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Kommentar

"Das Spritzverbot auf Vorrangflächen ist kontraproduktiv"

Karl Bockholt, dlz agrarmagazin
am
27.06.2017

Die EU hat mit dem Spritzverbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen den Ackerbauern einen Bärendienst erwiesen. Ein Kommentar von Karl Bockholt.

Pflanzenschutzmittel dürfen auf ökologischen Vorrangflächen ab 2018 nicht mehr eingesetzt werden. Das EU-Parlament stimmte für den Vorschlag der EU-Kommission. Das macht heimischen Leguminosen auf Greeningflächen den Garaus. Das ändert die bisherigen Spielregeln auf einen Streich, und zwar per „delegiertem Rechtsakt“, der sich nur im Ganzen abweisen lässt: Verknüpft war das Spritzverbot mit dem Plan, das komplizierte Greening zu vereinfachen. Zwar wird der pedantisch vorgeschriebene Saattermin für Zwischenfrüchte nun gestrichen. Doch das ist teuer erkauft.
 
 

"Ein Bärendienst für Ackerbauern"

Karl Bockholt

Dabei passen Greening und Pflanzenschutz durchaus zusammen: Gute fachliche Praxis ist bei Körner- wie Futterleguminosen unbedingt vonnöten. Das pauschale Spritzverbot auch für Bohnen, Erbsen, Lupinen oder Soja ist bei der heftigen Konkurrenz durch Unkräuter und Krankheiten schlicht kontraproduktiv für die garantiert gentechnikfreien Eiweißpflanzen.
 
Die Entscheidung konterkariert zudem das Bemühen, die Abhängigkeit von Eiweißimporten zu senken. Dabei ist der Anbau von Leguminosen in der EU bislang ordentlich gewachsen, um rund drei Viertel im Vergleich zu den Jahren vor dem Greening  – in Deutschland sogar noch stärker. Mit diesem Plus hat sich der Importbedarf von Soja aus Übersee verringert. Nun wird die Eiweißlücke wieder größer, mit allen Folgen für die Umwelt.
 
Auf „normalen“ Ackerflächen sind Leguminosen mit dem Veto wieder weniger wirtschaftlich. Dort ist jetzt wohl ein „neues“ EU-Hilfsprogramm gefragt: So geht den unzähligen EU-Beschäftigten die Arbeit nicht aus. Den praktischen Anbauern haben sie jedoch einen Bärendienst erwiesen!

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