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Schwarze Sommerfäule greift Äpfel an

von , am
03.09.2009

Hamburg - Schadpilze verursachen im Obstbau alljährlich Ertragsverluste in Millionenhöhe und können gut wirtschaftende Betriebe an den Rand des Ruins treiben.

© Ulrike-Steinbrenner/Fotolia

"Eine Vielzahl von Faktoren ist für den Befall durch Schadpilze verantwortlich. Hierzu gehören neben der Temperatur zu allen Jahreszeiten auch Niederschlag sowie Extremwitterungen, welche die Wirtspflanzen schwächen können.

Bereits jetzt gibt es erste Hinweise darauf, dass der Klimawandel neue Schadpilze ins Alte Land bringt und zudem einige etablierte Arten stark fördert" sagte Dr. Roland Weber von der Obstbauversuchsanstalt am Obstbau Versuchs- und Beratungszentrum (OVB) Jork.

Im Rahmen des Projektverbundes KLIMZUG-NORD kann jetzt eine für das Alte Land zentrale Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel umgesetzt werden: die Einrichtung eines Diagnostiklabors am OVB Jork. Hier wird mit Hochdruck an der Erkennung, Infektionsbiologie und Bekämpfung neuer Schadpilze gearbeitet. KLIMZUG-NORD ist Mitausrichter der 1. Hamburger Klimawoche, die vom 19. bis zum 26. September in der Hamburger Europapassage stattfindet. Dort informiert auch Dr. Weber über den klimabedingten Schädlingsbefall.

Schwarze Sommerfäuleunter der Lupe

Das bislang deutlichste Beispiel eines durch den Klimawandel begünstigten Schadpilzes ist Diplodia seriata, durch Dr. Roland Weber am OVB Jork erstmals im Sommer 2007 nachgewiesen. Dieser Wärme liebende Pilz verursacht die Schwarze Sommerfäule des Apfels, eine bis dahin an der Niederelbe völlig unbekannte Krankheit. Im Juli finden Infektionen der wachsenden Früchte statt, welche sich zunächst hinter unauffälligen kleinen schwarzen Punkten, dem Latenzstadium, verbergen. Kurz vor der Ernte kommt es dann zum Ausbruch einer aggressiven Fäulnis, welche die gesamte befallene Frucht in wenigen Tagen vernichtet.

Einzelne Bäume weisen sogar Totalverluste auf

Vor allem Bio-Obstbauern müssen seit 2007 bei bestimmten Apfelsorten Ernteausfälle bis zu 10 Prozent hinnehmen. Die Ausbreitung dieser Krankheit an der Niederelbe wird durch die Forscher am OVB Jork akribisch verfolgt. Bislang gibt es kaum Bekämpfungsmöglichkeiten, jedoch arbeitet man am OVB Jork im Rahmen von KLIMZUG-NORD intensiv an Lösungen. Erste Ansätze gibt es bereits. Diplodia seriata ist als Fruchtfäule bislang nur aus wärmeren Regionen bekannt, z.B. Südfrankreich. Die Infektion findet bei unserem derzeitigen Klima nur an sehr warmen Tagen mit Starkregen statt. Daher ist ein Zusammenhang der Invasion von D. seriata mit dem aktuell stattfindenden Klimawandel sehr wahrscheinlich.

Obstbau an der Niederelbe

Das Alte Land erstreckt sich von den Toren Hamburgs südlich der Elbe entlang bis nach Stade. Obstbau wird hier seit über 650 Jahren betrieben und ist damit der nachhaltigste Wirtschaftszweig dieser Region. Heute ist das Alte Land Nordeuropas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet: Auf fast 10.000 ha wird hier jeder dritte deutsche Apfel produziert. Auch die angrenzenden Gebiete Kehdingen und Stader Geest sind stark vom Obstbau geprägt. Die Produktion von Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Beerenobst bietet über 10.000 Menschen eine Existenzgrundlage. Der sehr hohe wirtschaftliche Erfolg dieses Wirtschaftszweiges wird durch die gewachsenen, eng vernetzten Strukturen aus Forschung, Beratung, Produktion und Vermarktung gewährleistet. Forschungs- und Beratungsinstitutionen sind unter dem Dach des Obstbau Versuchs- und Beratungszentrums (OVB) Jork angesiedelt. Demnächst wird auch die Obstbauschule hier ihren Platz finden.

Obstbäume reagieren auf den Klimawandel

Obstbäume sind mit ihren langen Standzeiten von 15-20 Jahren den Elementen besonders ausgesetzt. Ein wichtiges Forschungsthema am OVB Jork ist daher der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf den Obstbau. Eine Auswertung der langjährigen Beobachtungen am OVB Jork hat gezeigt, dass die Temperatur in den letzten 35 Jahren um etwa 1,5 °C gestiegen ist. Die Obstbäume reagieren bereits auf diesen Klimawandel: So hat sich der Beginn der Obstblüte in den vergangenen 30 Jahren um über 5 Tage pro Jahrzehnt verfrüht. Auch die bereits etablierten Schaderreger der Obstbäume zeigen erste Reaktionen auf den Klimawandel.

Apfelwickler im Alten Land

In den letzten Jahren ist der Apfelwickler (Cydia pomonella) zum wichtigsten Insektenschädling im Alten Land geworden. Seine Raupen befallen als Obstmaden die Früchte. Pro Jahrzehnt verfrüht sich der Falterflug des Apfelwicklers im Durchschnitt um 10 Tage. Somit finden die im Frühsommer aus den abgelegten Eiern schlüpfenden Raupen immer wärmere und längere Sommerperioden vor und können sich entsprechend besser entwickeln. Seit einigen Jahren beobachtet man im Alten Land das Auftreten einer zweiten Faltergeneration im Spätsommer. Kommt sie zur Eiablage, kann sie den Fruchtbefall kurz vor der Ernte erheblich verstärken. Somit sind nun immer größere Anstrengungen erforderlich, um den Apfelwickler zu kontrollieren. Hierzu werden am OVB Jork innovative Bekämpfungsmethoden ausprobiert und an die Obsterzeuger weitergegeben. (pd)

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