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Wie steht es mit dem ersten Grünlandschnitt?

von , am
04.06.2010

Niedersachsen/Baden-Württemberg/NRW - Die vielen Niederschläge machten den ersten Grünlandschnitt in vielen Bundesländern schwierig. Manche Landwirte konnten ihn dadurch erst zehn Tage später als gewöhnlich einfahren.

© Google Maps

Trotz Bodenkälte 20 Tonnen Frischmasseertrag
Martin Gravelmann, 49835 Wietmarschen Niedersachsen

Wir nehmen seit einigen Jahren niederländische "Power mähen"-Sorten als Ackergras, die ertraglich sehr gut abschneiden. Zunächst sah es dieses Jahr gar nicht so gut aus, weil die Bodenerwärmung schlecht war und die Vegetation hinterherhinkte. Das Ackergras schnitt trotzdem sehr gut ab. Die Neueinsaaten brachten es auf gut 20 Tonnen Frischmasse pro Hektar, das zweijährige Gras etwa zwei Tonnen weniger. Das Dauergrünland war schlechter, das Gras kam überhaupt nicht in Gang. Vielleicht war es auf den nassen Standorten zu kalt. Ich schätze die Trockenmasse auf weniger als 37 Prozent. In den letzten Tagen (31. Mai) fielen enorme Mengen an Regen. Jetzt ist buchstäblich Graswuchswetter, wir rechnen in drei Wochen mit dem zweiten Schnitt." mehr ...

Zehn Tage später gemäht
Stefan Fisel, 88499 Riedlingen-Zell Baden-Württemberg

"Aufgrund des schlechten Wetters konnte bei uns erst am 21. Mai gemäht und am 22. Mai eingefahren werden. Die Vegetation bewegte sich zwischen dem Ende des Ähren- und Rispenschiebens (Weidelgras, Rispe) und Beginn der Blüte (frühe Obergräser). Normaler Schnittzeitpunkt bzw. der Anfang bis Mitte des Ähren- und Rispenschiebens ist bei uns etwa der 10. Mai. Die Vegetation war in diesem Jahr circa acht Tage später dran als im Durchschnitt der Jahre. Gemäht wurde das (Acker-) Gras mit Aufbereiter. Aufgrund der fehlenden Sonne am Mähtag wurde alles noch einmal gezettet. Am Folgetag wurde geschwadet und gehäckselt. Der Trockensubstanz-Gehalt war erstaunlich gleichmäßig und dürfte bei geschätzten 32 Prozent liegen, was auch angestrebt wurde. Das Futter ließ sich gut verdichten." mehr ...

Hoher Energiegehalt durch zuckerreiche Gräser
Geurden GbR, Reiner und Toni Geurden, 47839 Krefeld-Hüls Nordrhein-Westfalen

"Wir haben schon am 28. April gemäht, weil wir bei den schlechten Wettervoraussagen lieber Ertragseinbußen in Kauf nehmen aber gute Qualität erhalten wollten. Das Wetter zum Schnittzeitpunkt war gut. Der Trockenmasseertrag lag wegen des frühen Schnittzeitpunktes zwar nur bei elf Tonnen pro Hektar, das Gras hat aber einen hohen Energiegehalt, unter anderem auch, weil wir für die Nachsaat ausschließlich zuckerreiche, hoch verdauliche Weidelgräser nehmen." mehr ...

Wie steht es mit dem ersten Grünlandschnitt?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Niedersachsen - Landwirt Martin Gravelmann brauchte wegen des schlechten Wetters einen Tag länger als üblich. Dafür konnte er trotz Bodenkälte 20 Tonnen Frischmasseertrag einfahren.


Wechselgrünland an der holländischen Grenze

"Wir bewirtschaften einen Gemischtbetrieb mit Grünland, Ackerbau, Milchvieh mit weiblicher Nachzucht und Legehennenhaltung an der holländischen Grenze im Landkreis Grafschaft Bentheim. Von unseren 24 Hektar Wechselgrünland haben wir am 17. Mai kurz vor der Blüte bzw. im Ährenschieben insgesamt 20 Hektar Ackergras und Dauergrünland gemäht. Da der Dienstag sehr bedeckt war, brauchten wir einen Tag länger und haben erst am Mittwoch, den 19. Mai, siliert.

Trotz Bodenkälte 20 Tonnen Frischmasseertrag

Wir nehmen seit einigen Jahren niederländische "Power mähen"-Sorten als Ackergras, die ertraglich sehr gut abschneiden. Zunächst sah es dieses Jahr gar nicht so gut aus, weil die Bodenerwärmung schlecht war und die Vegetation hinterherhinkte. Das Ackergras schnitt trotzdem sehr gut ab. Die Neueinsaaten brachten es auf gut 20 Tonnen Frischmasse pro Hektar, das zweijährige Gras etwa zwei Tonnen weniger. Das Dauergrünland war schlechter, das Gras kam überhaupt nicht in Gang. Vielleicht war es auf den nassen Standorten zu kalt. Ich schätze die Trockenmasse auf weniger als 37 Prozent. In den letzten Tagen (31. Mai) fielen enorme Mengen an Regen. Jetzt ist buchstäblich Graswuchswetter, wir rechnen in drei Wochen mit dem zweiten Schnitt.

Einsatz eines Silierhilfsmittels

Mit dem ersten Schnitt gehen wir immer auf die erste Siloplatte. Die Fläche ist 30 Meter lang und elf Meter breit. Wir schütten das Silo auf etwa 1,50 Meter in der Mitte, nach außen hin abfallend. Die Höhe ist an den Vorschub im Winter angepasst, der so hoch sein muss, dass wir keine Nacherwärmung haben. Als Silierhilfsmittel verwenden wir Bonsilage, das aus Milchsäurebakterien besteht. Die Siloabdeckung besteht aus Unterziehfolie, Hauptfolie, Vogelschutznetzen gegen Dohlen und Reifen. Die Grundfutteruntersuchung lassen wir frühestens vier Wochen nach dem Silieren durchführen, meist erst im Herbst mit der Maissilage zusammen, wenn wir die Winterfutterrationen neu berechnen. Untersucht werden Trockenmasse, Energie, Rohfaser, Rohprotein und Rohasche sowie "wirklich darmverdauliches Eiweiß" und die Mineralisierung."

Markus (links) und Martin Gravelmann
49835 Wietmarschen Niedersachsen

Wie steht es mit dem ersten Grünlandschnitt?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Baden-Württemberg - Stefan Fisel bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 60 Kühen. Sein Grünland liegt im Überschwemmungsgebiet.


Grünland im Überschwemmungsgebiet

"Wir bewirtschaften einen Milchviehbetrieb mit 60 Kühen und der dazugehörigen weiblichen Nachzucht. Der Focus im Betrieb liegt im Stall. Die Leistung liegt bei ca. 10.000 Kilo in der Milchleistungsprüfung. Daneben wird seit ein paar Jahren eine größere Anzahl an Färsen zur Zucht verkauft. Unser Betrieb liegt in Baden Württemberg in Oberschwaben südlich der Schwäbischen Alb. Die Donau fließt 30 Meter neben dem Hof vorbei. Der Hof liegt hochwassersicher auf etwa 540 Meter NN. Wir haben circa 750 Millimeter Jahresniederschlag. Neben dem Marktfruchtbau mit Winterweizen und Wintergerste werden noch zwölf Hektar Mais und vier Hektar Kleegras (Welsches Weidelgras, Rotklee) angebaut.

25 Hektar Dauergrünland

Wir bewirtschaften 25 Hektar Dauergrünland, von dem etwa 20 Hektar zur Silagenutzung genommen werden können. Der Rest ist durch Naturschutzauflagen bzw. Nässe weniger geeignet. Das Grünland wird seit einigen Jahren mit Weidelgras nachgesät. Fünf Schnitte sind bei uns normal. Ein Großteil unserer Wiesen wird ein- bis dreimal im Jahr durch Hochwasser überflutet. Nachteile ergeben sich dadurch, vor allem bei lang anhaltenden Überschwemmungen. Wertvolle Gräser gehen zurück, wir können nicht zum angestrebten Zeitpunkt mähen bis hin zum völligen Verderb im vergangenen Jahr, als ein größerer Teil des dritten Schnitts durch Verschmutzung nicht mehr als Silage genutzt werden konnte.

Zehn Tage später gemäht

Aufgrund des schlechten Wetters konnte bei uns erst am 21. Mai gemäht und am 22. Mai eingefahren werden. Die Vegetation bewegte sich zwischen dem Ende des Ähren- und Rispenschiebens (Weidelgras, Rispe) und Beginn der Blüte (frühe Obergräser). Normaler Schnittzeitpunkt bzw. der Anfang bis Mitte des Ähren- und Rispenschiebens ist bei uns etwa der 10. Mai. Die Vegetation war in diesem Jahr circa acht Tage später dran als im Durchschnitt der Jahre. Gemäht wurde das (Acker-) Gras mit Aufbereiter. Aufgrund der fehlenden Sonne am Mähtag wurde alles noch einmal gezettet. Am Folgetag wurde geschwadet und gehäckselt. Der Trockensubstanz-Gehalt war erstaunlich gleichmäßig und dürfte bei geschätzten 32 Prozent liegen, was auch angestrebt wurde. Das Futter ließ sich gut verdichten.

Ausreichender Trockensubstanzgehalt

Aufgrund der fehlenden Sonne im Mai bzw. der schon leicht fortgeschrittenen Vegetation rechne ich nicht mit den höchsten Energie- bzw. Rohproteinwerten. Struktur dürfte dagegen genügend vorhanden sein. Die Verschmutzung (Rohaschegehalt) schätze ich trotz des relativ feuchten Bodens aufgrund des hohen Ertrages in einen akzeptablen Bereich ein. Die Silage wird hauptsächlich an die Kühe verfüttert. Da erst vor zehn Tagen siliert wurde, habe ich noch keine Untersuchungsergebnisse. Auf Siliermittel haben wir bewusst verzichtet, da der Trockensubstanzgehalt nach meiner Ansicht passt und die Silage ab dem zweiten Schnitt schon verfüttert werden soll."

Stefan Fisel
88499 Riedlingen-Zell Baden-Württemberg

Wie steht es mit dem Grünlandschnitt?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Nordrhein-Westfalen - Reiner und Toni Geurden bewirtschaften einen Gemischtbetrieb mit 125 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon 60 Hektar Dauergrünland. Sie haben wegen der schlechten Wettervorhersage schon Ende April gemäht.


60 Hektar Dauergrünland für Grassilage

"Wir bewirtschaften im Kreis Viersen-Krefeld einen Gemischtbetrieb mit 125 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon 60 Hektar Dauergrünland, das nur für Grassilage genutzt wird und 65 Hektar Ackerbau. Wir halten 140 Milchkühe, im Zuge der Aufstockung sind wir im Stallneubau für 200 Kühe.

Hoher Energiegehalt durch zuckerreiche Gräser

Wir haben schon am 28 April gemäht, weil wir bei den schlechten Wettervoraussagen lieber Ertragseinbußen in Kauf nehmen aber gute Qualität erhalten wollten. Das Wetter zum Schnittzeitpunkt war gut. Der Trockenmasseertrag lag wegen des frühen Schnittzeitpunktes zwar nur bei elf Tonnen pro Hektar, das Gras hat aber einen hohen Energiegehalt, unter anderem auch, weil wir für die Nachsaat ausschließlich zuckerreiche, hoch verdauliche Weidelgräser nehmen.

Milchsäurebakterien schon beim Häckseln

Aufgrund der Frühjahrstrockenheit war der Grasbestand sauber und wir hatten kaum Erdanhaftung, so dass kein Risiko für Fehlgärungen besteht. Die Landwirtschaftskammer und Haus Riswick, die zur frühen Zeit beprobt hatten, empfahlen aufgrund der geringen Bakterienanhaftung den Einsatz von Milchsäurebakterien. Diese bringt der Lohnunternehmer schon beim Häckseln mit einem Dosiergerät in den Gutstrom ein. Wir lassen die Grassilage nach etwa acht Wochen auf Energie, Eiweiß und Verschmutzung untersuchen und erstellen die Rationsberechnung nach den Grundfutterergebnissen."


Reiner und Toni Geurden
Geurden GbR
47839 Krefeld-Hüls Nordrhein-Westfalen

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