitere Entwicklung in Italien wird den Diabrotica-Befall in Deutschland beeinflussen, erwartet Dr. Peter Baufeld vom Julius-Kühn-Institut in Braunschweig. Nachdem auch für 2010 nicht mit der Wiederzulassung Clothianidin-haltiger Beizen wie Poncho plus oder Cruiser zu rechnen ist, "muss in Italien etwas passieren", besonders bei der Fruchtfolgegestaltung. Da die meisten Käfer über Einschleppung nach Deutschland gelangen, stellt das Befallsgebiet Lombardei eine Gefahr besonders für Frankreich und Baden-Württemberg dar.

Impact-Studie: Totalausrottung oder komplette Selbstverantwortung

Im Frühjahr wird die EU über die Ergebnisse der so genannten Impact-Studie beraten: Experten diskutieren unterschiedliche Szenarien von europaweiter Totalausrottung bis hin zu kompletter Selbstverantwortung des einzelnen Maisanbauers. Daraus soll dann eine neue EU-Strategie abgeleitet werden. Polen, Tschechien und Ungarn zeigen unterdessen, dass die Kombination aus reduziertem Fruchtfolgeanteil und Pflanzenschutz den Druck mindert. In der Diskussion ist ein nationaler Entschädigungsfonds, wie er seit 2009 in Frankreich besteht. Nach dem Solidaritätsprinzip zahlen alle Maisanbauer ein und entschädigen damit Ausfälle.

Maissaatgut: Je 50.000-Körner-Sack ein Euro Abgabe

2009/10 wird eine berufsübergreifende Abgabe auf Maissaatgut von einem Euro je 50.000-Körner-Sack erhoben. In der direkten Quarantänezone im Umkreis von fünf Kilometer werden als Ausgleich bis zu 50 Prozent der entstandenen Kosten für den behördlich angeordneten Fruchtwechsel bezahlt und weitere 50 Prozent für den vorgeschriebenen Insektizideinsatz. In der Sicherheitszone mit zehn Kilometer Radius betragen die Entschädigungssätze 20 bis 40 Prozent. Die Zulassung weiterer, neuer Präparate gegen den Maiswurzelbohrer in Deutschland wird erwartet.


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Karl Bockholt
Redakteur dlz-agrarmagazin

www.dlz-agrarmagazin.de

 





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Klaus Strotmann
Redakteur dlz-agrarmagazin

www.dlz-agrarmagazin.de

 





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