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Schleswig-Holstein erntet ein Drittel mehr

© Stefan Hiller/aboutpixel
von , am
21.08.2012

Nach zwei unterdurchschnittlichen Jahren erwartet Schleswig-Holstein in diesem Jahr eine gute Getreideernte. Vor allem Wintergerste und Raps erzielen Rekorderträge.

Die Gerstenernte ist in vielen Teilen Deutschlands abgeschlossen. © landpixel
Mit weiter stabilem Hochdruckwetter könnte die Ernte Ende dieser Woche beendet werden. In den nördlichen Regionen stehen laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holsteins noch 30 bis 50 Prozent Weizen auf dem Halm. Schon jetzt könne davon ausgegangen werden, dass aufgrund der guten Qualität sowohl Weizen als auch Roggen überwiegend als Brotgetreide geerntet und vermarktet werden können. Das teilten Landwirtschaftsminister Robert Habeck, Landwirtschaftskammerpräsident Claus Heller und Bauerverbandspräsident Werner Schwarz gestern im Rahmen der gemeinsamen Erntepressekonferenz in Haßmoor mit.
 
Landwirtschaftsminister Habeck hob die hohen Erträge hervor. Im Bundesvergleich sei Schleswig-Holstein ganz vorne mit dabei. "Ursache dafür sind die gute Bodenqualität und insgesamt gute klimatische Bedingungen in diesem Jahr", betonte der Minister.

Getreide: Rekordernte bei Gerste

Laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat die Getreideanbaufläche 2012 um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Es wird eine Erntemenge beim Getreide von 2,8 Millionen Tonnen erwartet. Diese dürfte damit um knapp 32 Prozent über dem regenbedingt ertragsschwachen Vorjahr liegen. 
 
Das Bundesland hatte aufgrund einer schützenden Schneedecke kaum Auswinterungsschäden zu verzeichnen. Beim Winterweizen sei mit knapp 90 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) ein sehr hoher Durchschnittsertrag erzielt worden. Die Wintergerste erbrachte mit im Schnitt knapp 92 dt/ha einen Rekordertrag. Mit hohen Hektolitergewichten entspricht auch die Qualität den Anforderungen des Marktes. Zurzeit werden Erzeugerpreise im Bereich um die 220 Euro pro Tonne geboten.
 
Die Ernte von Roggen und Triticale konnte zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen werden. Die ersten Ertragsnennungen für Winterroggen stimmen ebenfalls positiv. Es gäbe in den Roggenbeständen keine Mutterkornprobleme, die Fallzahlen scheinen stabil zu bleiben, sodass in den meisten Fällen auch in Schleswig-Holstein Brotroggenqualität erreicht werden kann. Der Erzeugerpreis liegt zurzeit zwischen 210 und 220 Euro pro Tonne. Im Vorjahr lag der Preis angebotsbedingt deutlich über den Brotweizenpreisen.

Geringer Proteingehalt

Augrund der hohen Erträge sieht Heinrich Kröger, Vorsitzender des Getreideausschuss im Bauernverband Schleswig-Holstein Probleme beim Proteingehalt in einigen Landesteilen. Zu wenige Sonne in den entscheidenden Phasen habe die Stärkeeinlagerung vermindert, so Kröger. Derzeit liege das Gros der Werte zwischen 11 und 12 Prozent Protein für klassischen Brotweizen. Letztere werden nur anteilig auf hohem Ertragsniveau erreicht. Proteinwerte unter 12 Prozent führten zu Abzügen in der Vermarktung.
 
Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer wies darauf hin, dass Untersuchungen zeigten, dass gerade die neuen, leistungsfähigen Sorten auch mit Proteingehalten von 11 Prozent hervorragende Backergebnisse erreichen. Weiter sprach Heller an, dass im Hinblick auf die Energieeffizienz der Ernte die Forderungen nach Trocknung des Getreides auf maximal 14 Prozent Feuchte für die Lagerung nicht energiesparend seien, da auch 16 Prozent feuchtes Getreide sicher und problemlos gelagert werden könne.
 

Raps: Hoher Durchschnittsertrag

Beim Winterraps wurde mit etwas über 43 dt/ha ein ebenfalls hoher Durchschnittsertrag erzielt. Die Gesamterntemenge von Raps wird durchschnittlich ausfallen. Beträge aus der Praxis liegen derzeit noch nicht vor. Die Ertragserwartung liegt in etwa bei 43 Dezitonnen pro Hektar. Insgesamt läuft die Rapsernte in Deutschland nach den erfreulichen höheren Erträgen auf ein Niveau von 5 Mio. t hinaus. Damit zeichnet sich für die EU wieder eine Ernte von rund 19 Mio. t ab.
 
Da sich der Bedarf in der EU im Bereich von 21 Mio. t einpendelt, werde die EU auch in diesem Jahr wieder auf Importe angewiesen sein. Da weltweit auch nur eine begrenzte Menge zur Verfügung steht, gehe man beim Raps von einem stabilen Preisniveau aus. Die Rapserzeugerpreise liegen im Bereich von 480 bis 500 Euro pro Tonne. Es wird aber bereits die Ernte 2013 gehandelt, die derzeit ausgesät wird. Es lassen sich im Vorkontrakt um die 450 Euro pro Tonne erzielen.

Silomais: liegt in der Entwicklung zurück

Die Anbaufläche für Silomais hat im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent abgenommen. Mit gut 180.000 Hektar bleibt der Silomais jedoch weiterhin die zweitstärkste Ackerkultur in Schleswig- Holstein. Die Witterung macht dem Mais in seiner Entwicklung sehr zu schaffen. Für die Maisentwicklung war es zu kalt. Die Maisstände liegen im Vergleich zu den Vorjahren um mindestens 14 Tage zurück. Auch wenn jetzt noch warme Witterung folgt, werden die Pflanzen den Rückstand nicht aufholen. Aufholen könnte der Mais, wenn die Sommerwärme weiterhin anhält und eine ungestörte Kolbenbefruchtung und -füllung erfolgen kann.
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